Vorhang auf!

100 Jahre tänzerischer Aufbruch in Gera

Das Theater Altenburg Gera feiert 100 Jahre Tanztradition mit einem Internationalen Ballett-Festival

veröffentlicht am 27.03.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Elke Walter

Sasha Waltz & Guests: „In C“

Sasha Waltz & Guests: „In C“, Foto © Sebastian Bolesch

Nur wer sich auf den Weg macht und seine Chance nutzt, kann neue Projekte anstoßen. Genau das hatte Yvonne Georgi, eine talentierte junge Tänzerin aus der Tanzgruppe um Mary Wigman, am Reußischen Theater in Gera, dem Vorläufer des heutigen Hauses, in der Spielzeit 1925/26 gemacht. Ein Jahrhundert später gehört das Thüringer Staatsballett am Theater Altenburg-Gera, dessen Wurzeln in dieser ersten Ballettkompanie gründen, zu den aufstrebenden Ballettensembles in Deutschland. Yvonne Georgi stand, wie auch Mary Wigman, für den Aufbruch zum modernen Ausdruckstanz. 100 Jahre später kann auf diese einmalige Tanztradition in Gera zurückgeblickt werden – ein Jubiläum, das es zu feiern gilt.

Verantwortlich für das Programm zum Internationalen BallettFestival Gera 26 ist Projekt- und Festivalleiter Norbert Skowronek. Als ausgebildeter und langjähriger Tänzer kennt er die Geschichte des Tanzes sehr gut. Für das Festival, das vom 8. bis zum 21. Mai 2026 geht, hat er ein schlüssiges Konzept erarbeitet, das alle Fäden direkt oder indirekt mit Georgi in Verbindung bringt. Auch die Zeit des Nationalsozialismus sowie den Zeitraum im geteilten Deutschland spart er nicht aus, lenkt den Blick gleichzeitig auch auf die heutige Entwicklung. „Wir wollen kein Museumsfestival machen“, so Skowronek, „sondern neben der historischen auch die aktuelle Entwicklung betrachten.“ Tom Schilling (1928 bis 2026) wäre da zu nennen, wie auch John Cranko (1927 bis 1973) oder John Neumeier (Jahrgang 1939), der am 13. und 14. Mai mit seinem Bundesjugendballett und der Tanz-Collage „Die Unsichtbaren“ nach Gera kommt.

Am 17. Mai steht unter anderem Crankos Choreographie „Jeu de Cartes“ von 1965, zur Musik von Igor Stravinsky, auf dem Programm. Froh ist Skowronek, dass das Thüringer Staatsballett die Zusage erhalten hatte, Crankos Original-Choreographie tanzen zu dürfen. Nur die besten Kompanien bekämen sie. Zu sehen sind ausgewählte Ballettensembles, darunter das Boston Dance Theater, das Aalto Ballett Essen, Sasha Waltz & Guests und das Bundesjugendballett John Neumeier. Ergänzt werden die Gastspiele durch Auftritte des Thüringer Staatsballetts mit dem Klassiker „Romeo und Julia“. Eine Ausstellung zu Yvonne Georgi, Konzert- und Filmangebote sowie Gesprächsrunden, etwa mit dem Tanzhistoriker Prof. Dr. Ralf Stabel, der Tanzwissenschaftlerin Prof. Gabriele Brandstetter (gerade erst mit dem Deutschen Tanzpreis 2026 ausgezeichnet) sowie auch dem Tänzer Reid Anderson, runden das Programm ab.

Das gesamte Programm gibt es unter www.theater-altenburg-gera.de.

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