Solingen trifft Churfranken
Drei Landschaftsmaler zwischen Widerstand und Weltläufigkeit
veröffentlicht am 10.04.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Bettina Heinen-Ayech (1937-2020) Sonnenzyklus auf Sylt, Aquarell auf Papier, 1956, Foto © Daniela Tobias
Wenn Solingen auf Churfranken trifft, begegnen sich nicht nur zwei Regionen, sondern zwei künstlerische Haltungen: Beharrlichkeit und Aufbruch. Der Kunstraum in Churfranken widmet sich vom 21. März bis 31. Mai 2026 einer Maler:innengruppe, die sich bewusst gegen den Strom der Zeit stellte.
Bettina Heinen-Ayech, Erwin Bowien und Amud Uwe Millies bildeten das künstlerische Zentrum des legendären „Schwarzen Hauses“ in Solingen. In einer Epoche, in der die Abstraktion das Maß der Dinge wurde, hielten sie unbeirrt an der Gegenständlichkeit fest. Ihr Credo war die unmittelbare Anschauung. Gemalt wurde unter freiem Himmel, im wechselnden Licht, im Dialog mit Landschaft, Stadt und Atmosphäre.
Die Wurzeln dieser Haltung reichen in die 1920er Jahre zurück. Erna Heinen-Steinhoff und Hanns Heinen begründeten in Solingen einen literarisch-kulturellen Salon, der an die Tradition des 19. Jahrhunderts anknüpfte. Das „Schwarze Haus“ wurde zu einem Ort des internationalen Austauschs – Persönlichkeiten wie Rabindranath Tagore oder Sigrid Undset verkehrten hier. Mit Erwin Bowien trat die Malerei hinzu und formte eine Künstlergemeinschaft, die später als Solinger Künstlerkolonie bekannt wurde.
Das sogenannte „Maler-Dreigestirn“ verstand sich als Erbe der großen europäischen Künstlerkolonien. Ihre Werke sind keine nostalgischen Rückblicke, sondern konzentrierte Studien von Licht, Raum und Stimmung. Landschaft, Porträt und Stadtansicht werden zu Schauplätzen einer existenziellen Genauigkeit.
Die Ausstellung in Klingenberg am Main schlägt nun eine Brücke: von der bergischen Klingenstadt an den Main, von der Ateliergemeinschaft in die Weite Europas. Sie lädt dazu ein, eine Position wiederzuentdecken, die in Zeiten stilistischer Moden unbeirrt auf das Sehen setzte.
Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Mai 2026 beim Kunstraum Churfranken e. V. in Klingenberg am Main zu sehen. Weitere Informationen findet man unter www.kunstraum-churfranken.de.