Ausstellungen

Vom So-Sein und Da-Sein

Martin Furtwänglers beharrlicher Blick auf den Menschen

veröffentlicht am 01.05.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Martin Furtwängler, „Schemen“, 2022, Acryl auf Leinwand

Martin Furtwängler, „Schemen“, 2022, Acryl auf Leinwand, Foto © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Martin Furtwängler

Der Mensch steht im Zentrum von Martin Furtwänglers künstlerischem Kosmos – als Erscheinung, als Erinnerungsträger, als fragiles Gegenüber in einer Welt im Wandel. Seit seinen frühen Arbeiten widmet sich der 1954 in Karlsruhe geborene Maler, Grafiker und Buchkünstler dem inneren und äußeren Wesen des Menschen, seinem So-Sein und Da-Sein.

Mit wenigen, präzisen Strichen bannte er zunächst das Wesentliche eines Moments aufs Papier. Seine Figuren wirken wie aus dem Gedächtnis gehoben: Versatzstücke aus Familienalben, Splitter biografischer Szenen, Eindrücke aus einem Alltag, der sich fortwährend verändert. Der Blick ist beobachtend, bisweilen kritisch, gelegentlich politisch grundiert – nie plakativ.

Charakteristisch sind die breiten Linien, freien Schwünge und die entschlossene Reduktion. Furtwänglers Werk oszilliert zwischen grafischer Linearität und eruptiver, malerischer Geste. Skizzenhafte Leichtigkeit steht neben pastos verdichteten Farbschichten; Bilder werden über Jahre hinweg überarbeitet, übermalt, neu akzentuiert. So entstehen Kompositionen von großer Intensität – mal farbgewaltig und schichtreich, mal zurückgenommen bis hin zur düster-monochromen Konzentration.

Festlegen lässt sich dieser Künstler nicht. Serien wechseln mit Einzelwerken, Farbschemata mit Darstellungsformen. Freiheit ist das Movens seines Schaffens. Attribute wie „unangepasst“, „ursprünglich“ und „wild“ beschreiben weniger ein Stilprogramm als eine Haltung. Der Mensch und seine Umgebung bleiben der konstante Fluchtpunkt eines Werks, das sich jeder vorschnellen Kategorisierung entzieht.

Ab 1972 studierte Furtwängler in Hamburg und Westberlin zunächst Produktdesign, später Malerei und freie Grafik. 1983 wurde er Meisterschüler von Gerhard Bergmann.

Die Ausstellung „Welt von morgen“ ist vom 26. April bis 31. Mai 2026 im Kronacher Kunstverein e.V. zu sehen. Weitere Infos unter www.kunstverein-kronach.de.

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