Genau genug
Trude Friedrich und Peter Sauerer im Dialog der kleinen Form
veröffentlicht am 24.04.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Es ist das Kleine, das hier groß wird. Unter dem Titel „GENAU GENUG“ begegnen sich Trude Friedrich und Peter Sauerer in einer Ausstellung, die den Blick schärft – und zugleich verführt, näherzutreten.
Peter Sauerer schnitzt im extrem kleinen Format Szenen der Weltgeschichte. Seine farbig gefassten Objekte wirken auf den ersten Blick verspielt, entfalten jedoch eine satirische Schärfe, die weit über das Miniaturhafte hinausweist. In winzigen Dioramen treten Figuren aus Welt-, Kunst- und Filmgeschichte auf, nicht selten in postapokalyptischen Konstellationen. Bedeutende Bauwerke erscheinen als auf den Kopf gehängte Schnurarchitekturen – fragile Konstruktionen zwischen Ikone und Irritation. Und in seinen „Blackboxes“ wird das Publikum selbst zum Voyeur: Wer hineinschaut, wird Teil eines ebenso subtilen wie gesellschaftskritischen Spiels.
In kongenialer Ergänzung arbeitet Trude Friedrich mit Holz, Laub und Ästen. Ihre geschnitzten Blätter mit Intarsien und eingearbeiteten Wörtern, ihre abstrakten Formationen aus bearbeitetem Naturmaterial öffnen einen Raum der Konzentration. Beiläufige Sujets – Gräser, Zäune, Gitter – gewinnen eine stille Präsenz. In der sensiblen Bearbeitung wird die Fragilität der Natur ebenso sichtbar wie ihre formale Strenge.
Beide Positionen verbindet die Meisterschaft im Detail. Hier wird nicht monumental gedacht, sondern präzise. Das Kleine ist kein Nebenschauplatz, sondern ästhetische Haltung. „Genau genug“ meint Maß und Verdichtung – und die Einladung, genauer hinzusehen.
Peter Sauerer (*1958, München) und Trude Friedrich (*1955, Argentinien) leben und arbeiten in Walleshausen/Bayern.
Die Ausstellung „GENAU GENUG“ ist vom 18. April bis 14. Juni 2026 in der kunst galerie fürth zu sehen. Weitere Informationen unter www.kunst-galerie-fuerth.de.