Ausstellungen

Fritz Klee – Ein Selber wider Willen?

Porzellanikon Selb – Architekt, Gestalter und Lebenskünstler im Jubiläumsjahr der Stadt

veröffentlicht am 29.04.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Kakadu, Höhe 37,2 cm, Entwurf: Prof. Fritz Klee, Lorenz Hutschenreuther AG, Abteilung für Kunst, Selb, 1919 Inv. Nr. 21883/06

Kakadu, Höhe 37,2 cm, Entwurf: Prof. Fritz Klee, Lorenz Hutschenreuther AG, Abteilung für Kunst, Selb, 1919 Inv. Nr. 21883/06, Foto © Porzellanikon, Medienagentur Jahreiss, Fotograf: Manfred Jahreiß

Er wollte eigentlich gar nicht kommen. Fritz Klee, Architekt, Grafiker und Kunstgewerbler aus München, wurde 1908 mehr oder weniger widerwillig nach Selb gerufen – um die neu gegründete Fachschule für Porzellanindustrie zu leiten. Eine Provinzstadt, eine neue Aufgabe, kein eigener Plan dahinter. Und doch blieb er. Drei Jahrzehnte lang prägte er die Stadt auf eine Weise, die bis heute unübersehbar sichtbar geblieben ist. Dass man aus einer erzwungenen Ankunft eine Lebensaufgabe machen kann, ist die eine Geschichte, die diese Ausstellung erzählt. Die andere ist die Geschichte eines Mannes, der das Leben mit Leichtigkeit, Witz und einem unerschöpflichen Sinn für das Schöne und Komische durchmaß – und der dabei eine ganze Stadtgesellschaft mitriss und nachhaltig verwandelte.

Zum 600-jährigen Jubiläum der Stadt Selb zeigt das Porzellanikon eine große Sonderausstellung über Fritz Klee – und wirft damit Licht auf eine Figur, die im Bewusstsein der Kunstgeschichte nicht den Rang einnimmt, den sie verdient. Klee hinterließ in Selb nicht nur ikonische Bauwerke: die Fachschule für Porzellanindustrie, den Bahnhof, das Casino-Vereinsheim, das heute als Rosenthal Casino bekannt ist. Er schuf auch Porzellanobjekte von bestechender Originalität – humorvoll, eigenwillig und von einer formalen Eleganz, die bis heute begehrenswert wirkt. Mehr als 150 Porzellane und Originalzeichnungen aus seinem Schaffen sind in der Ausstellung versammelt. Ein Werk offenbart sich, das in seiner Bandbreite überrascht: Wer Fritz Klee bisher nur als Architekten kannte, wird ihn hier als vollständigen, vielstimmigen Künstler entdecken – und neu bewundern.

Was Klee zu einer so faszinierenden Persönlichkeit macht, ist seine Weigerung, sich auf eine einzige Rolle festlegen zu lassen. Er war Architekt und Zeichner, Lehrer und Gestalter – vor allem aber ein Inszenator des gesellschaftlichen Lebens. Als ideenreicher Organisator von Festen und Feierlichkeiten brachte er Leichtigkeit und Lachen in die Selber Gesellschaft, in einer Zeit, in der beides nicht selbstverständlich war. Die Ausstellungsfrage „Ein Selber wider Willen?“ ist dabei weniger eine biografische als eine existenzielle: Kann ein Ort, den man sich nicht gewählt hat, trotzdem der richtige sein? Klee scheint die Antwort mit seinem gesamten Schaffen gegeben zu haben – und die Ausstellung macht dieses stille Ja sichtbar und erfahrbar. Zu sehen bis 15. November 2026.

Die Ausstellung „Fritz Klee – Ein Selber wider Willen?“ ist vom 9. Mai bis 15. November 2026 im Porzellanikon Selb zu sehen. Weitere Informationen unter www.porzellanikon.org.

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