Die Lust des Mondes in der Einheiz Nacht
Das Grafikmuseum Stiftung Schreiner in Bad Steben widmet Horst Peter Meyer eine längst überfällige Werkschau
veröffentlicht am 10.05.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer
MEINUNGS TRÄGER. DARÜBER WIRD ZU REDEN SEIN, 2021, Radierung, 30 × 40 cm, Foto © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 für Horst Peter Meyer
Es gibt Künstler, deren Werk man kennen müsste – und die man trotzdem viel zu selten zu sehen bekommt. Horst Peter Meyer ist einer von ihnen. Der 1947 in Weimar geborene Grafiker, Meisterschüler von Paul Michaelis an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, hat in über sechs Jahrzehnten eines der bemerkenswertesten druckgrafischen Œuvres der Gegenwartskunst Mitteldeutschlands geschaffen. Dass eine konzise Übersichtsschau dieses Schaffens bis jetzt auf sich warten ließ, grenzt an ein Versäumnis der Kunstwelt – welches das Grafikmuseum Stiftung Schreiner in Bad Steben nun endlich und mit sichtlicher Überzeugung behebt.
Anlass ist der ›Wolfgang Schreiner-Stiftungspreis für Druckgrafik‹ 2024, den die Jury Meyer für seine Kaltnadel „END SPIEL IM ABSCHIEDS RAUM“ (2023) zuerkannt hat. Der Preis, seit 2022 im Zweijahresturnus in Kooperation mit der Leipziger Grafikbörse e. V. vergeben, erinnert an Dr. Wolfgang Karl Schreiner (1930–2015), den Sammler und Museumsgründer, dem die Grafik als Kunstform besondere Fürsorge verdankt. Mit dem Preis verbunden ist stets eine umfangreiche Ausstellung des Preisträgers – und so ist Meyers Werkschau „DIE LUST DES MONDES IN DER EINHEIZ NACHT“ noch bis zum 21. Juni 2026 zu erleben.
Meyers Œuvre kreist unablässig um den Menschen – nicht als Idealbild, sondern als eine von Krisen, Brüchen und Nöten gezeichnete Existenz in einer sich auflösenden Welt. Was seine Arbeiten dabei vor dem Zynismus bewahrt, ist ein unübersehbares Zeichen der Humanität: Ironie und Humor, die bei aller Schärfe des Blickes noch Raum für Hoffnung lassen. Subtil loten Bild und Sprache alte und neue Wirklichkeiten aus – und das über alle Techniken hinweg: Kaltnadel, Radierung mit Aquatinta, Holzschnitt, Linolschnitt und Lithografie begegnen einander in der Ausstellung als gleichwertige Ausdrucksmittel eines Meisters seines Fachs. Die Formate reichen vom zart Intimen bis zum Monumentalen; die Bandbreite belegt, dass Meyers Rang längst weit über die Region hinausweist.
Der rätselhafte Ausstellungstitel – DIE LUST DES MONDES IN DER EINHEIZ NACHT – gibt die Richtung vor: Man muss sich einlassen, muss bereit sein, in Bildern zu denken, die fragen statt zu erklären, die Unbehagen und Schönheit zugleich aushalten und die sich dem schnellen Verständnis entziehen. Meyers Kunst verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und den Mut, sich von Vertrautem zu lösen. Und sie gibt das alles zurück – vielfach und mit bleibendem Eindruck. Ein Besuch, der lange nachhallt.
Die Ausstellung ist noch bis zum 21. Juni 2026 im Grafikmuseum Stiftung Schreiner in Bad Steben zu sehen. Weitere Informationen unter www.grafikmuseum-schreiner.de.