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Öffnen! Weimar zeigt, was dahinterliegt

Ein Kulturjahr, das Räume neu belebt und den Blick auf die Klassikstadt weitet

veröffentlicht am 30.03.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min. | von Nele Wicher

Stadtschloss in Weimar

Stadtschloss in Weimar, Foto © Klassik Stiftung Weimar

Alle Wege führen nach … Weimar? Die mittelthüringische Stadt wird nicht zu Unrecht als „Stadt der Dichter und Denker“ bezeichnet. Sie gilt als Wiege der deutschen Klassik, der Romantik und der Reformation. Große Namen wie Goethe, Schiller, Liszt, Amalia und Nietzsche sind eng mit ihr verbunden. Eine waschechte Klassikstadt eben. Das zeichnet sich auch programmatisch ab: Jährlich lädt die Klassik Stiftung Weimar Besucherinnen und Besucher zu einem Themenjahr ein, das die verschiedenen Facetten der Kulturgeschichte Weimars beleuchtet. Im letzten Jahr war es ein Literaturklassiker, der die Stadt in Atem gehalten hat: Unter dem Motto „Faust“ wurde Goethes Schlüsselwerk in Ausstellungen, Experimenten und Debatten neu verhandelt. 2026 schlagen die Veranstalter ein neues Kapitel auf. Unter dem Motto „Öffnen“ werden Türen, Sammlungen und Sichtweisen auf die Kultur und Stadt neu erlebbar gemacht und hinter die Kulissen einer der größten Kulturinstitutionen Deutschlands geschaut. Den Blick weiten, den Geist groß machen, Unbekanntes zulassen. Offen sein. Neugierig bleiben. Darum wird es in Weimar 2026 gehen.

Neue und alte Kulturorte öffnen ihre Pforten

Als großes Highlight des Themenjahres wird Anfang Oktober nach achtjähriger Bauzeit der Ostflügel des Weimarer Stadtschlosses erstmals wieder seine Türen öffnen. Mit einem neuen Veranstaltungssaal schafft die Klassik Stiftung Weimar im Stadtschloss einen Begegnungsort für die Stadtbevölkerung: Wissenschaftliche Tagungen, Theater, Konzerte und auch Partys sollen hier ihren Platz finden. Als weitere Neuerung zieht das beliebte Co-Labor in den Schlossinnenhof. Ein Eröffnungswochenende mit Festakt lädt vom 1. bis 4. Oktober ein, die neu eröffneten Räume zu erkunden.

Auch das Wittumspalais, der langjährige Witwensitz der Herzogin Anna Amalia, wird 2026 wiedereröffnet: Am 30. April lädt die Klassik Stiftung Weimar im Rahmen der Wiedereröffnung zu einem Bürger:innenfest, bei der zur Feier des Tages auch die Sonderausstellung „Das wahre Gesicht der Anna Amalia – eine verborgene Malerei der Barbara Rosina de Gasc“ (30.4. – 13.9.) eröffnet wird. Sie zeigt spannende Einblicke in die Herkunfts- und Restaurierungsgeschichte des herausragenden und lebensgroßen Gemäldes „Anna Amalia und ihre Söhne“ der Braunschweiger Hofmalerin Barbara Rosina de Gasc.

Ein kleiner Tipp am Rande: Noch bis einschließlich 1. November ist das Goethe-Wohnhaus am Weimarer Frauenplan geöffnet, bevor es für rund drei Jahre für eine Sanierung geschlossen wird. Zwar werden digitale Angebote Goethes Erbe weiterhin zugänglich machen, aber wer das Dichterhaus noch einmal in persona besuchen möchte, sollte dies möglichst vor Anfang November tun. Ein Abschlusswochenende vom 31. Oktober bis 1. November ist geplant.

Zwei UNESCO-Jubiläen, vielfältige Ausstellungen

Vor 25 Jahren ernannte die UNESCO Goethes handschriftlichen Nachlass, der im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar verwahrt wird, zum Weltdokumentenerbe. Eine eigens zum 25. Jubiläum konzipierte Jahresausstellung mit dem Titel „Zwischen Ordnung und Verlust. Die Entstehung der Marke ‚Goethe‘“ (20.3. – 13.12.) geht anhand von Tagebucheinträgen, Korrespondenzen und Zeugnissen der spannenden Frage nach, wie Goethe es geschafft hat, sein Erbe lebendig zu halten.

Auch das Bauhaus-Museum Weimar feiert Jubiläum: Im Dezember 1996 wurden die berühmten Bauhaus-Stätten in Weimar und Dessau in die Welterbeliste eingetragen. Anlässlich dieses 30-jährigen Jubiläums der Ernennung der Weimarer Bauhausstätten zum UNESCO-Welterbe zeigt das Museum unter dem Titel „Historie trifft Gegenwart. UNESCO-Bauhaus-Stätten im Spiegel von Zeit und Sichtweisen“ (19.3. – 13.7.) erstmals historische Fotografien der Bauhaus-UNESCO-Stätten und Postkarten aus der Sammlung Dicke.

Ab dem 21. August öffnen dann die Grafischen Sammlungen ihre Depots und zeigen unter dem Titel „Gerhard Marcks - Frühe Holzschnitte des Bauhausmeisters“ einen erst kürzlich erworbenen Schatz aus ihren Bauhausbeständen: die in Weimar entstandenen Holzschnitte des Bauhausmeisters Gerhard Marcks. Die Sonderausstellung läuft bis zum 9. November.

Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek stellt im Themenjahr 2026 ihren besonderen Weg des Öffnens vor: Von der Wilhelmsburg zum Bibliothekscampus – vom Bewahren zum öffentlichen und auch digitalen Erhalten. Vom 30. April bis 30. Oktober ist die Ausstellung im Bücherkubus des Studienzentrums zu sehen, flankiert von einem vielseitigen Veranstaltungsprogramm und einem Kolloquium zu Anna Amalias Geburtstag am 24. Oktober.

Begegnung, Austausch, Mitgestaltung

Neben dem breiten Ausstellungsangebot lädt die Klassik Stiftung Weimar im Themenjahr 2026 zu Vorträgen, Gesprächen, Konzerten, Performances und vielem mehr. Ein Highlight dürfte ohne Frage die Lange Nacht der Museen am 16. Mai sein, bei der Museen, Galerien, Archive und Kirchen alle Nachtschwärmerinnen und Nachtschwärmer traditionell von 18 bis 24 Uhr in ihre Häuser laden und mit einem facettenreichen Programm beglücken.

Am 28. August feiert Weimar Goethes 277. Geburtstag als großes öffentliches Fest. Eine Tradition, die bereits zu Goethes Lebzeiten begann, wird auch in diesem Jahr fortgeführt. Was für eine Freude!

Mehr Informationen zum Themenjahr und zum vielfältigen Veranstaltungs- und Ausstellungsprogramm findet man unter www.klassik-stiftung.de.

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