„Come Again“
Eine leise Brücke zwischen Dowland, Purcell und heute
veröffentlicht am 07.05.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Oliver Will
Mit „Come Again“ erwecken Christina Röckelein (Gesang) und Rossini Hayward (klassische Gitarre) die englischen Lieder von John Dowland und Henry Purcell zu neuem Leben. Was ursprünglich für Laute oder Basso continuo gedacht war, klingt hier überraschend direkt, warm und überraschend nahbar.
Röckeleins Gesang ist das Herzstück des Albums: sensibel, nuanciert, dabei voller Ausdruck. Sie vermittelt Dowlands bittersüße Melancholie mit fast beiläufiger Leichtigkeit und bringt Purcells dramatische Wendungen mit Klarheit und Präsenz zum Strahlen. Haywards Gitarre übernimmt geschickt die historische Begleitung, ersetzt Laute und Continuo mit schlanker, resonanter Eleganz und lässt den Liedern Raum zum Atmen.
Dowlands Songs wirken wie kleine, intime Geschichten über Sehnsucht und Liebe, während Purcells Stücke durch subtile rhythmische Spannungen und dynamische Phrasierung eine frische Dramatik gewinnen. Zusammen schaffen Röckelein und Hayward eine Balance zwischen Respekt vor der Tradition und lebendiger Gegenwärtigkeit: Jedes Stück fühlt sich spontan an, jede Phrase scheint neu zu entstehen.
„Come Again“ zeigt eindrucksvoll, dass diese Kompositionen keine musealen Relikte sind. Stattdessen wirken Dowland und Purcell hier zeitlos, direkt und unmittelbar – getragen von Stimme und Gitarre, die alte Harmonien in ein modernes, berührendes Licht rücken. Ein Album, das Alte Musik lebendig macht, ohne ihre Seele zu verlieren. Das gute Jahrhundert zwischen den beiden Komponisten ist durchaus zu hören. Die neuen Arrangements bauen jedoch eine clevere Brücke.