Szene

Laut, mutig und vor allem tanzbar

Was die regionale Konzertszene im April und Mai bewegt

veröffentlicht am 05.04.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min. | von Emma Hasse

Blond ist am 4. Mai im E-Werk Erlangen zu Gast

Blond ist am 4. Mai im E-Werk Erlangen zu Gast, Foto © Mia Morgan

Es wird mal wieder Zeit für einen Blick in die Konzertsäle der Region, denn für gute Musik muss man nicht immer in die Großstadt fahren. Ein Muster ist in dieser Rundschau die Sprache der Selbstermächtigung, die viele der Künstlerinnen und Künstler sprechen. Mal tritt sie auf in Texten, die von queerem Widerstand handeln, mal in einem Konzeptalbum über die Musikindustrie – die Erscheinung ist stets anders, doch immer klar erkennbar.

Konzerte in Nürnberg

Lùisa ist eine Künstlerin, wie sie einem nur selten unterkommt. Auftritte auf dem Iceland Airwaves Festival und eine persönliche Einladung von Alanis Morissette, um ihr Konzert zu eröffnen, sprechen für sich. Jetzt geht Lùisa wieder auf eigene Tour und wird am 14. April im Club Stereo auftreten. Ihr viertes Studioalbum „Call Me The Witch“ erzählt von Female Rage und Widerstand. Klangtechnisch verwandelt Lùisa Einflüsse von Kate Bush oder Fleetwood Mac in ein eigenes Gesamtkunstwerk – inklusive ätherischer Synths und düsterer Gitarren. Die Künstlerin ist bekannt für ihre energetischen und intensiven Live-Shows.

Remote Bondage wird zwei Tage später, am 7. Mai, im Club Stereo auftreten. Die Band ist ein Manifest in Rosa, voller Energie und roher Emotionen. Remote Bondage machen Wut tanzbar, mit dreistimmigem Gesang, tragenden Basslines und einer Bühnenenergie, die zwischen Oper, Musical und Moshpit pendelt. Ihre Texte drehen sich um Liebe, das Heranwachsen und das Hinterfragen von Strukturen. Diese Attitüde werden sie hoffentlich auch nach Nürnberg bringen!

Am 5. Mai wird Ennio im Löwensaal in Nürnberg spielen. Mit seinem neuen Album „Haifischbecken“ geht der Musiker neue Schritte. Das Album ist eine Kritik an der Musikindustrie, in der Gier und Ignoranz oftmals dominieren und zu überteuerten Tickets und falscher Wertschätzung führen. Ennio spricht über eigene Erfahrungen und wie er aus diesen Strukturen ausbricht – oder es zumindest versucht. Das ist ein mutiger Schritt, den sich nicht viele trauen oder leisten können. Umso schöner, dass er für diese Menschen spricht. Und großartig klingt das Album außerdem!

Das Neue Museum Nürnberg ist eigentlich ein Kunstmuseum und nicht unbedingt bekannt für Konzerte. Am 20. Mai wird jedoch Dressed like boys genau dort auftreten. Mit im Gepäck ist sein gleichnamiges Debüt-Album, welches in flirrender 70s-Ästhetik strahlt. Die Einflüsse von David Bowie, Nina Simone und Elton John sind klar rauszuhören, kombiniert mit modernen Pop-Elementen. Dass so viele queere Kunstschaffende als Inspiration dienen, ist kein Zufall: Songs wie „Jaoudad“ oder „Stollwall Riots Forever“ verarbeiten die queere Identität des Musikers. Es ist ein Album, das direkt vom Herzen kommt, und das Neue Museum wird genau der richtige Ort sein, um es in all seinen Facetten erklingen zu lassen.

Konzerte in Erlangen

In Erlangen findet man ebenfalls beste Unterhaltung, Female Rage und tanzbare Banger. Zunächst einmal sticht das Konzert von Tropikel Ltd. am 18. April im E-Werk ins Auge. Klangtechnisch liefern die drei impulsiven Synth-Pop, der klare Inspiration in den 80ern findet. Zwischen Italo Disco und zeitgenössischen Referenzen findet sich Tropikel Ltd. offensichtlich am besten zurecht.

Blond, welche am 4. Mai im E-Werk auftreten werden, bezeichnen ihre Konzerte als „gottverdammte Messe“. Egal ob Popschnulze oder wütende Indie-Rock-Hymne, die Chemnitzer Band kann alles – und es macht auch noch unglaublich Spaß, dabei zuzusehen. Kniet nieder, ihr Indie-Begeisterten, die Musik-Päpstinnen reisen an!

Konzerte in Fürth

Fans von klassischem Indie sollten sich den 19. April im Kalender anstreichen, denn dann werden Kaffkiez in der Fürther Stadthalle auftreten. Die Band liefert Energie ohne Filter, mit spontanen Straßenkonzerten, klaren Texten und Melodien, die man noch Tage später summt. Sie beschreiben ihre Shows als „ehrliche Live-Momente ohne Schnickschnack. Dicht an der Crowd, laut & roh – ein Familientreffen im Moshpit“. Kann man so stehen lassen.

Konzerte in Bamberg

Der Bamberger Live Club enttäuscht programmatisch selten, wenn es um kleine, interessante Bands geht. Dieses Mal sprechen wir eine klare Empfehlung für fluppe am 25. April aus. Sie sind ein Post-Punk-Quartett aus Hamburg, mit Elementen von Pop und Shoegaze. Kombiniert mit Skepsis gegenüber bestehenden Strukturen hat man ein klares Bild davon, was einen erwarten wird.

Konzerte in Erfurt

Auch in Erfurt geht es wie immer musikalisch hoch her. Am 18. April wird 6euroneunzig im Kalif Storch in Erfurt auftreten. Das Rap-Duo dominiert mit den heutzutage typischen eingängigen Techno-Beats und selbstbewusster Attitüde – „Tussitechno“ wie sie es beschreiben. Die Texte bedeuten für den ein oder anderen Macho einen Schlag ins Gesicht und strotzen mit klarer politischer Haltung. Fans von Blümchen, Ikkimel oder SXTN kommen an diesem Abend auf jeden Fall auf ihre Kosten.

Eine Woche später, am 25. April, wird dann EALA den Museumskeller Erfurt zum Beben bringen. EALAs Songs sind unverhohlen in den Gefühlen, die sie transportieren. Die Songs erzählen von Flirt-Fiaskos, dem Scheitern und dem Wiederaufstehen mit Stil. 2024 erhielt sie den Panikpreis der Udo-Lindenberg-Stiftung. Klangtechnisch bleiben vor allem die treibenden Gitarren, die spaßige Produktion und ihre markante Stimme im Gedächtnis.

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