Jazz & Blues Open Wendelstein
Die 31. Ausgabe überzeugt mit starken Stimmen und großen Namen
veröffentlicht am 13.04.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min. | von Andreas Bär
Nach dem Jubiläum ist vor dem Alltag. Das Jazz and Blues Open in Wendelstein geht in seine 31. Runde. Und einmal mehr haben die Macherinnen und deren Kollegium ein mehr als nur ansprechendes Programm aus der Taufe gehoben. Zwei ganz unterschiedliche Topstars geben sich in der Marktgemeinde südöstlich von Nürnberg die Klinke in die Hand. Und viele andere sorgen für vielversprechende Tage zwischen dem 24. April und dem 6. Mai 2026.
Der Auftakt ist dabei einer vorbehalten, deren Namen man sich merken sollte: Alma Naidu. Die preisgekrönte Münchener Sängerin und Komponistin genießt in Jazz-Kreisen eine hohe Reputation und gilt als neuer Stern im Singer-/Songwriter-Jazzsegment. Die 31-jährige, aus einer Musikerfamilie stammend, feierte kurz vor der zwangsweisen Corona-Pause ihren Durchbruch und hat sich seither sukzessive in die Notizbücher von Fans und auch der Presse gespielt. Die für gewohnt sehr kritischen Rezensenten der Süddeutschen Zeitung attestierten der Sopranistin, eine „außergewöhnliche Gesangsvirtuosin und Pianistin“ zu sein – viel mehr des Lobes ist tatsächlich für hiesige Interpreten nur schwer zu ergattern. Am 24. April ist sie in der Jegelscheune zu Gast.
Am 25. April gibt sich der großartige, einzigartige und über alle Zweifel erhabene Helge Schneider die Ehre in der Wendelsteiner Eventarena. Wer Schneider auf seinen großen Hit „Katzeklo“ und sein unglaubliches Talent als Komiker reduziert, der tut ihm schlichtweg Unrecht. Das 71-jährige Improvisationstalent ist vor allem musikalisch ein exorbitant genialer Bühnenmann. Zusammen mit seiner brillanten Band überzeugt er seit vielen Jahren sein Publikum. Insbesondere seine Fähigkeiten als Multiinstrumentalist sind dabei von äußerst veritabler Qualität.
Nicht minder flexibel und musikalisch performend ist auch Dick Brave, der am 26. April in der Eventarena zu Gast ist. Er, der seine ersten musikalischen Sporen als Sasha einfuhr und damals die deutschen Charts auf den Kopf stellte, hat sich ziemlich zügig dem ernsthafteren Genre zugewandt und ist seit mehr als zwei Dekaden bereits unter seinem Pseudonym Dick Brave als Rockabilly-Künstler ein vielgebuchter und gerne gehörter Musiker. Anfangs als Gaudiprojekt gestartet, hat sich das Projekt sehr schnell etabliert und dem einstigen Popsternchen das Attribut des ernstzunehmenden Singer-/Songwriters beschert. Am Rande notiert: Schon 2003 kooperierte der 53-jährige, als Rampensau bekannt, mit Helge Schneider. Damals nahmen die beiden an der Seite einiger anderer den Nena-Klassiker „Wunder gescheh'n“ neu auf.
Natürlich wird in Wendelstein auch abseits der Highlights ordentlich gefeiert, getanzt und gesungen. Am 27. April gleich einmal mit einem weiteren Highlight. In der Kirche St. Nikolaus steht ein bemerkenswertes Doppelkonzert auf der Agenda: Das Tingvall Trio, mit mehreren Echos und sonstigen Jazzpreisen dekoriert, und Noise Adventures kommen gemeinsam. Die Kombo um Saxofonist Eckhard Meszelinsky, einstiger Macher der Leverkusener Jazztage, trifft dabei auf ein grandioses Streichertrio und zaubert ganz neue Klangteppiche.
Im Restaurant Kübler wird es am 30. April kulinarisch. Dort stehen unter dem Motto „Music & Dine“ ein 3-Gänge-Menü und ein Konzert von Tom Appel und Häns Czernik auf dem Programm. Die beiden nehmen das Publikum mit auf eine persönliche, musikalische Reise durch ihre liebsten Songs. In einem intimen Rahmen spielen die beiden Ausnahmekünstler ihre ganz persönliche Playlist. Zwei weitere Konzerte begeistern an diesem Tag in der Jegelscheune: Die Hamburger Blueslegende Abi Wallenstein und das Münchener Boogie- und Zydeco-Urgestein Ludwig Seuss geben einen gemeinsamen Konzertabend und werden dabei von Schlagzeuger Manfred Mildenberger begleitet. Parallel Stellt sich mit dem Trio RENNER eine eher ungewöhnliche, aber umso spannendere Besetzung in der Jazz- und Blueslandschaft vor: Posaune-Bass-Schlagzeug.
Am 1. Mai steht erneut das beliebte Open Air im Altort auf dem Programm. Für Al Jones, einen der Gründungsväter deutsch-amerikanischer Bluesgeschichte, ist der Blues keine Frage harmonischer Strukturen, sondern eine persönliche Haltung. Al Jones erzählt Geschichten von Männern und Frauen, Siegen und Niederlagen – Geschichten, die nicht so tun als ob. Seine Musik will nicht um jeden Preis gefallen, ist nicht hübsch oder kokett, sondern authentisch und ehrlich. Er steht um 12 Uhr auf der Bühne. Ihm folgt San2. Für ihn ist eigentlich jedes Konzert wie ein Heimspiel und das Publikum liebt es dementsprechend. Wenn der charismatische Sänger mit seiner musikalisch hochkarätig besetzten Soul Patrol die Bühne betritt, springt eines sofort über: Seele. Das Highlight dann um 16.30 Uhr. Mit „Quebra Tudo – The Universal Music of Hermeto Pascoal“ würdigt das Jazzfestival Wendelstein einen der größten Klangvisionäre der Musikgeschichte. Hermeto Pascoal, der 2025 verstarb und 2026 90 Jahre alt geworden wäre, hinterließ mit über 10.000 Kompositionen und seiner Musica Universal einen einzigartigen brasilianischen Musikkosmos. Das Hermeto Pascoal Ensemble der Hochschule für Musik Nürnberg interpretiert dieses Werk mit entfesselter rhythmischer Energie, ozeanischen Klangfarben und improvisatorischer Frische.
Weitere Informationen zu den einzelnen Konzerten gibt es unter www.jazzandbluesopen.de.