Unterwegs

Ein Klangraum namens Bayern

Die Bayerische Landesausstellung 2026 „Musik in Bayern“ in Freyung

veröffentlicht am 12.04.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Schuhplattler (Bavarian Dance) Hubert von Herkomer, 1875 Karton, Wasserfarbe Privatbesitz

Schuhplattler (Bavarian Dance) Hubert von Herkomer, 1875 Karton, Wasserfarbe Privatbesitz, Foto © Haus der Bayerischen Geschichte

Vom 25. April bis 8. November 2026 lädt das Haus der Bayerischen Geschichte zur Bayerischen Landesausstellung „Musik in Bayern“ ins TonYversum nach Freyung ein. Was hier entsteht, ist mehr als eine kulturhistorische Schau – es ist ein begehbares Festival bayerischer Klänge, eine akustische Zeitreise von mittelalterlichen Chorälen bis zu Rap und Techno der Gegenwart.

Musik wird dabei nicht als schmückendes Beiwerk verstanden, sondern als kulturelle Triebkraft. Die Ausstellung fragt: „Was klingt bayerisch?“ und „Welche Töne trägt Bayern in die Welt hinaus?“ Von klösterlichen Gesängen über höfische Opern, bürgerliche Sängerfeste und die Bayreuther Festspiele spannt sich der Bogen bis zu Wirtshausbühnen um 1900, auf denen Volkssängerinnen und Volkssänger das Publikum begeisterten. Auch die Brüche der Geschichte werden thematisiert: Musikerinnen und Musiker, die in der NS-Zeit verfolgt wurden, finden ebenso ihren Platz wie die Nachkriegsjahre, in denen GIs Jazz und Swing nach Bayern brachten.

Der Rundgang beginnt mit einem filmischen Prolog im Cineplex des Stadtplatzcenters. Eine emotionale Klang- und Bildcollage verwebt Schicksale aus dem Bayerischen Wald mit musikalischen Traditionen.

Über eine „Klangbrücke“ gelangen die Besucherinnen und Besucher in die Ausstellung selbst – in ein multimediales „Bayerisches Spektakel“, das eigens komponierte Musik mit Inszenierung verbindet. Grammophon, Radio, Jukebox und Streamingdienste markieren Stationen eines Medienwandels, der den Klang ins Wohnzimmer und schließlich ins Digitale brachte.

Das TonYversum, in einer vom Deutschen Musikrat ausgezeichneten „Landmusikstadt“ gelegen, bietet ideale Voraussetzungen.

Erstmals in der Geschichte der Landesausstellungen begleitet ein tägliches Live-Programm an allen 199 Ausstellungstagen das Projekt – quer durch alle Sparten. Der Bayerische Rundfunk steuert als Kulturpartner Zeit-, Bild- und Tondokumente bei und macht die Medienlounge zu einem akustischen Archiv der Gegenwart.

Ein eigener Kinderpfad führt junge Besucher spielerisch durch die Schau. Workshops der Bayerischen Volksmusikakademie vertiefen das Erlebte, Schulklassen erhalten praxisnahe Zugänge. Am Ende steht das Mitmachen: Instrumente ausprobieren, Rhythmen erfinden, singen, tanzen. Ein Klangzylinder mit Variationen der eigens komponierten Ausstellungsmusik bildet den Schlussakkord – ein Ohrwurm, der hinaus ins Live-Erlebnis trägt.

„Musik in Bayern“ zeigt, dass Identität nicht starr ist, sondern klingt, schwingt und sich verändert. Bayern erscheint hier als vielstimmiger Resonanzraum zwischen Tradition und globalem Austausch.

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