Szene

Tour, Musik und ein bisschen Weltretten

Tim Bendzko über spontane Ideen, musikalische Neugier und die Magie des Moments auf der Bühne

veröffentlicht am 24.03.2026 | Lesezeit: ca. 4 Min. | von Andreas Bär

Unser Interviewparter: Tim Bendzko

Unser Interviewparter: Tim Bendzko, Foto © Lukas Piel

Tim Bendzko kommt am 14. Mai in die Meistersingerhalle Nürnberg. Es warten neben neuen Songs auch Klassiker wie „Wenn Worte meine Sprache wären“, „Keine Maschine“ und natürlich „Nur noch kurz die Welt retten“. Im Vorfeld der Tour stand der 40-Jährige für ein Gespräch zur Verfügung.

Tim, sie haben ja so ein bisschen den nächsten Step gemacht. Seit „Sing meinen Song“ werde ich das Gefühl nicht los, dass Sammy Ammari, Sänger der Beatsteaks, gut getan hat.

Er hat mir vor allem menschlich echt gutgetan. Ich bin ein offener Mensch und begegne jedem neutral. Mit Menschen aus einem anderen Genre mit anderem Lebensentwurf auf der Couch zu sitzen und sich komprimiert kennenzulernen, war eine ganz toughe Erfahrung. Es ist unglaublich schön, Menschen kennenzulernen, die ganz anders sind. Das Einzige, was wir gemeinsam haben, ist, dass wir uns unterscheiden und uns trotzdem super gut verstehen und Freunde geworden sind. Genau das macht es aus! Eine ganz schöne und wichtige Erfahrung.

Würde Sie ein Kollaborationsalbum reizen?

Tatsächlich. Das sage ich schon immer. Das muss sich ergeben. Dann passiert etwas Kreatives. Aus einem inneren Antrieb heraus und nicht, weil eine Plattenfirma das beschließt. Das ist die maximale Inspiration, wenn du dich mit jemandem zusammensetzt, der ein ganz anderes Genre macht, und man sagt: „Lass uns gucken, was passiert.“ Das ist eine sehr gute Idee. Die schreibe ich mir auf!

Was spricht ihre Playlist?

Ein sehr spannendes Thema. Es verändert sich alle ein, zwei Jahre. Vor dem Start meiner Karriere habe ich deutschsprachige Musik gehört. Ab dann gar nicht mehr freiwillig. Ich hatte vor drei Jahren eine Paula Hartmann-Phase. Das fand ich unglaublich gut. Es kam also zurück. Dazwischen habe ich so Sachen wie Michael Bublé gehört. Jetzt bin ich total auf Jazz und Soul. Vor allem Jazz in einer poppigen Struktur. Da bin ich total auf dem KI-Playlisten-Trip. Das hatte ich nicht kommen sehen. Aber ich sehe mich nicht unbedingt in einem Jazz-Club sitzen. Aber ich habe ja schon bei den Jazz-Tagen in Nürnberg gespielt.

Kommen sie eigentlich gerne ins Frankenland?

Absolut! Meine letzte Erfahrung mit Franken war vor zwei Jahren. Da wollte ich in Roth den Marathon laufen. Ich sage es mal so: Es war schmerzhaft. Nicht, weil es ein Marathon war, sondern weil ich verletzt reingegangen bin. Ich dachte, es läuft sich raus. Es hat sich aber eher reingelaufen. Was ich mache, das exzessiv.

Was dürfen die Leute erwarten?

Es sind viele Aspekte einer Veränderung zu hören und die sind sehr persönlich und nah. Man hört es auch in der sehr warmen Musik. Das passt extrem gut in die Locations. Das ist genau das, was die Leute erwarten. Das geht ans Herz, ohne weinerlich zu sein. Jeder, der ein bisschen Gefühl in sich trägt, der wird als anderer Mensch aus dem Konzert herausgehen, als er rein ist.

Ist das Publikum ein Schlüsselfaktor? Gibt es da einen Lieblingslandstrich, an dem du auf die Bühne gehst, da das Publikum komplett crazy ist?

(lacht) Natürlich in Nürnberg! Da bin ich komisch. Ich liebe es, mir Publikum zu erspielen. Ganz selten hast du ein ekstatisches Publikum, das schon ekstatisch ist, bevor du auch nur einen Ton singst. Ich finde es total schön, wenn man einen Abend hat, an dem man sich reinsteigert. Es fängt an und es kommt der Moment, wo es über die Schwelle geht. Das liebe ich!

Zum Abschluss. Sie haben drei Wünsche frei. Welche wären das?

Dass wir nicht nur auf andere gucken, wenn es darum geht, Gutes zu tun. Sei es für den Umweltschutz oder grundsätzlich. Mir wird zu oft mit den Nachbarn oder so argumentiert. Das finde ich extrem schade. Wir Menschen haben viel Quatsch gemacht, aber haben es auch weit gebracht. Dass wir in solchen Mustern drin sind, finde ich schade. Eigentlich habe ich nur einen Wunsch: dass man den anderen so behandelt, wie man behandelt werden will. Mehr brauchen wir nicht. Doch, einen habe ich noch! Dass die Leute auf mein Konzert kommen!

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