Szene

Sara Decker & Expand in Bayreuth

Eigenkompositionen zwischen klanglicher Transparenz, improvisatorischer Dichte und emotionaler Tiefe im historischen Becherbräu-Saal

veröffentlicht am 21.04.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min.

Sara Decker & Expand im Becherbräu Bayreuth

Sara Decker & Expand im Becherbräu Bayreuth, Foto © Jörg Stingl

Am 17. April 2026 hatte das Jazzforum Bayreuth Sara Decker mit ihrem Projekt „Expand“ zu Gast. Was an diesem Abend im Becherbräu-Saal zu hören war, markierte eindrucksvoll den Anspruch eines Ensembles, das sich mit souveräner Selbstverständlichkeit zwischen Präzision und Emotionalität bewegt.

„Expand“ – Bandname und Titel des aktuellen Albums zugleich – steht programmatisch für einen offenen, suchenden Jazzbegriff. Die Formation um Decker präsentierte ein Set aus ausschließlich eigenen Kompositionen: hochkonzentriert, improvisationsfreudig und von bemerkenswerter klanglicher Transparenz. Der historische Saal mit seinen charakteristischen Säulen bot dafür den passenden Resonanzraum – eine atmosphärische Verbindung aus fränkischer Bodenständigkeit und künstlerischer Unmittelbarkeit.

In der Besetzung mit Heidi Beyer (Flügelhorn), Clara Vetter (Klavier), Tabea Kind (Bass), Mareike Wiening (Schlagzeug) und Sara Decker (Gesang) entwickelte sich ein dichtes Geflecht musikalischer Dialoge. Besonders eindrücklich gerieten die Interaktionen zwischen Beyers warm timbriertem Flügelhorn und Deckers Stimme, die sich immer wieder suchend umkreisten, verdichteten und auflösten.

Die Musik lebte von Spannungsfeldern: eingängig und zugleich avanciert, zart und kraftvoll, meditativ und elektrisierend. Diese Gegensätze wurden nicht ausgestellt, sondern organisch verschmolzen – ein ästhetischer Ansatz, der gleichermaßen intellektuell stimuliert und emotional berührt.

Decker selbst setzte zudem feine, kaum merkliche Akzente, indem sie Hintergründe einzelner Stücke andeutete. Ohne Pathos, in großer Zurückhaltung, öffnete sie damit einen Zugang zu Themen wie Verlust, Zweifel und Verarbeitung – und verlieh den Kompositionen zusätzliche Tiefe.

Auch die solistischen Beiträge überzeugten durchgehend. Jede Musikerin nutzte ihre Freiräume mit klarem Gestaltungswillen, technischer Souveränität und spürbarer Spielfreude. Über allem stand jedoch Deckers Stimme: wandelbar, nuancenreich, zwischen fragiler Intimität und kraftvoller Präsenz – stets unmittelbar und eindringlich.

Dass das Konzert vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnet wurde, unterstreicht die künstlerische Relevanz dieses Abends ebenso wie die kontinuierlich hohe Qualität des Programms in Bayreuth.

Ein Konzert, das nachwirkt – und ein Projekt, das den Status des Geheimtipps kaum noch lange für sich beanspruchen dürfte.

Und noch ein Tipp! Wer Lust bekommen hat, die Fähigkeiten Mareike Wienings als Schlagzeugerin genauer unter die Lupe zu nehmen, der kann dies gerne am 26. April 2026 im Jazzclub Bamberg tun. Dort steht die 38-jährige Schlagzeugerin mit ihrem eigenen Projekt, dem Mareike Wiening Quartett, ab 20 Uhr auf der Bühne. Tickets kann man unter www.jcbamberg.de ordern.

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