Wenn Kunst aus der Fläche heraustritt
Das Museum im Kulturspeicher Würzburg eröffnet neue Perspektiven auf die Konkrete Kunst
veröffentlicht am 19.06.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min.
Hans Jörg Glattfelder, 9 x 9 Pyramiden 343, 1972 Sammlung Peter C. Ruppert im Museum im Kulturspeicher (MiK) Würzburg, Foto: Rainer Wengel, Foto © Sammlung Peter C. Ruppert im Museum im Kulturspeicher (MiK) Würzburg, Foto: Rainer Wengel
Mit dem zweiten Teil der Neupräsentation der Sammlung Peter C. Ruppert setzt das Museum im Kulturspeicher Würzburg (MiK) seine Neudeutung einer der bedeutendsten Sammlungen Konkreter Kunst in Europa fort. Ab dem 26. Juni stehen dabei Werke im Mittelpunkt, die eine besondere Grenzerfahrung ermöglichen: Reliefs, die sich zwischen Malerei und Skulptur bewegen und die klassische Vorstellung von Bild und Raum herausfordern.
Seit 2002 ist die Sammlung „Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945“ als Dauerleihgabe im MiK beheimatet. Mit ihrem internationalen Spektrum und ihrer kunsthistorischen Bedeutung zählt sie zu den wichtigsten Sammlungen ihrer Art. Die derzeit schrittweise erfolgende Neupräsentation eröffnet nun die Möglichkeit, vertraute Werke aus neuen Blickwinkeln zu betrachten.
Der aktuelle Ausstellungsabschnitt trägt den Titel „Das Relief. Tiefendimension & Sinnlichkeit“. In einem eigens dafür eingerichteten Sammlungsraum widmet sich die Schau einer Kunstgattung, die sich bewusst zwischen den Disziplinen bewegt. Reliefs lösen sich von der Zweidimensionalität der Bildfläche, ohne den Bezug zu ihr vollständig aufzugeben. Sie treten in den Raum hinein, erzeugen Schatten, Rhythmus und körperliche Präsenz – und fordern damit auch die Wahrnehmung der Betrachterinnen und Betrachter heraus.
Im benachbarten Ausstellungsraum begegnen die Reliefarbeiten den zentralen Positionen der sogenannten Zürcher Konkreten. Gezeigt werden Werke von Richard Paul Lohse, Max Bill, Camille Graeser und Verena Loewensberg, die als Schlüsselfiguren der Konkreten Kunst des 20. Jahrhunderts gelten. Ihre streng durchdachten Kompositionen, die auf mathematischen und geometrischen Prinzipien beruhen, haben Generationen von Künstlerinnen und Künstlern beeinflusst.
Eine besondere Verbindung zwischen beiden Räumen schafft der Schweizer Künstler Hans-Jörg Glattfelder. Sein markantes Pyramidenrelief dient als Leitmotiv der Neupräsentation und schlägt zugleich die Brücke zwischen den unterschiedlichen Facetten der Konkreten Kunst: der klaren Ordnung geometrischer Systeme und ihrer überraschenden räumlichen Wirkung.
Eröffnet werden die beiden neu gestalteten Sammlungsräume am Freitag, 26. Juni, im Rahmen einer öffentlichen Vernissage. Nach den Begrüßungsreden von Würzburgs drittem Bürgermeister Joachim Spatz, Museumsdirektor Marcus Andrew Hurttig und Kuratorin Ines Franke bleibt das Museum bis mindestens 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.
Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es unter www.kulturspeicher.de.