Szene

Jazz im Keller – der April im Jazzclub Bamberg

Zwischen Gypsy-Swing, vokaler Raffinesse und jungen Rising Stars

veröffentlicht am 13.03.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Mareike Wiening Quintett

Mareike Wiening Quintett, Foto © Pressefoto

Der Jazzclub Bamberg startet mit einem vielseitigen Programm in den Frühling. Im April 2026 zeigt sich einmal mehr, wie breit das musikalische Spektrum des traditionsreichen Clubs ist: internationale Gäste, junge Talente der deutschen Szene und etablierte Größen treffen im Jazzkeller der Oberen Sandstraße aufeinander. Dabei verbindet der Monat unterschiedliche Facetten des Jazz – von Gypsy-Swing über vokalen Jazz bis hin zu modernen Trio-Formationen und offenen Bühnenformaten.

Den Auftakt bildet traditionell die Jazzclub-Session Anfang April (1.4.2026). Diese Abende haben im Bamberger Jazzleben längst Kultstatus. Musikerinnen und Musiker aus der Region treffen hier auf Gäste von außerhalb, improvisieren gemeinsam und verwandeln den Keller für einige Stunden in einen lebendigen Treffpunkt der Szene. Gerade diese Mischung aus spontaner Begegnung und musikalischer Experimentierfreude macht die Sessions seit vielen Jahren zu einem festen Bestandteil des Programms.

Ein besonderes Highlight des Monats ist das Konzert des Joscho Stephan Trios (11.4.2026). Der Gitarrist Joscho Stephan gehört zu den prägenden Figuren des modernen Gypsy-Jazz. Mit technischer Brillanz und stilistischer Offenheit entwickelt er den klassischen Swing im Geiste Django Reinhardts weiter. Gemeinsam mit Sven Jungbeck an der Rhythmusgitarre und Volker Kamp am Bass entsteht eine Klangwelt, die Tradition und Gegenwart verbindet. Neben neu interpretierten Klassikern stehen auch eigene Kompositionen auf dem Programm, in denen Einflüsse aus Latin, Pop, Klassik und Rock hörbar werden. Die internationale Resonanz auf Stephans Arbeit – von gemeinsamen Projekten mit Größen der Gitarrenszene bis hin zu Millionen Aufrufen seiner Aufnahmen im Internet – zeigt, wie sehr seine Musik weltweit geschätzt wird.

Einen ganz anderen Ton schlägt das Lisa Wahlandt Quartett (15.4.2026) an. Die Sängerin gehört seit Jahren zu den markanten Stimmen des deutschen Jazz. Mit ihrer charakteristischen Mischung aus Wärme, Eleganz und spielerischer Leichtigkeit interpretiert sie Jazzstandards ebenso überzeugend wie Popklassiker oder deutschsprachiges Liedgut. In ihren Konzerten begegnen sich scheinbar weit entfernte musikalische Welten: Beatles treffen auf Marlene Dietrich, Leonard Cohen auf Ella Fitzgerald. Unterstützt von Jan Eschke am Piano, Sven Faller am Bass und Manfred Mildenberger am Schlagzeug entfaltet Wahlandt ein musikalisches Kammerstück voller Farben, Nuancen und emotionaler Intensität.

Mit dem Vincent Meissner Trio (17.4.2026) richtet sich der Blick zugleich auf eine jüngere Generation von Jazzmusikerinnen und -musikern. Der Leipziger Pianist Vincent Meissner zählt zu den vielversprechenden Stimmen der aktuellen Szene. Gemeinsam mit Schlagzeuger Henri Reichmann und Bassist Josef Zeimetz hat er eine eigene musikalische Sprache entwickelt, die Einflüsse von Bands wie The Bad Plus oder dem Esbjörn Svensson Trio aufgreift und zugleich eigene Akzente setzt. Kritiker bescheinigen der Formation eine bemerkenswerte Dynamik und Kreativität – Qualitäten, die auch im Jazzclub Bamberg hörbar werden dürften.

Ein weiterer fester Bestandteil des Programms ist die Jazzclub Open Stage (22.4.2026). Hier gehört die Bühne nicht den bekannten Namen, sondern allen, die ihre Musik vor Publikum ausprobieren möchten. Instrumente stehen bereit, spontane Formationen entstehen, und nicht selten entwickeln sich aus diesen Begegnungen neue musikalische Projekte. Für viele junge Musikerinnen und Musiker ist die Open Stage daher ein wichtiger Ort der Begegnung und des Austauschs.

Den Abschluss des Monats bildet schließlich das Mareike Wiening Quintett (26.4.2026). Die Schlagzeugerin und Komponistin präsentiert ihr neues Programm „Shifting Perspective“, das Ende 2025 aufgenommen wurde. Wiening, die viele Jahre in New York lebte, verbindet in ihrer Musik europäische Sensibilität mit der Energie der amerikanischen Jazzszene. Ihr international besetztes Quintett – unter anderem mit Rich Perry am Tenorsaxophon und Luke Marantz am Piano – steht für ein fein austariertes Zusammenspiel aus melodischer Klarheit und rhythmischer Komplexität. Kritiker beschreiben ihre Kompositionen als vielschichtige Klanglandschaften zwischen kammermusikalischer Feinheit und kraftvoller Improvisation.

Der April im Jazzclub Bamberg zeigt damit eindrucksvoll, wie lebendig die Jazzszene zwischen Tradition und Gegenwart ist. Internationale Virtuosität, regionale Netzwerke und junge Talente treffen hier aufeinander – und machen den Jazzkeller einmal mehr zu einem Ort musikalischer Entdeckungen.

Ein Blick auf den Mai verspricht bereits die Fortsetzung dieser Vielfalt: Vom „Tanz in den Mai“ über internationale Gäste wie Hotel Bossa Nova bis hin zu Free Jazz mit Die Enttäuschung, klassischen Dixieland-Klängen der Dixies Bones oder einem literarisch-musikalischen Abend zu Annette von Droste-Hülshoff reicht die Bandbreite. Ergänzt wird das Programm durch Sessions, Rising Stars und offene Bühnen – ein weiterer Monat voller musikalischer Begegnungen im Jazzclub Bamberg. Weitere Informationen unter www.jcbamberg.de.

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