Neue Pracht am Michaelsberg
Die „Tage Alter Musik in Bamberg“ stehen heuer ganz im Zeichen eines prominenten Gotteshauses
veröffentlicht am 08.06.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Martin Köhl
Passender geht es nicht: Nachdem die Bamberger Klosterkirche St. Michael nach langer Renovierungszeit wieder in neuem Glanz erstrahlt, wenden sich auch die „Tage Alter Musik in Bamberg“ diesem Kleinod des Weltkulturerbes zu und ehren es durch die Aufführung einer „Missa St. Michaelis“. Die bereits 19. Ausgabe dieses Festivals steht unter dem Motto „Neue Pracht am Michaelsberg“ und erschließt akustisch und atmosphärisch nicht nur den barocken Glanz der Klosterkirche, sondern auch die wertvollen Räumlichkeiten des ehemaligen Refektoriums.
Dort gibt es zum Auftakt am 13. Juni Musik „Zur Recreation des Gemüths“. Im barocken Speisesaal des Klosters erklingen Werke von Joseph Umstatt und weiteren Musikschaffenden aus der fürstbischöflichen Zeit Bambergs. Die beiden Geigerinnen Sabine Lier und Angela Stangorra, die Bratschistin Agnieszka Osiecka und die Violoncellistin Verena Obermayer interpretieren ein Streichquartett von Aloisio Fracassini, dem letzten Leiter der Bamberger Hofkapelle vor deren Auflösung. In anderen Werken treten Karen Hamann (Traversflöte) und Ralf Waldner (Cembalo) hinzu.
Die „Missa St. Michaelis“ steht am 25. Juli im Zentrum eines geistlichen Konzertes mit Werken Joseph Umstatts (1711–1762), der als fürstbischöflicher Hofkomponist und Kapellmeister in Bamberg wirkte. Die Messe in prachtvoller Besetzung verdankt ihre Edition dem Bamberger Musikologen Gerhard Weinzierl, der dafür die handschriftlichen Stimmbücher konsultierte und die Übertragung in moderne Notenschrift realisierte. Das Werk gelangt erstmals seit seiner Entstehung wieder zur Aufführung. Der Chor der Musica Canterey und das Barockorchester „L'arpa festante“ musizieren unter der Leitung Norbert Köhlers.
Auch das Konzert am darauf folgenden 26. Juli – ebenfalls in der Klosterkirche – verspricht barocken Glanz, diesmal in der Besetzung Trompete (Moritz Görg) und Orgel (Michael Riedel). Der auf historischen Instrumenten versierte Trompeter und der Kantor der Nürnberger Lorenzkirche präsentieren ein abwechslungsreiches Barock-Programm. Die Orgel der Kirche St. Michael, die hinter einem bedeutenden frühbarocken Prospekt steht, kann so nach den umfassenden Restaurierungsarbeiten erstmals wieder ihre imposante Klangfülle ausbreiten.
Der Abschluss dieser Tage der Alten Musik in Bamberg findet mit zeitlichem Abstand erst im Herbst statt, und das hat einen guten Grund, der sich im Titel wiederfindet: „St. Michael zum Namensfest“. Dieses Fest ist am 29. September, weshalb am darauf folgenden 3. Oktober ein Konzert mit weit gespanntem Bogen von der Gründungszeit des Klosters bis zu dessen Auflösung führt. Für das Programm, das vom Gregorianischen Choral über Motetten der Renaissance bis zur Musik des ausgehenden 18. Jahrhunderts reicht, wird der Kirchenraum mit verschiedenen Aufführungsorten in Szene gesetzt.