Das Krakauer Haus zum Geburtstag
Gefeiert wird 30 Jahre deutsch-polnischer Kunstaustausch
veröffentlicht am 30.06.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Michael Akstaller beschäftigt sich mit Beziehungen zwischen Klang und Raum, Bewegung und Performance, Foto © Mitya Lyalin, NOPA, Inselkunst2026, Krakauer Haus
Mit dem Jubiläumsprogramm zum 30-jährigen Bestehen des Krakauer Hauses in Nürnberg und seines Partnerinstituts, des Nürnberger Hauses in Krakau, rückt 2026 eine Institution in den Mittelpunkt, die kulturellen Austausch nie als symbolische Städtepartnerschaft verstanden hat, sondern als kontinuierlichen künstlerischen Dialog. Seit drei Jahrzehnten bewegen sich beide Häuser an der Schnittstelle von Gegenwartskunst, urbanem Raum und internationaler Zusammenarbeit.
Im Zentrum des Nürnberger Programms steht die diesjährige Ausgabe von „INSELKUNST“. Das Projekt verlagert Kunst bewusst aus dem klassischen Ausstellungsraum in den öffentlichen Stadtraum der Insel Schütt. Bereits die Eröffnung am 10. Juli beginnt mit einer Klangintervention vor dem Krakauer Haus, die Architektur, Publikum und Performance miteinander verschränkt. Damit wird der Stadtraum selbst zum ästhetischen Erfahrungsraum – ein Ansatz, der das gesamte Jubiläumsprogramm prägt.
Gezeigt werden Arbeiten von Michael Akstaller und Filip Rybkowski, deren Positionen auf unterschiedliche Weise urbane Wahrnehmung untersuchen. Akstaller entwickelt klangbasierte Interventionen, die Stadt als akustisches System erfahrbar machen. Rybkowski wiederum beschäftigt sich mit Erinnerung, Architektur und den politischen Dimensionen von Bildern und Denkmälern. Seine Arbeiten lesen urbane Strukturen als offene Archive gesellschaftlicher Geschichte.
Begleitet wird die Ausstellungseröffnung von einem kuratorischen Rundgang sowie einer Audio-Performance der polnischen Saxophonistin Paulina Owczarek und des französischen Improvisationsmusikers Peter Orins. Gerade diese Verbindung aus Installation, Klangkunst und Performance verdeutlicht den interdisziplinären Charakter des Projekts. Kunst erscheint hier weniger als abgeschlossenes Objekt denn als Prozess kollektiver Wahrnehmung.
Am 11. Juli erweitert ein Artist Talk mit der aktuellen Residenzkünstler:in, dem Kunsthistoriker Dr. Alexander Racz und der Kuratorin Kasia Prusik-Lutz den Blick auf Produktionsbedingungen internationaler Kunstförderung. Das Jubiläum versteht sich damit nicht allein als Rückschau, sondern als Reflexion über die Möglichkeiten kultureller Zusammenarbeit in Europa.
Mehr Informationen zum Jubiläumswochenende finden Interessierte unter www.krakauer-haus.de.