Klassiker

Staunen, Hören und Sehen in Fürth

Die Fürther Kirchenmusiktage finden im November wieder mit originellem Programm statt

veröffentlicht am 04.11.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min. | von Martin Köhl

Die Kirchenmusikdirektorin Prof. Ingeborg Schilffarth

Die Kirchenmusikdirektorin Prof. Ingeborg Schilffarth, Foto © Tim Händel

Was einst 1964 in kleinem Maßstab begann, hat sich im Laufe der Zeit zu einem zur Tradition gewordenen Veranstaltungshöhepunkt der geistlichen Musik gemausert: Die Fürther Kirchenmusiktage haben sich seit Jahrzehnten trotz der Nähe der quasi übermächtigen Internationalen Orgelwoche Nürnberg (ION) als fester Veranstaltungstermin sakraler Musik in der Region etabliert. In diesem Jahr werden sie vom 13. November bis 5. Dezember stattfinden und acht Konzerte umfassen. Nicht zu vergessen das köstliche Hors d'œuvre mit Bavarian Brass, das am 13. September in der Fürther Kirche Christkönig stattfand.

Am 13. November geht es los mit den „Nachtgedanken“ in derselben Kirche, wenn der Saxophonist Johannes Ludwig und Victor Alcántara am Klavier Jazz und Improvisationskunst darbieten, ergänzt um die Lesungen von Ingeborg Schilffahrt. Jazzstandards wie beispielsweise „Moon River“ und neue, freie Stücke werden geboten, während bei den Texten Lyrik und Prosa von Rainer Maria Rilke, Hilde Domin, Jochen Klepper und Michael Ende zu hören sind. Bezüglich des gestaffelten Obolus für den Eintritt lautet die sympathische Devise: „Zahl, was du kannst.“ Es geht also dabei um die freiwillige zusätzliche Unterstützung der Kirchenmusik.

Geistliche Musik zwischen Bach und Zdralek

Mit „Vertrauen“ ist der ökumenische Kantatengottesdienst überschrieben, der am 15. November am nämlichen Ort stattfindet. Andreas König und Matthias Hofknecht obliegt die Leitung von Chor und Orchester für die Aufführung einer Bachkantate und eines Werkes von Mendelssohn. Beteiligt sind die Chöre von Christkönig, St. Heinrich und St. Nikolaus sowie die Stadtkantorei.

Zum Buß- und Bettag (ja, den gibt's noch!) muss man schon eine „Beziehung“ haben, weshalb die Fränkische Kantorei unter Ingeborg Schilffahrts Leitung diesen Begriff auch auf den musikalischen Gottesdienst gemünzt hat, der am 18. November in St. Michael stattfindet.

Nähe, Distanz sowie fremde und vertraute Worte sind angesagt, wenn unter der Mitwirkung der Fränkischen Kantorei Motetten von Orlando di Lasso sowie die Teiluraufführung des Psalms 139 von Marko Zdralek ansteht. Den vertonten Sätzen aus diesem Psalm liegt die Übersetzung von Martin Buber zugrunde, was es sprachlich besonders spannend macht. Marko Zdralek setzt die jeweils innere Haltung des Beters in diesen Versen in Musik um.

Staunen, Sehen, Lauschen und Träumen

Ins „Staunen“ kann man kommen, wenn am 21. November in Maria Magdalena die ganze Flötenfamilie in Aktion ist. Lauten- und Flötenmusik wird in diesem Familienkonzert virtuos gespielt und lebendig erklärt. Was ist überhaupt eine Laute und wie wird sie gespielt? Das wird zu fragen sein und bestimmt pfiffig beantwortet werden. Und dazu die ganze Flötenfamilie in Aktion! Tags drauf wird ein Orgelkonzert für die „Ewigkeit“ erklingen, was nicht verwundert angesichts eines Repertoires aus 400 Jahren Orgelmusik. Das beinhaltet eine Auseinandersetzung mit der Erfahrung eigener Endlichkeit und der Vision der Ewigkeit. Andreas König spielt an der Orgel zu St. Heinrich.

„Hören und Sehen“ werden einem kaum vergehen am 27. November, wenn Christiane Michel-Ostertun in Christkönig mit ihren Improvisationen den berühmten Stummfilm „Safety last“ mit Harold Lloyd aus dem Jahre 1923 in Töne fasst. Zu erwarten ist, dass der Film mit den vielfältigen Klängen der Orgel berührend, lustig, spannend und akustisch brillant in Szene gesetzt wird.

„Safety last“ ist eine Stummfilmkomödie, in der ein junger Mann vom Land in die Stadt zieht, um Wohlstand zu erreichen und seine Freundin zu heiraten. Als ihm eine Gelegenheit winkt, Ruhm und Geld zu gewinnen, gerät er in eine halsbrecherische Kletteraktion an einem Wolkenkratzer, die zur unvergesslichen Uhrzeiger-Szene führt. Berühmt für seine temporeiche Mischung aus Humor und Nervenkitzel sowie seine filmhistorische Bedeutung gilt der Film als komödiantischer Klassiker und bleibt auf ewig sehenswert.

Einen Tag später ist „Lauschen“ angesagt, denn dann wartet in St. Michael eine Kammermusik „mit zarten Tönen“ auf die Einstimmung zur Adventszeit. Studierende der Lauten- und Gitarrenklasse der Nürnberger Musikhochschule treten mit Solowerken und kleinen Ensembles auf. Das Finale gehört am 5. Dezember den Kindern. Sie sind gehalten, beim Orgelkonzert für Kinder in St. Martin ins „Träumen“ zu geraten, denn „Abendstern und Friedensengel“ laden dazu ein. Andreas Schmidt (Musik), Sigrid Lampe-Densky (Text), Matthias Hofknecht (Orgel) und Max Hofmann (Sprecher) gestalten diesen Nachmittag.

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