Ein eher unbekannter Händel
Das Staatstheater Meiningen zeigt Max Emanuel Cencics Inszenierung von Georg Friedrich Händels „Flavio, Re de’ Langobardi“
veröffentlicht am 19.10.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Martin Köhl
Es ist eine gute Idee, die Realisierung einer Barockoper im feinen, aber räumlich doch sehr reduzierten Rahmen des Bayreuther Markgräflichen Opernhauses – das Werk war im September 2023 die Eröffnungspremiere des Bayreuth Baroque Festivals – auch in einem ausgewachsenen Staatstheater zu wiederholen und so einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Das machen die Meininger im Oktober mit Georg Friedrich Händels „Flavio, Re de’ Langobardi“, einem kaum bekannten Frühwerk seiner Londoner Zeit (1723).
Der Komponist spielt hier virtuos mit höfischen Konventionen und verbindet politische Intrigen, komische Momente und intime Gefühlsdramen zu einem überraschend leichten, fast ironischen Tonfall. Im Zentrum steht der impulsive Langobardenkönig Flavio, der sich von Machtspielen und Liebesverwicklungen treiben lässt, während rivalisierende Väter und Liebende zwischen Pflicht und Leidenschaft zerrieben werden. Am barocken Hof ist nichts privat: Jeder steht unter Beobachtung, das Leben des Königs ist öffentliche Bühne.
In Max Emanuel Cencics ebenso sinnlicher wie humorvoller Inszenierung wird dieser Hof zur Manege, in der jeder gegen jeden antritt. Menschliche Schwächen werden geradezu demonstrativ zur Schau gestellt, was der Regisseur so charakterisiert: „Exhibitionismus menschlicher Schwäche wird zum Theater selbst.“ In musikalischer Hinsicht besticht „Flavio“ durch die Balance aus expressiven Arien und pointierten Rezitativen.
Trotz tragischer Momente vermeidet Händel pathetische Schwere und entfaltet eine elegante Mischung aus Drama und subtiler Satire. So erweist sich diese Oper als eines von Händels originellsten Bühnenwerken – voller psychologischer Feinzeichnung und musikalischem Witz.
Für die Dramaturgie zeichnet Julia Terwald aus dem eigenen Hause verantwortlich, Bühne und Kostüme besorgen Helmut Stürmer und Corina Grâmosteanu. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Camille Delaforge. Besetzung: Rémy Bres-Feuillet und Lidor Mesika (Flavio, alternierend), Max Emanuel Cencic und Nicholas Tamagna (Guido, alternierend), Lubov Karetnikova (Emilia), Abongile Fumba (Teodata), Keith Klein (Lotario), Sara-Maria Saalmann ((Vitige), Mick Mehnert (Begleiter der Königin) und Tobias Glagau (Ugone).
Premiere ist am 23. Oktober im Großen Haus, zur Einstimmung auf Werk und Inszenierung gibt es am 11. Oktober um 11.15 Uhr eine Matinee im Foyer. Weitere Vorstellungen sind ab dem 1. November angesetzt, die letzte Aufführung findet am 2. März 2027 statt.
Weitere Informationen findet man unter www.staatstheater-meiningen.de.