Ausstellungen

Schon wieder Weltuntergang?!

Das Museum Otto Schäfer entdeckt erstaunlich aktuelle Krisenmuster der Vergangenheit

veröffentlicht am 20.10.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Matthäus Merian d.Ä.: Todt zum Ritter Kupfer für: Totentanz […], Frankfurt a.M., 1649

Matthäus Merian d.Ä.: Todt zum Ritter Kupfer für: Totentanz […], Frankfurt a.M., 1649, Foto © Otto Schäfer Stiftung, Schweinfurt, Foto: Jan Soldin

Krise scheint der Normalzustand unserer Gegenwart zu sein. Krieg, Pandemie, wirtschaftliche Unsicherheit und ein rasanter Medienwandel sorgen für das Gefühl, dass kaum eine Erschütterung überstanden ist, bevor die nächste beginnt. Doch ist dieses Empfinden wirklich neu? Die Kabinettausstellung „Schon wieder Weltuntergang?!“ im Museum Otto Schäfer in Schweinfurt blickt zurück – und entdeckt erstaunlich vertraute Muster.

Entwickelt wurde die Ausstellung von Studierenden des Masterstudiengangs „Literatur, Kultur, Medien“ der Universität Würzburg. Historische Texte und Bilder seit der Frühen Neuzeit treffen auf heutige Krisenerfahrungen. Im Mittelpunkt steht weniger das Ereignis selbst als die Frage, wie Krisen erzählt, inszeniert und wahrgenommen werden. Denn schon im 16. Jahrhundert wurden Bilder gezielt zur Meinungsbildung eingesetzt – lange bevor soziale Netzwerke die Verbreitung von Nachrichten und Meinungen beschleunigten.

Fünf Stationen führen durch Krieg, Gesundheits- und Wirtschaftskrisen, gesellschaftliche Verwerfungen und Bildpolitik. Dabei ergeben sich mitunter verblüffende Parallelen. Buchdrucke der Reformationszeit dienten der Manipulation; heute übernehmen digitale Bilder und Posts ähnliche Funktionen. Andreas Gryphius schilderte im Gedicht „Tränen des Vaterlandes“ die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges unmittelbar – die Ausstellung fragt, wie nah uns Krieg heute tatsächlich kommt: als reale Erfahrung oder als Meldung im Instagram-Feed?

Auch Gesundheitskrisen haben ihre wiederkehrenden Rituale. Selbstgenähte Masken während Corona begegnen historischen Anleitungen zum Aderlass in Pestzeiten. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten wiederum wurden kostbare Künstlerbücher als vermeintlich krisenfeste Anlage angepriesen. Ob etwa eine Ausgabe von Lovis Corinths „Reineke Fuchs“ dieses Versprechen als Investment tatsächlich halten konnte, gehört zu den Fragen der Ausstellung.

So entsteht kein historisches Kuriositätenkabinett, sondern ein Spiegel der Gegenwart. Krisen bestehen eben nicht nur aus Fakten. Sie werden erzählt, bebildert und gedeutet – und diese Erzählungen bestimmen mit, wem wir glauben, wem wir Schuld zuweisen und wie wir Zukunft denken. Wer die Mechanismen dahinter kennt, so die ebenso aktuelle wie unbequeme Botschaft der Ausstellung, kann sie vielleicht auch heute besser durchschauen.

„Schon wieder Weltuntergang?!“ ist noch bis 29. November im Museum Otto Schäfer in Schweinfurt zu sehen. Weitere Informationen findet man unter www.museumottoschaefer.de.

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