Szene

Indie-Rundreise durch den Herbst

Mal klangvoll, mal textlastig: die Konzerthighlights der Region versprechen Vielfalt und Authentizität

veröffentlicht am 01.10.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min. | von Emma Hasse

Sarah Lesch ist am 2. Oktober zu Gast im Zentrum Bayreuth

Sarah Lesch ist am 2. Oktober zu Gast im Zentrum Bayreuth, Foto © Sandra Ludewig

Nach dem Festival-Sommer ist vor dem Konzert-Herbst! Wenn die Tage kälter und rauer werden, gibt es nur eine Lösung: Wärme in einem Konzertsaal suchen. Art 5|III hat sich durch die Programme der regionalen Konzertstätten gewühlt und die Highlights herausgesucht. Unter ihnen etablierte Acts und innovative Newcomer, die zeigen, wie lebendig unsere lokale Musikszene ist.

Konzerte in Nürnberg

In Nürnberg lädt die Band Madsen am 9. Oktober in den Nürnberger Löwensaal ein auf eine Reise zurück zu Old-School-Indie-Rock. Das aktuelle Album „Smile“ besingt universelle Themen und erinnert klanglich an Bands wie Kraftklub – ohne dabei kopiert oder verstaubt zu wirken. Eine beeindruckende Leistung, wenn man bedenkt, dass die Band seit 2005 in der deutschen Musikszene aktiv ist.

Tiavo steht für 80er-Sound und theatralische Lyrik, die von ihrem Humor lebt. Die „Band mit dem Fernseherkopf“ – so nennen sie sich selbst – tritt am 21. Oktober im Hirsch auf. Ihr neues Doppelalbum erfüllt laut eigener Aussage den Traum der Hotelkette. Es glänzt in synth-poppiger Komik, die live sicher ihre volle Wirkung entfaltet.

Soffie spielt dann am 3. November im Z-Bau. Vielen ist sie vor allem durch einen Song bekannt: „Ich träum von einem Land, in dem für immer Frühling ist …“. Das Lied über Hoffnung in unsicheren Zeiten ist ein Ausdruck unserer Gegenwart und hat inzwischen über 75 Millionen Streams allein auf Spotify erreicht. Ihr neues Album „Kein Streit den man nicht lösen kann“ schlägt andere Töne an. Die Gitarren sind dreckiger, die Texte behandeln Female Rage, Provokation und den Ausbruch aus Genderrollen. Es sind beeindruckende Lieder, die sich immer gerade ernst genug nehmen – aber nie zu ernst.

Beim Konzert von Streichelt am 20. November im MUZ kommt Lokalstolz auf. Der Nürnberger Musiker produziert Songs, die tief in der Neuen Neuen Deutschen Welle verwurzelt sind. Mit treibenden Synthpop-Klängen verarbeitet Streichelt sein Leben und führt in eine eher dunkle, verfolgte Klangwelt. Es ist ein Sound, der fesselt und einen Ausflug ins MUZ mehr als wert ist.

Konzerte in Erlangen

Ein weiteres Indie-Highlight ist das Konzert von Dominik Hartz am 13. November im Erlanger E-Werk. Seine Songs verbinden Indie mit Rap und thematisieren unterschiedlichste Momente – von spaßig-ironisch bis zu ernsthaften Reflexionen über das eigene Aufwachsen. Eins haben alle Lieder gemeinsam: Sie bringen zum Tanzen, Singen und Genießen.

Konzerte in Fürth

In der Fürther Kofferfabrik findet am 2. Oktober das inzwischen 13. Songwriterinnen-Festival statt. Bei „Ganz gut für ’ne Frau“ werden pro Abend drei kurze Solo-Programme von Musikerinnen verschiedenster Couleur dargeboten. Dieses Mal werden die Musikerinnen OZKAR, Edda Ruß und Mrs Flow ihre Songs zum Besten geben.

Konzerte in Erfurt

Jassin ist der richtige Künstler für all jene, die komplexe, verletzliche Gefühle in Raptexten suchen. Seine autobiographisch inspirierten Lieder thematisieren das Aufwachsen in einer ostdeutschen Kleinstadt, seine Herkunft, Entfremdung, Wut und Stolz – angetrieben vom dringenden Bedürfnis, verstanden zu werden. Jassin war bereits als Support für Musikgrößen wie Trettmann, Apsilon und Berq unterwegs. Jetzt geht er auf eigene Tour, inklusive einem Konzertstopp am 11. Oktober im Kalif Storch in Erfurt.

Ebenfalls in Erfurt bringen Agatha is Dead! am 11. Oktober englischsprachigen Indie-Rock in das Kulturzentrum Engelsburg. Ihre Songs sind inspiriert von Post-Punk und präsentieren sich mit selbstbewusster und emotionaler Attitüde.

Paula Paula bezeichnet ihre Musik als „perimenopausalen, dystopisch-romantischen Aufruhrpop mit linksfeministischem Bildungsauftrag“. Diese explosive Mischung lässt sich am 20. November live im Kulturzentrum Engelsburg erleben. Auch hier ist der leicht daherkommende Dream-Pop-Sound eher eine Servierplatte für unverwechselbare, provokante Texte. Ihre Songs bringen zum Lachen, regen zum Nachdenken an und sind relevante Zeitzeugnisse von bleibendem Wert.

Konzerte in Bayreuth

In Bayreuth tritt am 2. Oktober die Liedermacherin Sarah Lesch im internationalen Jugendzentrum Das Zentrum auf. Ihre Songs sind eigentlich eher Poesie im Gesangsformat – minimalistisch arrangiert, mit viel Gitarre und zartem Schlagzeug. Hier verschwimmt die Grenze zwischen Haltung und Unterhaltung, mit besonderem Feingefühl für das Zusammenspiel von Klang und Text. Insgesamt ist Sarah Lesch eine Musikerin und Poetin mit beeindruckendem Talent. Das Konzert verspricht, ein intimer, anregender Abend zu werden.

Konzerte in Aschaffenburg

Der letzte Stopp unserer Indie-Rundreise ist Aschaffenburg. Kitty, Daisy & Lewis bringen am 28. Oktober Londoner Funk in den Colos Saal. Einflüsse von R’n’B, Jazz, Blues und Rock’n’Roll werden zu einer Klangwelt, bei der die Hüften automatisch anfangen zu schwingen. Amy Winehouse. Eagles Of Death Metal und David Lynch zählen zu den bekennenden Fans; die Band hat bereits mit Mark Ronson und Coldplay getourt. Ein Grund mehr, sich diesen Abend nicht entgehen zu lassen!

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