Jazz kennt keine Grenzen
Das NUEJAZZ-Festival bringt wieder die ganze Vielfalt des modernen Jazz auf die Nürnberger Bühnen
veröffentlicht am 17.10.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min. | von Andreas Bär
Alle Jahre wieder ist die Vorfreude bei Jazz-Fans in der Norisstadt groß: Vom 23. Oktober bis 15. November steht in verschiedenen Nürnberger Spielstätten das NUEJAZZ-Festival auf der Agenda.
Das internationale Festival, bekannt und beliebt für seine innovative und moderne Programmauswahl, bricht seit jeher Genregrenzen auf und spielt mit der Liaison zwischen Jazz und vielen anderen Spielarten des musikalisch breitgefächerten Kosmos. Die vor zwei Jahren mit dem deutschen Jazzpreis als Festival des Jahres ausgezeichnete Konzertreihe geht dabei in ihrer 13. Auflage einen etwas anderen Weg als noch bei ihrer letztjährigen Auflage, die vor allem unter dem Fokus der Kooperation mit dem deutschen Jazzpreis und der Kooperation mit der Berliner Jazzszene eine hohe nationale Künstler:innendichte aufwies.
Internationale Jazzgrößen zu Gast
Das unumstrittene Highlight wird 2026 im Z-Bau über die Bühne gehen. Am 12. November kommt Ibrahim Maalouf in die heiligen Hallen. Der weltbekannte libanesisch-französische Viertelton-Trompeter reist mit einem neunköpfigen Ensemble an. Er wird die Gäste im großen Saal des Z-Bau mit seiner energiegeladenen Mischung aus Jazz, Pop und arabischen Einflüssen beglücken. Nach zwei Grammy-Nominierungen und weltweit ausverkauften Veranstaltungssälen und über einer Million verkaufter Alben kommt der Ausnahmemusiker mit seinen Trumpets of Michel-Ange in die mittelfränkische Metropolstadt. Das neunköpfige Ensemble steht für einen sehr dichten, fast orchestralen Sound und ist eine Hommage an die Handwerkskunst und die Leidenschaft – passend dazu hat er sogar eine eigene Trompetenlinie entworfen, um die nächste Generation von Musikern zu inspirieren.
Nicht minder bemerkenswert ist das Gastspiel von US-Gitarrenlegende Bill Frisell. Der gerade 75 Jahre alt gewordene Kultgitarrist wird begleitet von Luke Bergman und Tim Angulo. In der Kulturwerkstatt Auf AEG hat er am 30. Oktober sein neues Album „In my Dreams“ im Gepäck. Bereits am 28. Oktober bringen Shalosh urbanen Jazz ins Erlanger E-Werk. Eigene Kompositionen und neu gedachte Cover verschmelzen zu einem dichten Sound zwischen Groove, lyrischer Tiefe und energetischer Dynamik. Jazz wird hier als offene Haltung verstanden, die Einflüsse aus Rock, Klassik und Pop integriert und live eine intensive, unmittelbare musikalische Erfahrung entstehen lässt. Internationales Flair versprühen wird Gerald Clayton. Der mehrfach Grammy-nominierte US-Pianist wird am 13. November im Festsaal des Künstlerhauses mit einem hochemotionalen, unbegleiteten Klavier-Solokonzert zu hören sein und zudem eine exklusive Masterclass geben.
Rund um das Festival
Gewohntermaßen werden diverse Aktionen das NUEJAZZ übergreifend begleiten. Der renommierte Nuecomer Jazz-Award widmet sich in diesem Jahr den 100. Geburtstagen von Miles Davis und John Coltrane, zwei absoluten Ikonen des Jazz. Junge Bands zeigen am 26. September in der Kulturwerkstatt, wie das Erbe dieser Giganten im modernen Sound von heute fortlebt. Ebenfalls im Davis-Thema verwurzelt ist der am 13. November im Künstlerhaus gastierende Jowee Omicil. Er widmet sich mit seinem Album „sMiLes“ nicht der Nostalgie, sondern der Weiterentwicklung eines musikalischen Erbes, das von Miles Davis geprägt wurde. Mit Saxofon, Klarinette, Flöte, Trompete, Rhodes und Stimme erschafft er einen freien, genreübergreifenden Sound zwischen afrohaitianischen Rhythmen, Jazz und urbanen Einflüssen.
Die Fakultät Design der Ohm, der TH Nürnberg, hat ihre eigene Historie, was Jazz angeht. Seit Jahren forscht und lehrt sie in diesem Bereich. Die Eröffnung der Festivalwochen ist daher nur folgerichtig. Mit ihrer Idee, den Namen Nuejazz zu etablieren, ist die Fakultät engstens mit dem Festival verwoben. Unter dem Motto „Jazz & Design“ eröffnet die Vernissage am 23. Oktober das dreiwöchige Programm. Der Frage, wie Musik sichtbar und Design hörbar wird, widmet sich am Eröffnungsabend im Anschluss daran das Trio Vier feat. Lars Andreas Haug in visueller Kooperation mit Alicia Brunner und Maurice Schirm. Mehrere Projektionsflächen und vier im Raum positionierte Musikerinnen und Musiker kreieren eine audiovisuelle Architektur, die den Raum akustisch und optisch neu erlebbar macht. Band und Bild verschmelzen bei Transient in diesem dynamischen Zusammenspiel aus festen Kompositionen und freier Interaktion.
Traditionell dürfen sich auch die Kids an der Festivalreihe erfreuen. Nuejazz for Kids geht mit drei Veranstaltungen in der Kulturwerkstatt an den Start. Die drei Kinderkonzerte stehen wie immer für den Brückenschlag zwischen kindlichen Phantasien, lustigen Abenteuern, faszinierenden Geschichten und modernen Jazz-Beats, die das Konzept abrunden.
Mehr Informationen zum Festival und zum Programm findet man unter www.nuejazz.de.