Wo der Schuhe drückt, streiten zwei Brüder
Das Staatstheater Nürnberg bringt „Die Erfindung der Schuhe“ von Philipp Löhle auf die Bühne des Schauspielhauses
veröffentlicht am 24.10.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Elke Walter
Staatstheater Nürnberg: „Die Erfindung der Schuhe", Im Bild (v.l.n.r.): Alban Mondschein, Valentina Schüler, Stephan Schäfer, Amadeus Köhli, Foto © Konrad Fersterer
Zwei Brüder, die lebenslang streiten und gleichzeitig zwei rivalisierende Unternehmen Adidas und Puma schufen – das ist der Bühnenstoff, den Philipp Löhle in eine spritzige Sportkomödie unter dem Titel „Die Erfindung der Schuhe“ packt. Das Auftragswerk des Nürnberger Schauspielhauses feierte unter der Regie des Autors am 22. Oktober 2026 seine Uraufführung, unter großem Applaus des Publikums.
Löhle verortet die Handlung im antiken Griechenland, gewürzt mit einer gehörigen Portion augenzwinkerndem Humor, der manchmal knapp am Zuviel vorbeischrappt. Das brachte ein wenig Asterix-Charme ins fränkische Barbarentum. Da wurde unter den Brüdern gestritten, verdächtigt, um die bessere Lösung gewetteifert. Adilius, der handwerklich begabte und tüchtigere der beiden (Alban Mondschein) sowie sein älterer Bruder Rudolfus, als der der Schöne bezeichnet (Amadeus Köhli), schenkten sich wahrlich nichts. Schauspielkunst auf höchstem Niveau. Zusammen mit ihren Eltern, Paulinia (Valentina Schüler) dem Tuchmacher Christopherus (Stephan Schäfer), fristeten sie ein Leben in ärmlichen Verhältnissen. Einfach gekleidet – noch ist Barfußgehen angesagt – und bei jedem Schritt gepiesackt vom steinigen Waldboden (Bühne und Kostüme Thomas Rupp und Natalie Noël). Stoffstücke um die Füße zu wickeln und mit einer Kordel zu verschnüren? Eine erste Fußbekleidung war gefunden. Noch kein Turnschuh zwar, aber für die antike Szenerie passend, eine Sandale. Die Basis des Familienunternehmens – in der Realität gründeten die Dassler-Brüder ihr erstes Unternehmen 1924 in Herzogenaurach – war gelegt. Der Streit der Brüder gärte weiter, betraf die gesamte Familie, bis er schließlich 1948 in zwei rivalisierenden Firmen mündete.
Abseits realer Bilder öffnete Autor und Regisseur Löhle, der zudem musikalisch für kinoreife Sounds sorgte, weite aussagekräftige Bild- und Interpretationsräume. Die Zeitgeschichte, immer wieder mit dezenten Anspielungen unterfüttert, läuft gedanklich im Hintergrund mit, etwa die Olympischen Spiele, die beiden Weltkriege oder auch die NS-Zeit. Das klappt, da das Stück wichtige Themen, unter anderem Liebe, Eifersucht, Rivalität oder Schaffensdrang allgemeingültig verhandelt. Der Chor, ein typisches Element der antiken Tragödie, agierte als Erzähler, mischte sich als moralische Instanz ein und kommentierte, was stellenweise Slapstick-Funken versprühte. Das engagierte und vielseitig aufspielende Ensemble, allen voran Mondschein und Köhli, die sich nach allen Regeln der Kunst stritten, konnte auf ganzer Linie überzeugen.
Weitere Informationen zum Stück findet man unter www.staatstheater-nuernberg.de.