Mit einem Freund an der Seite
Zum Tod des Zeichners und Erzählers Janosch
veröffentlicht am 04.11.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Zeichnung aus Oh, wie schön ist Panama von 1978, Foto © Janosch (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0
Ein kleines Haus, etwas zu essen und jemand, der mitkommt, wenn man sich auf den Weg macht: Bei Janosch konnte das schon ein ziemlich gutes Leben sein. Seine Figuren hatten Wünsche und manchmal Angst. Sie irrten sich, brauchten Hilfe und waren einander nicht immer die einfachsten Gefährten. Gerade deshalb waren sie einem so nah.
Nun ist der Zeichner und Schriftsteller im Alter von 95 Jahren auf Teneriffa gestorben. Mit dem kleinen Tiger, dem kleinen Bären und der Tigerente hinterlässt er Figuren, die für viele Menschen zur Kindheit gehören – und die man später beim Vorlesen noch einmal anders kennenlernen konnte.
Geboren wurde Janosch 1931 als Horst Eckert im oberschlesischen Zabrze. Seine Kindheit war von Armut und Gewalt geprägt. Die Geborgenheit seiner Bilderbücher bekommt vor diesem Hintergrund ein anderes Gewicht. Man kann sie als Entwurf eines Lebens lesen, in dem Zuneigung selbstverständlich sein darf und Schwäche keinen Anlass zur Beschämung bietet.
Dabei hatte seine Freundlichkeit etwas Eigensinniges. In den Zeichnungen blieb Platz für das Krumme, Unfertige, Komische. Auch seine Geschichten mussten nicht stramm auf eine Lehre zulaufen. Sie konnten Umwege machen. In „Oh, wie schön ist Panama“ suchen Tiger und Bär ihr Traumland und kommen schließlich wieder zu Hause an. Der Ort ist derselbe, ihr Blick hat sich verändert. Das Buch erhielt 1979 den Deutschen Jugendliteraturpreis.
Vielleicht erklärt das einen Teil seiner Wirkung: Janosch nahm die kleinen Sehnsüchte ernst. Ein sicherer Platz. Ein gemeinsames Essen. Die Gewissheit, dass einer nach einem schaut. Dafür fand er Bilder, die ohne große Worte auskommen und trotzdem lange im Gedächtnis bleiben.
Wer heute eines seiner Bücher aufschlägt, begegnet deshalb mehr als einer Erinnerung an früher. Man trifft Figuren, deren Gesellschaft noch immer guttut. Sie haben keine Antwort auf alles. Aber meistens wissen sie, wen sie fragen können.