Klassiker

Bäderstadt im Musikrausch

Der Kissinger Sommer feiert unter dem Motto „Mazel Tov“

veröffentlicht am 03.06.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min. | von Elke Walter

Benjamin Appl präsentiert am 28. Juni einen Liederabend

Benjamin Appl präsentiert am 28. Juni einen Liederabend, Foto © David Ruano

Mit einer hochkarätig besetzten Festivalausgabe geht der Kissinger Sommer vom 11. Juni bis 18. Juli 2026 in seine 40. Ausgabe. Das Jubiläumsprogramm steht unter dem Motto „Mazel Tov“, was im Hebräischen und Jiddischen so viel wie „Glückwunsch“ bedeutet, gleichzeitig eine Brücke zwischen der jüdischen Geschichte und Kultur Bad Kissingens und Europas bauen soll.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts, so in der Pressemeldung, habe die jüdische Bevölkerung das geistige, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in der Stadt maßgeblich geprägt. Auch viele Gäste jüdischer Herkunft seien aus ganz Europa zur Sommerfrische angereist, darunter etwa Albert Einstein, Max Liebermann, Giacomo Meyerbeer, James Simon oder auch Oscar Straus. Zu finden sind im Programm Komponistinnen und Komponisten jüdischer Herkunft, etwa Felix Mendelssohn Bartholdy, Fanny Hensel oder auch Mieczysław Weinberg, ebenso Künstler wie Friedrich Hollaender und Kurt Weill.

Wie ein roter Faden führt das Festivalmotto durch das vielfältig bestückte Programm. Bekannte Kunstschaffende und Orchester sind da als Gäste geladen, eingebettet in ein reichhaltiges Rahmenprogramm, unter anderem mit Gesprächen, Konzerteinführungen, Prélude-Konzerten, Angeboten für Kinder, Jugendliche und Familien sowie auch Stadtführungen. Als Räumlichkeiten stehen der Max-Littmann-Saal im Regentenbau, der Rossini-Saal oder auch das Kurtheater zur Verfügung, daneben weitere Veranstaltungsorte in und um Bad Kissingen.

Große Orchester, Jubiläumskonzerte und vielfältige Programme

Los geht es am 12. Juni mit einer festlichen Konzertgala im Max-Littmann-Saal. Unter der Leitung von Iván Fischer spielt das Budapest Festival Orchestra ein Programm mit Werken von Prokofjew, Mozart und Schumann. Als Solistin bei Mozarts Klavierkonzert Nr. 24, KV 491 spielt die Pianistin Elisabeth Leonskaja.

Weiter stehen neben anderen das Kammerorchester Bad Kissingen, das Residenzorchester Meiningen, das WDR Sinfonieorchester, das Jewish Chamber Orchestra Munich oder auch die Tschechische Philharmonie auf dem Programm. Weitere Gäste sind das BBC Symphony Orchestra unter der Leitung von Sakari Oramo. Solist des Abends ist Kian Soltani am Violoncello.

Das Münchner Rundfunkorchester gestaltet am 19. Juni im Max-Littmann-Saal die „Kissinger Opern- und Operettengala“ unter der Leitung von Mihhail Gerts. Solistin und Solist des Abends sind Vera-Lotta Boecker (Sopran) und Daniel Behle (Tenor).

Mit einem Brahms-Programm kommen die Bamberger Symphoniker am 9. Juli unter der Leitung ihres Chefdirigenten Jakub Hrůša zum Kissinger Sommer. Pianist Lukas Sternath wird als Solist beim Klavierkonzert Nr. 2 zu hören sein. Ein besonderes Konzert, da auch das Bamberger Orchester in diesem Jahr sein 80-jähriges Bestehen feiert.

Beim Jubiläumskonzert am 12. Juli, zum 40. Bestehen des Kissinger Sommers, stehen Werke für Chor und Orchester im Mittelpunkt. Gestaltet wird der Abend mit Carl Orffs „Carmina Burana“, einer Kantate für Soli, Chor, Kammer- und Kinderchor sowie Orchester, vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Chor des Bayerischen Rundfunks sowie Laienchören aus Bayern. Die Gesamtleitung hat Sir Simon Rattle.

Zu Gast sind auch das Konzerthausorchester Berlin unter der Leitung von Joana Mallwitz und Josef Špaček (Violine), mit Werken von Gershwin, Mendelssohn Bartholdy und Weill (11. Juli).

Neben den Orchesterkonzerten gibt es auch zahlreiche kleinere Formate, etwa Duo-Konzerte mit Geigerin Julia Fischer und Yulianna Avdeeva am Klavier (14. Juni) oder auch dem Pianisten Frank Dupree und Timothy Ridout (12. Juli). Dazu gibt es unter anderem am 28. Juni einen Liederabend mit dem Bariton Benjamin Appl, der von Martynas Levickis am Akkordeon begleitet wird.

Ein besonderes Konzert, das im regulären Klassikangebot eher seltener zu hören ist, verspricht die Jazzrausch Bigband am 25. Juni mit „peitschenden Beats und Bigband-Sounds von Klassik bis U-Musik, Techno bis Jazz, Club bis Konzerthaus“.

Klavierrezitale mit Igor Levit (24. Juni) oder auch Piotr Anderszewski (17. Juni) erweitern das hochkarätige Konzertangebot.

Rahmenprogramm, Prélude-Konzerte und Ausstellung

Ein umfangreiches Rahmenprogramm wartet mit ganz unterschiedlichen Angeboten auf. Das geht von Künstler:innengesprächen unter dem Motto „Auf einen Kaffee mit…“, etwa mit dem Trompeter Simon Höfele, Elisabeth Leonskaja oder auch Kent Nagano, bis hin zu Konzerteinführungen.

Mit Prélude-Konzerten, jeweils um 18 Uhr, greift das Festival die Tradition der Serenaden auf. Instrumentalensembles in unterschiedlichen Besetzungen spielen im öffentlichen Raum und laden Vorbeikommende zum Zuhören ein. Alle Prélude-Konzerte sind kostenfrei und dauern ca. 30 Minuten. Bei schlechtem Wetter steht der Rossini-Saal als Ausweichmöglichkeit zur Verfügung.

Die Jubiläumsausstellung „40 Jahre Kissinger Sommer“ blickt auf die Geschichte der Festivalreihe zurück. Zu sehen ist sie jeweils Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr in der Orangerie des Museums Obere Saline vom 10. Juni bis 18. Juli.

Das gesamte Programm mit vielen Informationen zu den einzelnen Angeboten, gibt es unter www.kisssingersommer.de.

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