Klassiker

Jubiläum mit vielen Highlights

75 Jahre Musikfest ION präsentiert neben anderem Anna Prohaskas Programm „Behind the Lines“

veröffentlicht am 13.06.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min. | von Elke Walter

Unsere Interviewpartnerin: Sopranistin Anna Prohaska

Unsere Interviewpartnerin: Sopranistin Anna Prohaska, Foto © Marco Borggreve

Seit 1951 findet in Nürnberg alljährlich ein ganz besonderes Musikfest im Bereich Geistliche Musik statt. In diesem Jahr feiert die Internationale Orgelwoche (ION), die weit mehr als nur Orgelmusik präsentiert, vom 19. Juni bis 5. Juli 2026 ihr 75-jähriges Bestehen. Bekannte Namen sind auf dem Programm zu finden, darunter etwa Sopranist Maayan Licht, Solomon’s Knot, Rebekka Bakken, die Organisten Cameron Carpenter und Olivier Latry, der Windsbacher Knabenchor, das Vocalensemble Voces8 oder auch die Staatsphilharmonie Nürnberg unter ihrem Chefdirigenten GMD Roland Böer.

Mit einem bemerkenswerten Thema, unter dem Titel „Behind the Lines“, kommt die Sängerin Anna Prohaska am 30. Juni sowie am 2. Juli zur ION. Mit dem renommierten Pianisten Eric Schneider hat die Starsopranistin 2014, anlässlich des Gedenkens an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren, ein Programm zusammengestellt, das sie nun zweimal bei der ION präsentieren wird. Es spannt einen Bogen zwischen Krieg und Frieden, mit einer Liedauswahl vom „Soldatenlied“-Repertoire aus dem Dreißigjährigen Krieg bis zum Zweiten Weltkrieg. Lieder von Beethoven, Fauré, Mahler über Eisler bis Weill sind da unter anderem zu finden. Wir haben mit der Künstlerin gesprochen, zum Programm, aber auch zu ihrem Weg als Künstlerin.

Frau Prohaska, bevor wir uns zu „Behind the Lines“ unterhalten, lassen Sie uns doch bitte zunächst auf Ihren künstlerischen Weg blicken. Sie stammen aus einer Musikerfamilie. Ihre Mutter war Sängerin und Ihr Vater Oberspielleiter am Theater Ulm. War damit die berufliche Richtung schon vorgegeben?

Nicht unmittelbar, obwohl Klavierunterricht fest dazugehörte. Klar, Musik war immer präsent in unserer Familie, dadurch wurden mein Bruder und ich schon früh geprägt. Mein Bruder Daniel ist zehn Jahre älter und als Tenor ebenfalls künstlerisch tätig. Vor der Gesangsausbildung studierte er erst Sprachwissenschaften, kehrte aber zur Musik zurück. Bei mir war das erst auch noch gar nicht so deutlich erkennbar, wo es hingehen sollte. Mich hatten auch andere Bereiche interessiert, etwa das Schreiben, Journalismus oder auch Kunstgeschichte. Über Eberhard Kloke, der von 1993 bis 1998 GMD an der Nürnberger Oper und Leiter des Philharmonischen Orchesters der Stadt Nürnberg war, bekam ich als 14-jährige die Chance, Musik in ihren vielen Facetten kennenzulernen und ausprobieren zu können. Meine anfängliche Nervosität konnte ich nach und nach in Intensität beim Vortrag umlenken.

Welche Rolle spielt die Musik für Sie?

Für mich selbst ist Musik ganz wichtig und ich bin froh, dass ich mich dafür entschieden habe. Generell finde ich die Beschäftigung damit auch für Kinder und junge Leute wichtig. Musik ist viel mehr als nur Freizeitbeschäftigung, sie fördert das Gemeinschaftsgefühl und dient demokratischen Fertigkeiten, da man aufeinander hören und einen gemeinsamen Weg zu musizieren erarbeiten muss. Auch kognitive Fähigkeiten werden gefördert. Leider kommen die künstlerischen Fächer heute oft zu kurz.

Lassen Sie uns nun zu Ihrem Programm „Behind the Lines“, übersetzt „Hinter der Front“, kommen. Was war die Idee dahinter? Was hat Sie an diesem Thema interessiert?

Das Thema Krieg und Frieden hat mich schon in der Jugend interessiert, besonders aber das Unmenschliche, das der „maschinierte“ Krieg zu all dem Leiden noch zusätzlich brachte. Das sehen wir auch bei den aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen, die verstärkt mit Drohnen oder per Knopfdruck geführt werden. Es geht immer auch um das Leiden und Sterben der Soldatinnen und Soldaten. Wir haben nach Texten und auch deren Vertonung gesucht, die das behandeln. Werke, die in unser Konzept passten, haben wir in ganz unterschiedlichen Bereichen gefunden. Typische Soldatenlieder sind dabei, bekanntes und auch unbekanntes. Da wären etwa Folksongs wie „Es geht ein dunkle Wolk herein“ oder auch Franz Schuberts „Kriegers Ahnung“ zu nennen, oder auch Tagebucheinträge. Eric und ich wollten die verschiedenen Farben dieses Themas beleuchten, in all seiner Tragik, aber auch von der Seite der Satire. Fündig wurden wir an ganz unterschiedlichen Orten, neben dem traditionellen Liedgut auch im Varieté oder Kabarett. Wir wollten schon auch das „Satire-Bajonett“ einbeziehen. Allerdings fanden wir durchaus auch Lieder, die nach Romantik klangen, aber eher einem Wegträumen zum Frieden glichen. Eine Verklärung des Krieges war nicht deren Anliegen. In der Tragödie war oft auch das Komische zu entdecken, ebenso aber auch umgekehrt etwas Tragisches in der Komik. Beide Aspekte formen das Bild.

Bei Ihrem Programm geht es vornehmlich um das Lied. Wie sieht es mit der Oper aus? Welche Spur würden Sie bevorzugen?

Das sind zwei ganz unterschiedliche Bereiche, die ich beide liebe. Es kommt auf eine gute Balance zwischen beiden an. Beim Lied ist man ganz auf sich gestellt, ohne Maske und Kostüm, anders als im Opernfach. Die Abwechslung tut gut und macht viel Freude. Wichtig, um in diesem harten Business zu bestehen, ist es immer, bei sich zu bleiben. Das muss man sich auch immer wieder bewusst machen.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihre Konzerte bei der ION.

Information

Die Konzerte im Überblick

Die Große Nürnberger Musiknacht von BR Klassik und Musikfest ION
Maayan Licht (Sopranist), Solomon's Knot (Barockensemble) und Chanticleer (Vokalensemble)
Freitag, 19. Juni 2026, 19 / 20.45 / 22.30 Uhr 
Historischer Rathaussaal / St. Sebald / St. Egidien, Nürnberg


Cameron Carpenter: Bach, Brahms & Franck
Cameron Carpenter (Orgel)
Samstag, 20. Juni 2026, 19 Uhr
St. Sebald, Nürnberg


Chanticleer: Our American Journey
Chanticleer (Männer-Vokalensemble)
Samstag, 20. Juni 2026, 19 Uhr
St. Lorenz, Nürnberg


The King's Singers: Close Harmony
The King's Singers (A-cappella-Ensemble)
Samstag, 20. Juni 2026, 19 Uhr
St. Egidien, Nürnberg


Mitsingkonzert
Händel: Messiah 
Sonntag, 21. Juni 2026, 16 Uhr (13 Uhr Probe)
Gustav-Adolf-Gedächtniskirche, Nürnberg


Cameron Carpenter: Bilder einer Ausstellung und Impro
Cameron Carpenter (Orgel)
Sonntag, 21. Juni 2026, 19 Uhr
St. Sebald, Nürnberg


The King's Singers
The King's Singers (A-cappella-Ensemble)
Sonntag, 21. Juni 2026, 19 Uhr
St. Egidien, Nürnberg


Nürnberger Kinder & Jazz-Band
Friedhilde Trüün (Leitung) – SingBach
Freitag, 26. Juni 2026, 15 Uhr
St. Lorenz, Nürnberg


Tenebrae Choir
Tenebrae Choir und Nigel Short (Leitung)
Freitag, 26. Juni 2026, 20 Uhr
St. Egidien, Nürnberg


Nürnberger Kinder & Jazz-Band
Friedhilde Trüün (Leitung) – SingBach
Samstag, 27. Juni 2026, 11 Uhr
St. Lorenz, Nürnberg


Stegreif Orchester
Stegreif (Improvisations-Orchester) – Free Eroica
Samstag, 27. Juni 2026, 20 Uhr
St. Sebald, Nürnberg


Tenebrae Choir
Tenebrae Choir und Nigel Short (Leitung)
Samstag, 27. Juni 2026, 20 Uhr
St. Lorenz, Nürnberg


Windsbacher Knabenchor & Spark
Sonntag, 28. Juni 2026, 17 Uhr
St. Sebald, Nürnberg


Johanna Soller & capella sollertia
Johanna Soller (Leitung/Orgel) und capella sollertia (Barockensemble)
Sonntag, 28. Juni 2026, 20 Uhr
St. Martha, Nürnberg


David Franke
Orgelkonzert 
Montag, 29. Juni 2026, 12.15 Uhr
Frauenkirche, Nürnberg


Stina Burkard
Orgelkonzert 
Dienstag, 30. Juni 2026, 12.15 Uhr
Frauenkirche, Nürnberg


Anna Prohaska & Eric Schneider
Anna Prohaska (Sopran) und Eric Schneider (Klavier)
Dienstag, 30. Juni 2026, 20 Uhr
Historischer Rathaussaal, Nürnberg


A night for George Harrison
Stefanie Hempel, Inga Rumpf, Gustav Peter Wöhler und Phil Siemers
Dienstag, 30. Juni 2026, 20 Uhr
Kulturkirche Gostenhof, Nürnberg


Adriano Falcioni
Orgelkonzert 
Mittwoch, 1. Juli 2026, 12.15 Uhr
Frauenkirche, Nürnberg


A night for George Harrison
Stefanie Hempel, Inga Rumpf, Gustav Peter Wöhler und Phil Siemers
Mittwoch, 1. Juli 2026, 20 Uhr
Kulturkirche Gostenhof, Nürnberg


Jean-Baptiste Monnot
Orgelkonzert 
Donnerstag, 2. Juli 2026, 12.15 Uhr
Frauenkirche, Nürnberg


Olivier Latry
Orgelkonzert 
Donnerstag, 2. Juli 2026, 20 Uhr
St. Sebald, Nürnberg


A night for George Harrison
Stefanie Hempel, Inga Rumpf, Gustav Peter Wöhler und Phil Siemers
Donnerstag, 2. Juli 2026, 20 Uhr
Kulturkirche Gostenhof, Nürnberg


Mona Hartmann
Orgelkonzert
Freitag, 3. Juli 2026, 12.15 Uhr
Frauenkirche, Nürnberg


Staatsphilharmonie Nürnberg & Universitätschor München
Roland Böer (Leitung), Solisten, Universitätschor München und Staatsphilharmonie Nürnberg
Freitag, 3. Juli 2026, 20 Uhr
St. Sebald, Nürnberg


Rebekka Bakken
Rebekka Bakken (Gesang/Klavier)
Freitag, 3. Juli 2026, 20 Uhr
Kulturkirche Gostenhof, Nürnberg


László Fassang
Orgelkonzert
Samstag, 4. Juli 2026, 12.15 Uhr
Frauenkirche, Nürnberg


Frieder Bernius & Ensembles
Frieder Bernius (Leitung), Kammerchor Stuttgart und Klassische Philharmonie Stuttgart
Samstag, 4. Juli 2026, 19 Uhr
St. Lorenz, Nürnberg


Rebekka Bakken
Rebekka Bakken (Gesang/Klavier)
Samstag, 4. Juli 2026, 20 Uhr
Kulturkirche Gostenhof, Nürnberg


RIAS Kammerchor & Akademie für Alte Musik Berlin
Justin Doyle (Leitung), Solisten, RIAS Kammerchor Berlin und Akademie für Alte Musik Berlin
Sonntag, 5. Juli 2026, 18 Uhr
St. Sebald, Nürnberg


Voces8
Voces8 (Vokalensemble)
Freitag, 4. Dezember 2026, 20 Uhr
Aufseßsaal im GNM, Nürnberg


Voces8
Voces8 (Vokalensemble)
Samstag, 5. Dezember 2026, 15 Uhr
Aufseßsaal im GNM, Nürnberg


London Brass
London Brass (Blechbläserensemble)
Samstag, 5. Dezember 2026, 20 Uhr
Aufseßsaal im GNM, Nürnberg


London Brass
London Brass (Blechbläserensemble)
Sonntag, 6. Dezember 2026, 15 Uhr
Aufseßsaal im GNM, Nürnberg

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