Vorhang auf!

Zwei Frauenschicksale im Opernformat

„Marilyn Forever“ heißt es am Theater Hof bei einem Opern-Doppelabend, der noch weit mehr zu bieten hat

veröffentlicht am 10.06.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Elke Walter

„MARILYN FOREVER/TWICE THROUGH THE HEART“

„MARILYN FOREVER/TWICE THROUGH THE HEART“, Foto © Theater Hof

Zwei Frauenschicksale stehen im Mittelpunkt eines Opern-Doppelabends, der am 13. Juni 2026 unter der Regie von Florian Hackspiel sowie der musikalischen Leitung von Michael Falk und Peter Kattermann am Theater Hof Premiere feiert. Auf dem Programm stehen die Oper „MARILYN FOREVER“ von Gavin Bryars und Marilyn Bowering (Libretto) sowie die Dramatische Szene „TWICE THROUGH THE HEART“ von Mark-Anthony Turnage und Jackie Kay (Libretto). Die Idee zu dieser Doppelung hatte Intendant Lothar Krause.

Marilyn Monroe, um die es in der ersten Oper geht, wäre am 1. Juni 2026 einhundert Jahre alt geworden. Anlass genug, auf das Leben der Künstlerin zu blicken, allerdings nicht durch Außenstehende, sondern durch sie selbst. Das Stück beginnt am Abend vor ihrem Tod in der Nacht vom 4. auf den 5. August 1962. Schauspielerin, Model, Sex-Symbol, im Alter von 36 Jahren an einer Überdosis Beruhigungsmittel verstorben: Bilder, die sich bis heute gehalten haben, ohne auch nur ansatzweise zu zeigen, wer die Frau dahinter wirklich war. Mit Marilyn blickt die Besucherschaft zurück auf deren Leben, auf die Waise Norma Jeane, die junge Schauspielerin, die in einer von Männern dominierten Welt Anerkennung und Geborgenheit zu finden sucht, dabei aber nie wirklich wahrgenommen wurde.

Wie bei der ersten Oper steht auch bei „TWICE THROUGH THE HEART“, die als Kammeroper einen realen Kriminalfall aufgreift, ein Frauenschicksal im Mittelpunkt. Es ist die Geschichte einer Frau, die nach jahrzehntelangen Misshandlungen durch ihren gewalttätigen Ehemann diesen mit zwei Stichen ins Herz aus Notwehr tötet. Beim Prozess bleibt all dies, vielleicht aus Scham, unausgesprochen. Sie wird als Mörderin zum Tod verurteilt. Während der Haft holt sie die Vergangenheit albtraumhaft immer wieder ein, das Schweigen wird zu einer Art innerem Gefängnis.

Eine besondere Rolle kommt in beiden Opern-Psychogrammen der musikalischen Gestaltung zu. Kapellmeister Michael Falk, der die Musikalische Leitung der ersten Oper übernommen hat, denkt dabei an die Minimalmusic eines Philip Glass, an eine große Soundfläche für das, was die Sängerin in der Rolle als Marilyn zu erzählen hat. Eine melodisch durchkomponierte Opernmusik, wie man sie von vielen bekannten Werken kennt, bietet auch das zweite Werk nicht. Musikdirektor Peter Kattermann beschreibt die Komposition hier als Weg, die emotionalen Befindlichkeiten der Protagonistin zu spiegeln und hörbar zu machen.

Weitere Informationen zum Opern-Doppelabend gibt es unter www.theater-hof.de.

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