Werkzeug rasender Eifersucht
Das Staatstheater Meiningen wagt sich im Juni an die Neuinszenierung von Giuseppe Verdis „Otello“
veröffentlicht am 07.06.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Martin Köhl
Eigentlich hatte Giuseppe Verdi Anfang der 1870er Jahre beschlossen, das Komponieren einzustellen. Sein eindrucksvolles „Requiem“ war abgeschlossen und damit sein musikalisches Lebenswerk beendet. Doch als ihm sein Künstlerfreund Arrigo Boito eine Oper nach William Shakespeares „Othello“ vorschlägt, ist er von dem Drama fasziniert und feilt sofort mit ihm an einem Librettotext. Erst viel später schreibt er die Musik. Verdi und Boito haben die Psychologie der Vorlage beibehalten, sich dafür umso mehr auf das intime Wechselspiel der Hauptfiguren konzentriert.
Der Plot sieht mit Otello den schwarzen Gouverneur von Zypern im Mittelpunkt des Geschehens, der dort ein Fremder geblieben ist, obwohl er die angesehene Desdemona geheiratet hat. Argwöhnisch wird er von seinem vermeintlichen Freund Jago betrachtet. Otello reagiert höchst empfindlich, wenn er glaubt, getäuscht zu werden. Vertrauensverlust verunsichert ihn total, ja stürzt ihn sogar ins Chaos. Es genügt, dass Desdemona sich auf Jagos Veranlassung für einen degradierten Hauptmann einsetzt, um die Saat des Zweifels über ihre Treue aufgehen zu lassen. Jago gelingt es so, Otello zum Werkzeug rasender Eifersucht zu machen.
Dieses musiktheatralische Werk des Mittsiebzigers hatte einen „neuen“ Verdi hervorgebracht. Die Nummernfolgen der Gesangsoper sind aufgegeben, alle großen Soloszenen finden sich in den kontinuierlichen musikalischen Fluss eingebettet. Vom gigantischen Sturm des Anfangs bis zum tragischen Ende gibt es kein Nachlassen der inneren Spannung. Damit vollführt er den Übergang von der Gesangsoper zum musikalischen Drama.
In Meiningen befand sich Verdis „Otello“ zuletzt 1967 im Programm. Die Neuinszenierung, die am 12. Juni im Großen Haus Premiere hat, steht unter der musikalischen Leitung von GMD Killian Farrell. Chor und Extrachor werden von Roman David Rothenaicher betreut. Für die Regie, die Bühne und die Kostüme zeichnet Hinrich Horstkotte verantwortlich. Bernhard F. Loges kümmert sich um die Dramaturgie.
Die Hauptrollen sind mit Isaac Lee und Owen Metsileng für den Otello, Emma McNairy für die Desdemona und Shin Taniguchi für den Jago besetzt. Daneben wirken mit: Garrett Evers (Cassio), Tobias Glagau (Rodrigo), Selcuk Hakan Tirasoglu (Lodovico), Mark Hightower (Montano) und Marianne Schechtel/Tamta Tarielashvili (Emilia). Zur Einstimmung auf das Werk und die Meininger Inszenierung wird am Sonntag, 31. Mai, eine Matinee im Foyer des Opernhauses angeboten, zu welcher der Eintritt frei ist.
Mehr Informationen zum Stück gibt es unter www.staatstheater-meiningen.de.