Ausstellungen

Weiblichkeit als permanente Inszenierung

„Clean Girls“ untersucht Körperbilder zwischen Optimierung und Kontrollverlust

veröffentlicht am 05.06.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Cathrin Hoffmann, Where the Hair Stands the Skin Remembers

Cathrin Hoffmann, Where the Hair Stands the Skin Remembers, Foto © Cathrin Hoffmann

Mit „Clean Girls“ bringt der Kunstverein Bamberg zwei künstlerische Positionen zusammen, die sich den widersprüchlichen Bildern zeitgenössischer Weiblichkeit aus unterschiedlichen Perspektiven nähern. Die Ausstellung vereint Arbeiten von Cathrin Hoffmann und Sophia Süßmilch und richtet den Blick auf den weiblichen Körper als Projektionsfläche gesellschaftlicher Erwartungen, digitaler Selbstinszenierung und kultureller Normierung.

Der Titel verweist auf die sogenannte „Clean Girl“-Ästhetik sozialer Medien: makellose Haut, Wellness, Selbstdisziplin und scheinbar mühelose Kontrolle über Körper und Emotionen. Was zunächst wie ein emanzipiertes Lebensmodell erscheint, entpuppt sich zugleich als neue Form gesellschaftlicher Anpassung. Weiblichkeit wird zur kuratierten Oberfläche, der Körper zum permanenten Optimierungsprojekt.

Cathrin Hoffmann untersucht diese Zustände in Malerei, Skulptur und Installation. Ihre deformierten und fragmentierten Figuren wirken wie Avatare einer Gegenwart, in der physische Erfahrung zunehmend von digitalen Bildwelten überlagert wird. Glatte Oberflächen treffen auf expressive Materialität und erzeugen Bilder zwischen Verletzlichkeit und Entfremdung.

Sophia Süßmilch arbeitet dagegen direkter und provokativer. In Fotografie, Performance und Installation nutzt sie den eigenen Körper als Medium feministischer Gegenwehr. Humor, Übertreibung und Groteske richten sich gegen normierte Vorstellungen von Reinheit und Schönheit. Für „Clean Girls“ entwickelt sie installative Wunderkammern zwischen Wellnessstudio, Teenagerzimmer und sakralem Schrein.

Gerade im Zusammenspiel beider Positionen entfaltet die Ausstellung ihre gesellschaftliche Schärfe. „Clean Girls“ zeigt, wie stark Frauenbilder heute zwischen Selbstbestimmung und Kontrolle, Sichtbarkeit und Anpassung oszillieren.

Die Ausstellung ist vom 13. Juni bis 26. Juli 2026 in der Villa Dessauer in Bamberg zu sehen. Weitere Informationen unter www.kunstverein-bamberg.de.

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