Ausstellungen

Neues Licht auf alte Meister

Das Museum im Kulturspeicher in Würzburg erneuert sich

veröffentlicht am 04.06.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Hans Jörg Glattfelder, 9 x 9 Pyramiden 343, 1972, Sammlung Peter C. Ruppert im Museum im Kulturspeicher (MiK) Würzburg

Hans Jörg Glattfelder, 9 x 9 Pyramiden 343, 1972, Sammlung Peter C. Ruppert im Museum im Kulturspeicher (MiK) Würzburg, Foto © Museum im Kulturspeicher (MiK) Würzburg, Foto: Rainer Wengel

Es ist eine seltene Gelegenheit, einem Museum beim Atemholen zuzuschauen. In den vergangenen Monaten hat das Museum im Kulturspeicher Würzburg – kurz MiK – seine gesamte Ausstellungsbeleuchtung auf moderne LED-Technik umgerüstet, und das unter einer besonderen Bedingung: Der Betrieb lief währenddessen uneingeschränkt weiter. Was zunächst wie eine rein technische Maßnahme klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als umfassendes kuratorisches Erneuerungsprojekt, das die Sammlung in einem buchstäblich neuen Licht erscheinen lässt.

Denn Kuratorin Henrike Holsing nutzte den Umbau konsequent, um die Präsentation der Kunst nach 1945 grundlegend neu zu denken. Zentrale Positionen der regionalen Würzburger Kunst – von Wolfgang Lenz, Dieter Stein und Curd Lessig – treten nun in Dialog mit bislang selten gezeigten Plastiken der 1950er- und 1960er-Jahre von Fried Heuler und Fritz Koenig. Im Kontext des Deutschen Katholikentages in Würzburg wird dabei religiös geprägte Skulptur als Ausdruck der Kirchenkunst in der Nachkriegszeit sichtbar gemacht – ergänzt durch spirituell aufgeladene Gegenwartswerke von Helmut Dirnaichner, herman de vries und Helga Franke.

Neben bekannten Arbeiten – darunter die großen Kopfreliefs von Stephan Balkenhol und die „Flowers" von Andy Warhol – sind zahlreiche Werke erstmals zu sehen. Die Würzburger Künstlerin Lilo Emmerling schenkte dem MiK 2025 ein umfangreiches Konvolut, aus dem nun zwei Frühwerke debütieren. Die Fotografiesammlung wurde durch Arbeiten von Christoph Naumann-Zimmer und Johanna Diehl erweitert. Besonders erfreulich: Der Freundeskreis Kulturspeicher Würzburg e.V. ermöglichte mehrere bedeutende Ankäufe, darunter ein Gemälde von Lena Schramm sowie Arbeiten von Monika Huber. Aus Erlösen der Veranstaltung „WEIN+KUNST" konnte zudem ein Gemälde von Gülbin Ünlü erworben werden, die 2027 mit einer Einzelausstellung im MiK zu sehen sein wird. „Mit diesen Erwerbungen wurde insbesondere die Position von Künstlerinnen in der Sammlung deutlich gestärkt", betont Holsing.

Und noch ein Geheimtipp: Der zweite Teil der Neupräsentation der Sammlung „Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945" folgt am 27. Juni 2026. Ein Museumsbesuch, der sich in mehrfacher Hinsicht lohnt.

Weitere Informationen zum Museum im Kulturspeicher gibt es unter www.kulturspeicher.de.

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