Mixtur

Kulturgeschichte eines Stadtteils

Die Aschaffenburger Kulturtage rücken 2026 den Stadtteil Damm in den Mittelpunkt

veröffentlicht am 23.06.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Farolito de papel. Erinnerungen aus Stein, Stoff und Papier

Farolito de papel. Erinnerungen aus Stein, Stoff und Papier, Foto © Björn Friedrich

Manchmal verrät ein Motto mehr als jede Erläuterung. „Schere. Stein. Papier.“ – so lautet das Thema der 27. Aschaffenburger Kulturtage, die vom 2. bis 12. Juli 2026 die gesamte Stadt bespielen. Der Titel klingt nach Kinderspiel, meint aber Industriegeschichte: Er erinnert an die Bekleidungsfabriken, die Steingutbetriebe und die Papiermühlen, die einst das wirtschaftliche Leben des Stadtteils Damm prägten – und die bis heute in Form einer Papierfabrik und großer Industriegebiete sichtbar sind. Denn Damm feiert sein 125-jähriges Jubiläum als eingemeindeter Stadtteil Aschaffenburgs – und die Kulturtage machen dieses Jubiläum zu ihrem inhaltlichen Kern.

Die Geschichte des Stadtteils ist eng mit der Aschaff verknüpft: Über Jahrhunderte trieb das Flüsschen Mühlen an, aus denen in der Industrialisierung Fabrikbetriebe entstanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Bekleidungsindustrie hinzu, meist als Heimarbeit – eine Form von Produktion, die kaum Spuren im Stadtbild hinterlässt, aber tief in den Alltagsbiografien vieler Familien verankert ist. Genau dieses Spannungsverhältnis zwischen sichtbarer und unsichtbarer Geschichte, zwischen Industriedenkmal und gelebtem Quartier, macht den Stadtteil zum reizvollen Sujet für ein Festival, das mehr will als bloße Unterhaltung.

Das Programm nimmt diese Vielschichtigkeit ernst: Jubiläumsfest und Festakt zum Auftakt, eine Mural-Aktion der Kunst- und Kulturinitiative im öffentlichen Raum, eine Wanderausstellung der Geschichtsinitiative Damm sowie Konzerte in der Pauluskirche. Kunst tritt hier nicht neben Geschichte, sondern in Dialog mit ihr.

Doch die Kulturtage beschränken sich nicht auf einen Stadtteil. Über zehn Tage bespielt das Festival die gesamte Stadt: Museen, offene Ateliers, Bühnenformate mit Musik, Theater und Kabarett, dazu Lesungen, Führungen und Workshops. Den Höhepunkt bildet die Museumsnacht am 11. Juli, wenn städtische Museen, das Pompejanum und private Galerien bis 0:30 Uhr öffnen – flankiert von Open-Air-Programmen in der Altstadt und einem Freiluftkino im Park Schöntal.

Einen eigenen Akzent setzt der Gestaltungswettbewerb für das Key Visual, den das Kulturamt bereits zum dritten Mal ausschrieb. 960 Personen stimmten ab; gewonnen hat Akkus Levent vom Hanns Seidel Gymnasium, dessen Entwurf das Motto präzise und mit direktem Bezug zur Industriegeschichte Damms visualisiert. Seine Klasse hatte sich im Kunstunterricht beteiligt – wenn Schülerinnen und Schüler für ein Stadtfest gestalten, hat Kulturvermittlung ihr Ziel längst erreicht.

Weitere Informationen gibt es unter www.aschaffenburg.de.

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