Lese- & Hörstoff

Nils Petter Molvær – „Be quiet“ (Edition Records)

Neun Stücke, acht Städte und eine Topografie der Stille

veröffentlicht am 03.09.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min.

Nils Petter Molvær – „Be quiet“

Nils Petter Molvær – „Be quiet“, Foto © Edition Records

Städte machen Lärm. Nils Petter Molvær hört ihnen beim Schweigen zu. „Be Quiet“ ist kein Reiseführer, sondern ein akustischer Ortswechsel: neun Stücke, acht Städte und der Versuch, jene Zwischenräume freizulegen, in denen Asphalt plötzlich atmet. Dass London gleich doppelt auftaucht – „Finsbury Park und Hackney“ – ist der exemplarische Beweis, dass dieselbe Metropole mehrere Seelen besitzt. Jeder Titel wird von einem Gast begleitet (Marilyn Mazur, Miki Yui, Alva Noto u.a.), doch niemand drängt sich ins Rampenlicht.

Die Begegnungen gleichen flüchtigen Bekanntschaften auf einem nächtlichen Bahnsteig: prägend, ohne sich aufzudrängen. Mal setzt ein elektronischer Impuls feine Konturen, mal öffnet eine Stimme oder ein Instrument den Blick auf einen bislang verborgenen Horizont. Gerade in dieser klugen Zurückhaltung entfalten die Kollaborationen ihre Kraft. Molvær komponiert keine Stadtporträts, sondern Resonanzräume. Trompete, Elektronik und behutsam gesetzte Rhythmen legen sich übereinander wie Nebelschichten, bis die Konturen der Orte ineinander überfließen.

Die Grenzen zwischen Finsbury Park, Hackney und den übrigen Stationen (Bangkok, Amsterdam, Düsseldorf, Copenhagen u.a.) lösen sich auf; übrig bleibt eine Topografie der Stille. „Be Quiet“ ist minimalistisch, ohne asketisch zu wirken, ruhig, ohne je stillzustehen. Dieses Album flüstert nicht gegen den Lärm der Welt an – es entdeckt jene kostbaren Momente, in denen selbst eine Großstadt innehält und für einen Augenblick nur noch Klang ist. Und erste Güteklasse für die meditativen Seiten unserer Gegenwart.

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