Rock im Park elektrisiert die Massen
Ein 2000er-New-Metal-Revial feiert gefühlt ein Jubiläum
veröffentlicht am 10.06.2026 | Lesezeit: ca. 4 Min. | von Andreas Bär
Die letzten Töne von Limp Bizkit waren noch einmal ein Feuerwerk der guten Laune: Fred Durst und seine Kombo erschütterten die Mandora-Stage noch einmal bis ins Mark. 80.000 Menschen – oder die, die noch übrig waren und einen der begehrten Plätze auf der kleineren der beiden großen Stages ergatterten – ließen die 2000er-Jahre noch einmal hochleben.
Man fühlte sich unweigerlich zurückversetzt in die guten, alten Zeiten, als New Metal noch neu war und Grunge und Crossover gerade eben auf der Überholspur hinter sich gelassen wurden. Und das zog sich durch ein fulminantes Rock-im-Park-Wochenende wie ein roter Faden. Auf und um das Zeppelinfeld herum gaben sich die Ikonen der damaligen Zeit die Klinke, respektive das Mikrofon, in die Hand. Hochkaräter reihte sich an Hochkaräter, die Liste der Headliner war so imposant wie fast schon surreal: Iron Maiden an vorderster Front für die (immer noch konzertdurstigen) Altrocker, Volbeat, Papa Roach, The Offspring und Sabaton für die älterwerdende junge Generation. Und natürlich Linkin Park. Für alle. Sie, die vor 12 Jahren letztmals bei RiP auf der Bühne standen, damals noch mit dem viel zu früh aus dem irdischen Leben geschiedenen Frontmann Chester Bennington am Mikrofon, überstrahlten alles andere noch einmal.
Frontfrau Emilie Armstrong ist zweifelsohne eine Rampensau – nicht wenige aber zeigten sich vom Gesamtbild der Kultband nur bedingt restlos begeistert. Das einte im übrigen Linkin Park mit Volbeat und auch mit Iron Maiden. Irgendwie wirkten die größten der Großen etwas saft- und kraftlos. Lag es an der teilweise auf der Utopia-Stage zumindest diskutablen Beschallung, der der ganz große Druck abging? Oder wie im Fall von Volbeat vielleicht daran, dass Frontmann Michael Poulsen dem Publikum seine Meinung über das seinem Dafürhalten nach zu zögerliche Mitsingen schon nach einem Song sehr deutlich geigt und den Funken aber auch nie so ganz überspringen lässt? Sei es drum: Bei aller Kritik muss man deutlich festhalten, dass Rock im Park 2026 eines der vielleicht am besten aufgestellten Festivals des neuen Jahrtausends war. Leerlauf? Fehlanzeige! Es ging knüppelhart von Gig zu Gig auf hohem Niveau hin und her, auch wenn manch einer nicht vollends überzeugte oder – wie im Fall von Babymetal – schlichtweg das Problem hatte, parallel zu Linkin Park auf der Bühne zu stehen. Eigentlich sollten sie vor Limp Bizkit ein echter Anheizer werden, doch fehlten die Enthusiasten, die sich gegen den Big Player und für die großartigen Entertainerinnen entschieden.
Und was war sonst so los in Nürnberg? Das Festival verlief äußerst friedlich, ohne größere medizinische Zwischenfälle und vor allem nahezu großartig organisiert, was Wegeführung und vor allem Menschenführung anging: Nur selten staute es sich auf den Wegen zwischen den beiden Hauptbühnen, da die (zahlenmäßig sehr stark vertretene) Security einen überragenden Job ablieferte und die Menge mittels Absperrungen UND Megaphon-Durchsagen in geregelten Bahnen führte. Ganz großer Sport! Was die Verpflegung betrifft, lieferte Rock im Park 2026 einmal mehr ein Paradebeispiel, wie es funktionieren kann. In die Karten spielte dem Cateringteam dabei natürlich auch das Wetter: Da die ganz große Hitze ausblieb, bekam jeder, den der Durst plagte, seine Getränke ziemlich zügig.
Und was haben die meisten verpasst? Genau. Ordentliche Breitseiten in der Arena. Auf der Orbit-Stage tummelten sich ebenfalls zahlreiche brachial aufspielende Bands. Die Krönung dort war freilich das Ende: Vor den Butcher Sisters als finalem Gig gaben sich Danko Jones die Ehre. Und der gleichnamige Sänger und seine Mitstreiter bewiesen einmal mehr, weshalb sie seit mehr als 25 Jahren die Bühnen weltweit rocken. Die Kanadier, die sich dem New-Metal-Trend schon damals entzogen und sich bis heute weiterhin als eine der echten Rock'n'Roll-Bands präsentieren, waren ein großartiger Konterpart zu den anderen großen Bands. Die nächste davon wartet 2027 auf seine Fans: Mit blink182 wurde der erste Headliner des kommenden Jahres, wenn von 4. bis 7. Juni gefeiert wird, vielumjubelt schon am ersten Tag bekannt gegeben: Die Band stand noch nie beim Zwillingsfestival auf der Bühne. Der am 9. Juni gestartete Vorverkauf entwickelte sich schon in den ersten Minuten zum erfolgreichsten aller Zeiten. Man darf gespannt sein, welche Acts noch folgen werden. Die Messlatte aus 2026 jedenfalls hängt hoch. Extrem hoch.