Wagner weiterdenken
Steingraeber & Söhne verbindet im Jubiläumsjahr musikalische Tradition mit kritischer Auseinandersetzung
veröffentlicht am 17.06.2026 | Lesezeit: ca. 6 Min. | von Nele Wicher
Das Gebäude der Klaviermanufaktur Steingraeber & Söhne in der Außenansicht, Foto © Steingraeber & Söhne
Im Juli und August blickt die Musikwelt nach Bayreuth. Hier, wo Richard Wagner 1876 seine Festspielidee verwirklichte, wird in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum gefeiert: Die Bayreuther Festspiele begehen ihr 150-jähriges Bestehen unter dem Motto „Meisterwerke. Leidenschaft. Bayreuth“. Die gesamte Stadt steht in den Sommermonaten ganz im Zeichen des Komponisten.
Begleitend zu den Jubiläums-Festspielen auf dem Grünen Hügel werden rund 150 Bühnen im gesamten Stadtgebiet und Landkreis bespielt. Noch bis Dezember präsentiert die Region ihre kulturelle Vielfalt – mit Musik, Theater und Kunst, die den Bogen von Wagners Werk bis in die Gegenwart spannt. Auch die Klaviermanufaktur Steingraeber & Söhne, nur 40 Meter von Richard Wagners erster Wohnung entfernt, hat rund um die Festlichkeiten ein abwechslungsreiches und hochkarätiges Programm für Musikliebhaber und Neugierige zusammengestellt.
Klangvolle Höhepunkte
Am 2. Juli wird zur „Feuerprobe“ ins Friedrichsforum Bayreuth geladen. Das Klavierduo Martin Stadtfeld und Lilian Akopova präsentiert beliebte Klavierwerke aus drei Jahrhunderten. Das dramaturgische Fundament des Abends bilden Mozarts Sonate D-Dur KV 448, Schuberts Fantasie f-Moll für Klavier zu vier Händen sowie Rachmaninows große Suite Nr. 2. Konzertbeginn ist um 19.30 Uhr.
Weiter geht es am 10. Juli um 19.30 Uhr mit drei Musikern, die die Leidenschaft für radikale Spontaneität verbindet: Das Pablo Held Trio ist gemeinsam mit der britischen Trompeterin Alexandra Ridout und der polnischen Saxofonistin Marta Wajdzik im Steingraeber Kammermusiksaal zu Gast.
Ein weiterer Höhepunkt folgt am 23. Juli um 19.30 Uhr im Markgräflichen Opernhaus. Unter dem Titel „… von Takt zu That – Bayreuth 1876“ gestalten Kit Armstrong und Katharina Thalbach einen Klavierabend mit Texten von Grieg, Saint-Saëns und Tschaikowski. Die große Schauspielerin verbindet ihre Lesekunst mit der Virtuosität eines der herausragenden Pianisten unserer Zeit und blickt gemeinsam mit dem Publikum auf die Entstehung eines der spektakulärsten Opernprojekte der Musikgeschichte zurück.
Wagner auf der Theaterbühne
Auch Theaterbegeisterte kommen auf ihre Kosten: Ab dem 18. Juli (Premiere um 20 Uhr) und an neun weiteren Abenden bis zum 22. August wird im Steingraeber-Hoftheater die jüngste Wagner-Adaption von Uwe Hoppe aufgeführt. „DER RING Rebootet – Wagners Ring komplett durch“ erzählt den berühmten Opernzyklus neu und lädt dazu ein, den „Ring“ aus ungewohnter Perspektive zu erleben.
Ein Geheimtipp am Rande: Am Tag der Premiere finden im Steingraeber Haus die Oberfränkischen Nachwuchskonzerte unter der Leitung von Lisa Wellisch statt. Die Konzerte beginnen um 11 Uhr, der Eintritt ist frei.
Zwischen Erinnerung und Aufarbeitung
Wer sich mit Richard Wagner beschäftigt, kommt auch an der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus nicht vorbei. Eine Aufarbeitung, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Am 24. Juli um 11 Uhr stellt Prof. Dr. Anno Mungen sein Buch „Von Bayreuth nach Auschwitz“ im Steingraeber Rokokosaal vor. In sieben Kapiteln untersucht er die Verflechtungen von Oper, Krieg und Massenmord im Wagnerkult der NS-Zeit. Eine wichtige und notwendige Auseinandersetzung.
Um „Revolution und Kunst“ geht es am 26. Juli bei einer Liedmatinée für Wilhelmine Schröder-Devrient im Steingraeber Kammermusiksaal. In Liedern und Lesungen wird die von ihren Zeitgenossen bewunderte Sängerin und Schauspielerin wieder lebendig. Beginn ist um 11 Uhr.
Ende Juli stehen zwei weitere Buchvorstellungen auf dem Programm. Am 27. Juli laden Prof. Dr. Stephan Mösch und Florian Zinnecker („Die Zeit“) zur Podiumsdiskussion und Präsentation von „Bayreuth als Theater“ ein. Am 29. Juli folgt die Vorstellung von „Es klang so alt und war doch so neu. Aspekte der musikalischen Wagner-Interpretationen 1976 bis 2026“. Beide Veranstaltungen beginnen um 12 Uhr im Steingraeber Haus Kammermusiksaal, der Eintritt ist frei.
Am 4. August um 11 Uhr widmet sich eine Klaviermatinée mit Gesprächskonzert dem Thema „Wagner, Kaiser Dom Pedro II. und Liszt“. Der Komponist Cristiano Melli und der Pianist Ivan Pavlov beleuchten die historische Beziehung zwischen Richard Wagner und dem brasilianischen Kaiser Dom Pedro II., der 1876 die Eröffnung der Bayreuther Festspiele besuchte. Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.
Wagner in zwei Ausstellungen neu gedacht
Neben Konzerten, Lesungen und Diskussionsrunden werden im Steingraeber Haus zwei Ausstellungen gezeigt.
Der multidisziplinäre Künstler Antoine Wagner gestaltet für Steingraeber eine außergewöhnliche Reihe von Klavieren. Die Zusammenarbeit umfasst einen handbemalten Flügel sowie drei weitere Instrumente, die mit Hölzern aus aller Welt und Erde gestaltet wurden – eine Fortführung seines Projekts „Impossible Forest“. Gemeinsam bilden sie ein vielschichtiges Werkensemble, das das Klavier nicht nur als Klangkörper, sondern auch als Ort ökologischer Reflexion und poetischer Rekonstruktion begreift. Die Enthüllung der vier Klaviere findet am 22. Juli um 11 Uhr in der Manufaktur von Steingraeber & Söhne statt. Die Ausstellung ist anschließend bis zum 12. September zu sehen. Zur Vernissage wird der Künstler persönlich anwesend sein.
Die Ausstellung „KriegsFestSpiele – Im Spiegel der Bayreuther Presse“ ist vom 25. Juli bis 4. Oktober zu sehen. Sie beleuchtet die enge Verflechtung der Bayreuther Festspiele mit der nationalsozialistischen Propaganda während des Zweiten Weltkriegs. Im Mittelpunkt steht die Rolle der lokalen Presse, die die sogenannten Kriegsfestspiele nicht nur dokumentierte, sondern aktiv zur ideologischen Inszenierung von Krieg und vermeintlicher Normalität beitrug.
Anhand historischer Zeitungsausschnitte zeigt die Ausstellung, wie Sprache, Bilder, Layout und Berichterstattung genutzt wurden, um die Festspiele als Bühne politischer Botschaften zu formen und ihr Profil im Verlauf des Krieges zu verändern. So wird sichtbar, wie eng ästhetische Entscheidungen und mediale Strategien mit politischen Zielsetzungen verbunden waren. Die Vernissage findet am 25. Juli um 11 Uhr statt.
Weitere Informationen rund um das Steingraeber-Programm findet man unter www.steingraeber.de.
Feuerprobe im Friedrichsforum – Klavierduo Martin Stadtfeld & Lilian Akopova
Konzert
Donnerstag, 2. Juli 2026, 19.30 Uhr
Friedrichsforum Bayreuth
Pablo Held Trio | feat. Alexandra Ridout & Marta Wajdzik
Konzert
Freitag, 10. Juli 2026, 19.30 Uhr
Kammermusiksaal Steingraeber & Söhne
„DER RING Rebootet – Wagners Ring komplett durch“
Theater
18. Juli (Premiere) bis 22. August 2026
Steingraeber-Hoftheater
Oberfränkische Nachwuchskonzerte
Konzert
Samstag, 18. Juli 2026, 11 Uhr
Steingraeber Haus
„Antoine Wagner: RESONANZ“
Ausstellung
22. Juli bis 12. September 2026 (Vernissage: 22. Juli, 11 Uhr)
Galerie Steingraeber Haus
„… von Takt zu That …“ – Bayreuth 1876 mit Kit Armstrong und Katharina Thalbach
Konzert
Donnerstag, 23. Juli 2026, 19.30 Uhr
Markgräfliches Opernhaus
„Von Bayreuth nach Auschwitz. Oper – Politik – Gewalt“
Buchvorstellung
Freitag, 24. Juli 2026, 11 Uhr
Rokokosaal Steingraeber & Söhne
„KriegsFestSpiele – Im Spiegel der Bayreuther Presse“
Ausstellung
25. Juli bis 4. Oktober 2026 (Vernissage: 25. Juli 2026)
Flügelhaus Steingraeber & Söhne
„Revolution und Kunst“
Liedermatinée für Wilhelmine Schröder-Devrient
Sonntag, 26. Juli 2026, 11 Uhr
Kammermusiksaal Steingraeber & Söhne
„Bayreuth als Theater. Auf dem Weg zu einer Festspielgeschichte“
Podiumsdiskussion und Buchvorstellung
Montag, 27. Juli 2026, 12 Uhr
Kammermusiksaal Steingraeber & Söhne
„Es klang so alt und war doch so neu. Aspekte der musikalischen Wagner-Interpretation 1976 bis 2026“
Podiumsdiskussion und Buchvorstellung
Mittwoch, 29. Juli 2026, 12 Uhr
Kammermusiksaal Steingraeber & Söhne
„Revolution und Kunst“
Liedermatinée für Wilhelmine Schröder-Devrient
Sonntag, 26. Juli 2026, 11 Uhr
Kammermusiksaal Steingraeber & Söhne
„Wagner, Kaiser Dom Pedro II. und Liszt“
Klaviermatinée und Gesprächskonzert
Dienstag, 4. August 2026, 11 Uhr
Kammermusiksaal Steingraeber & Söhne