Klassiker

Sommermärchen an der Würzburger Residenz

Bei der „Nachtmusik“ des Mozartfests Würzburg traf barocke Pracht auf musikalische Präzision

veröffentlicht am 20.06.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Nele Wicher

Mozartfest Würzburg: „Nachtmusik“ im Hofgarten der Residenz

Mozartfest Würzburg: „Nachtmusik“ im Hofgarten der Residenz, Foto © Kathrin Belke

Es gibt Konzertabende, die beginnen mit dem ersten Ton. Und es gibt solche, die längst vorher da sind: in der Luft, im Licht, in der Art, wie Menschen zusammenkommen und sich für ein paar Stunden in einen Ausnahmezustand begeben. Die „Nachtmusik“ im Rahmen des Mozartfests Würzburg war so ein Abend. Rund 4.500 Besucherinnen und Besucher kamen in den Hofgarten der Residenz und ließen sich auf einen Konzertabend ein, der mit seiner festlichen Präzision und unschlagbaren Unaufgeregtheit fast ganz beiläufig etwas von einem Sommermärchen bekam.

Schon die Begrüßung setzte den Ton: herzlich, charmant, nahbar und mit einer kleinen Anekdote versehen. Überhaupt war dieser Abend einer, der bei aller Größe nie distanziert wirkte. Die Kulisse der Residenz tat ihr Übriges: barocke Pracht, sommerliche Luft, später Fackeln, die den Hofgarten in ein warmes, beinahe magisches Licht tauchten. Spätestens da war klar, dass diese Nachtmusik nicht allein vom Hören lebte, sondern auch von dem, was sie an Bildern erzeugte.

Das Programm selbst spannte einen weiten Bogen durch drei sehr unterschiedliche musikalische Welten. Zum Auftakt erklang Mozarts Serenade Nr. 13 G-Dur KV 525, besser bekannt als „Eine kleine Nachtmusik“. Nicht als Pflichtstück des Namenspatrons, sondern als elegante Setzung: Bekannt genug, um sofort Vertrautheit zu schaffen, und in ihrer hellen Beweglichkeit wie gemacht für einen Sommerabend unter freiem Himmel. Das merkte man auch an der Reaktion des Publikums: Als die Musik einsetzte, wurde es erstaunlich still. Nicht jene pflichtschuldige Stille, die sich in Konzertsälen manchmal wie ein Ritual vollzieht, sondern eine aufmerksame, fast neugierige Ruhe.

Von dort aus rückte mit Tschaikowskis Violinkonzert D-Dur op. 35 das Virtuose ins Zentrum – und damit auch Tianwa Yang, die dem Abend ihren Stempel aufdrückte. Mit erstklassiger Technik, großer Präzision und einer bemerkenswerten Souveränität gestaltete sie den Solopart nicht als bloße Bravournummer, sondern mit hörbarer Musikalität und innerer Spannung.

Dann führte der Abend weiter zu Dvořáks Sinfonie Nr. 5 F-Dur op. 76 – ein Werk, das mit seiner melodischen Wärme einen wunderbar runden Schlusspunkt setzte. Unter der Leitung von Mark Rohde bewies das Philharmonische Orchester Würzburg dabei Gespür für Kontraste, Klangfarben und den langen Atem des Programms. Dass die Akustik im offenen Raum an manchen Stellen etwas zurückhaltender wirkte, tat der Wirkung keinen Abbruch – im Gegenteil: Es verlieh dem Abend eine gewisse Nahbarkeit, etwas Unaufgeregtes und Menschliches.

Und vielleicht war genau das das Schönste an dieser Nachtmusik: dass sie nicht auf den großen Effekt angewiesen war. Denn am Ende blieb nicht nur der Eindruck eines hochklassigen Programms mit einer herausragenden Solistin, sondern das Gefühl, einen Abend erlebt zu haben, an dem vieles ineinandergriff: die Würzburger Residenz im Abendlicht, das Flackern der Fackeln, die konzentrierte Gelassenheit des Publikums, Mozart, Tschaikowski, Dvořák – und dazwischen ein Sommerabend, der zeigte, wie gut Musik und Ort einander tragen können.

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