„Meine Malerei formt sich am Nerv der Zeit“
Ursula Jüngsts Malerei im Dialog mit den Museen in Miltenberg
veröffentlicht am 15.07.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min.
Anlässlich ihres vierzigjährigen Schaffensjubiläums widmen die Museen Stadt und Burg Miltenberg der 1965 in Miltenberg geborenen und heute in Barcelona und Nürnberg wirkenden Künstlerin Ursula Jüngst eine Sonderausstellung unter dem Titel „Auf der Suche nach dem Horizont“. Nach ihrem Studium als Meisterschülerin von Hans Peter Reuter an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg etablierte Jüngst den markanten, mehrfarbigen Pinselstrich als ihre persönliche „Weltformel“, die von einer immanenten Ordnung kündet.
Doch die Erschütterungen der jüngeren Zeitgeschichte haben diese Ordnung aufgebrochen. Die Malerei reagiert, indem sie die ehemals ordnenden Strukturen auflöst und neue, dynamische Elemente zulässt. So gewinnt die ehemals nebensächliche Fließspur im Werk von Ursula Jüngst zunehmend an Autonomie. Jüngst steuert vermeintlichen Zufall, indem sie die Leinwand bewegt, das Fließen stoppt oder ihm neue Richtungsimpulse entgegensetzt. Im Jahr 2024 begann sie, ihre Leinwände während des Arbeitsprozesses auf den Kopf zu stellen. Oben und unten, links und rechts verlieren dadurch ihre feste Verortung, während Fließspuren plötzlich gegen die Schwerkraft nach oben wachsen oder sich kreuzen. Es gelingt ihr, Gefühle expressiv-lyrisch darzustellen und gleichzeitig allgemeingültig bildnerisch zu fassen. Dabei entstehen empfindungsstarke Gemälde, in denen sie es vermag, den Schrecken des Weltgeschehens Hoffnung und Zuversicht entgegenzusetzen.
2026 kann Ursula Jüngst, die bereits mehrfach für ihr Werk ausgezeichnet wurde, auf vierzig Jahre intensives Ringen um den malerischen Ausdruck zurückblicken. Die Museen Miltenberg zeigen nicht nur bislang unbekannte Werke aus ihrer aktuellen Schaffensphase, sondern dokumentieren auch ihren künstlerischen Weg, indem sie neuere Werke mit frühen Gemälden in einen Dialog treten lassen. Im verwinkelten historischen Amtsgebäude am Schnatterloch stoßen die großformatigen Arbeiten an die Grenzen des Raumes und entwickeln eine fast physische, dichte Intensität. Hier ist die neueste Schaffensphase, darunter das Plakatmotiv Golem, im direkten Dialog mit ausgewählten frühen Werken zu sehen. Auf der Mildenburg hingegen erhalten die ab 2023 entstandenen Arbeiten den nötigen Raum, um die Entfaltung ihrer farblichen Dynamik zu demonstrieren.
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation. Mehr dazu in Kürze. Weitere Informationen finden Sie unter museum-miltenberg.de.