Von Beethovens letzten Worten
Das Klassikprogramm der Region präsentiert große Namen, seltene Werke und einen Konzertherbst voller Entdeckungen
veröffentlicht am 01.10.2026 | Lesezeit: ca. 19 Min.
Der Oktober und der November machen es Klassikfreunden nicht gerade leicht, zu Hause zu bleiben. Die Orchester und Konzertveranstalter der Region starten mit großen Namen, selten gespielten Werken und einigen ziemlich ungewöhnlichen Programmen in den Herbst. Beethoven liefert dabei letzte Worte, in Nürnberg wird Altmetall zum Instrument, über Hof ziehen musikalische Nordlichter und andernorts wird schon einmal für Haydns 300. Geburtstag im Jahr 2032 geprobt. Auf geht’s also in einen Konzertreigen, der neben viel Bekanntem erfreulich oft auch Neuland verspricht.
Die Bamberger Symphoniker beginnen den Oktober gleich mit einem Programm, bei dem man genauer hinschauen sollte. Am 10. und 11. Oktober dirigiert Ehrendirigent Manfred Honeck neben Mendelssohns Violinkonzert mit Midori und Bruckners Neunter die Uraufführung von Jüri Reinveres „Schade! – Schade! – zu spät!!“. Der musikalische Prolog zu einem Ende entstand als Auftragswerk zum 200. Todesjahr Beethovens. Ein Titel wie ein Stoßseufzer – und womöglich eine ziemlich passende Überschrift über Beethovens berühmtes Ringen mit dem Schicksal. Für den 18. Oktober ist ein Orgelkonzert mit Gunnar Idenstam angekündigt, der selten gehörte Soundtracks aus Film und Spiel zum Besten gibt. Am 24. Oktober folgt unter Jakub Hrůša Janáčeks „Jenůfa“ konzertant, ehe Mirga Gražinytė-Tyla am 29. Oktober mit Onutė Gražinytė die Klavierkonzerte von Robert und Clara Schumann mit Musik von Raminta Šerkšnytė und Čiurlionis verbindet – deutsche Romantik trifft auf Litauen, eine Entdeckung! Auch der November hat einiges zu bieten: Am 11. des Monats laden vier Hornist:innen zum Kammerkonzert „Hörner“. Am 14. und 15. dirigiert Nikolaj Szeps-Znaider Berio, Schumann und Tschaikowski mit Cellist Pablo Ferrández, am 27. folgt Krzysztof Urbański mit Geigerin Karen Gomyo und Werken von Penderecki, Glasunow und Brahms. An Auswahl mangelt es in Bamberg also wahrlich nicht. Beschlossen wird der Monat mit einem Streichquartett-Kammerkonzert.
Der Musikverein Bamberg hält im Herbst kammermusikalisch dagegen. Am 15. Oktober kommt das Amelio Trio in den Joseph-Keilberth-Saal. Johanna Schubert, Merle Geißler und Philipp Kirchner musizieren seit 2012 zusammen und gewannen 2023 den zweiten Preis beim ARD-Musikwettbewerb; 2026/27 sind sie ECHO Rising Stars. In Bamberg spannen sie mit Haydn, Beethoven, Turina und Brahms einen weiten Bogen. Am 20. November folgt die 24-jährige Liya Wang, die 2025 beim ARD-Musikwettbewerb Haupt- und Publikumspreis gewann. Bach, Mozart, Liszt/Schubert, Brahms und Beethovens op. 110 stehen auf dem Programm. Zwei junge Formationen beziehungsweise Künstlerinnen also, bei denen das Wort „Nachwuchs“ fast schon ein wenig untertreibt.
Bei den Kulturfreunden Bayreuth kommen am 16. Oktober die Stuttgarter Philharmoniker unter Timur Zangiev ins Friedrichsforum: Eldar Saparayev spielt Saint-Saëns’ erstes Cellokonzert, dazu gibt es Mozart und Strawinskys „Le Sacre du printemps“. Eine Woche später sitzt Rafał Blechacz allein am Klavier und spielt Beethoven, Bach und – natürlich – Chopin. Am 30. Oktober gastieren die Bamberger Symphoniker mit Mirga Gražinytė-Tyla, ehe das Niels Gade Quartet am 20. November von Puccini über Boulez und Sinopoli bis zu einer Uraufführung von Arash Safaian und Verdi führt. Vier Streicher müssen eben keineswegs zwangsläufig bei Haydn beginnen und bei Brahms enden.
Das Friedrichsforum Bayreuth tritt nach seiner Wiedereröffnung 2026 nicht nur als neue Heimat der Kulturfreunde in Erscheinung, sondern setzt auch eigene musikalische Akzente. Am 11. Oktober heißt es zunächst „La Diva“: Sopranistin Olga Busuioc trifft unter der musikalischen Leitung von Marcus Bosch auf die Cappella Aquileia – ein Abend, der sich ganz der großen Oper verschreibt. Am 31. Oktober werden dann die Dimensionen noch einmal größer: Der RBS Europa Choir und die Vogtland Philharmonie bringen Brahms’ „Ein deutsches Requiem“ in den Großen Saal. Einen Tag später folgt mit Evgeni Koroliov und Bachs Goldberg-Variationen das denkbar größte Kontrastprogramm: nach Chor und Orchester ein Mann, ein Flügel und Bach. Mehr braucht es manchmal tatsächlich nicht.
Das Landestheater Coburg lässt sein Philharmonisches Orchester mit den Sinfoniekonzerten erst im Dezember antreten. Ganz still bleibt es im Oktober und November dennoch nicht: Am 21. und 22. November steht Kammermusik auf dem Programm, und auch ein Mitmachkonzert überbrückt die Wartezeit.
Auch der Verein e.V. Coburg hat im Oktober etwas zu bieten: Am 19. Oktober kommt das Trio Orelon nach Coburg. Judith Stapf, Arnau Rovira i Bascompte und Marco Sanna gewannen beim ARD-Musikwettbewerb nicht nur den ersten Preis, sondern auch den Publikumspreis. Auf dem Programm stehen Lili Boulanger, Gabriel Fauré und Anton Arenskys selten zu hörendes Klaviertrio d-Moll. Gerade Arensky ist wieder einer jener Komponisten, bei denen man sich fragt, warum sie eigentlich so selten auf den Konzertzetteln stehen. Eine Entdeckung!
Im Stadttheater Fürth gastieren am 30. Oktober die Münchner Symphoniker. Jacques Forestier übernimmt den Solopart in Mendelssohns Violinkonzert; dazu gibt es Schubert und Schumanns „Ouvertüre, Scherzo und Finale“. Am 3. November feiert das Cuarteto Casals seinen 30. Geburtstag unter anderem mit Haydn und Schostakowitsch, und am 21. November bringt das Württembergische Kammerorchester Heilbronn mit Dirigentin Anna Skryleva und dem jungen Pianisten Justus Eichhorn Beethovens viertes Klavierkonzert, Haydns „Feuersinfonie“, Weinberg und ein Werk Skrylevas nach Fürth. Das ist für drei Wochen eine bemerkenswerte Spannweite.
Der gVe Erlangen eröffnet seinen Herbst am 4. Oktober mit den Bamberger Symphonikern unter Alan Gilbert. Inon Barnatan spielt Mozarts Klavierkonzert C-Dur KV 503, danach folgt Schostakowitschs Zehnte. Mozart und Schostakowitsch, höfische Helligkeit und ein Werk aus dem Schatten des Stalinismus, das dürfte einen langen Nachhall geben. Mit „Klingt gut #3 – Nacht“ verlässt der gVe im Oktober zudem die klassische Konzertdramaturgie. Am 19. November schließlich kommt das Royal Scottish National Orchestra unter Thomas Søndergård. Anna Vinnitskaya übernimmt Tschaikowskys erstes Klavierkonzert, außerdem stehen Dorothy Howells „Lamia“ und Edward Elgars erste Sinfonie auf dem Programm. Gerade Howell dürfte für manchen im Saal noch ein Fragezeichen sein. Umso besser.
Die Hofer Symphoniker haben zwei Programme gefunden, deren Überschriften allein schon neugierig machen. „Schlagzeugfeuer“ heißt es am 16. Oktober: Strawinsky und Rachmaninow treffen auf Avner Dorman – das Schlagwerk darf also ausnahmsweise einmal mehr tun als hinten im Orchester auf seinen Einsatz zu warten. Am 13. November folgt „Polarlicht“. Hermann Bäumer dirigiert Musik von Rued Langgaard, Carl Nielsen und Jean Sibelius, Annelien Van Wauwe spielt Nielsens Klarinettenkonzert. Langgaard sollte man mit einem Ausrufezeichen versehen: Bei der Uraufführung seines „Polarstjernen“ 1949 soll der eigenwillige Däne im Gras gelegen haben, mit Blumen und großem Hut. Ob das beim Hören hilft, sei dahingestellt. Neugierig macht es allemal. Am 26. November gastieren die Hofer Symphoniker im Rosenthal-Theater Selb.
Das ensemble KONTRASTE bleibt seinem Namen treu. Besonders der 28. November verdient Beachtung: „Into the Fire“ verbindet Richard Strauss’ Streichsextett aus „Capriccio“ und die Septettfassung seiner „Metamorphosen“ mit Jake Heggies Zyklus „Camille Claudel: Into the Fire“ für Mezzosopran und Streichquartett. Die französische Bildhauerin Claudel, Schwester des Dichters Paul Claudel und lange im Schatten Rodins betrachtet, wird damit zur musikalischen Hauptfigur. Ein Programm, das nicht bloß Werke nebeneinanderstellt, sondern eine Geschichte erzählt.
Bei den Nürnberger Symphonikern ist Auswahl Pflicht, denn das Angebot im Oktober und November ist üppig. Am 25. Oktober heißt es „Lindberg total!“ – und tatsächlich übernimmt Christian Lindberg gleich mehrere Rollen, vor allem die des Posaunisten und Dirigenten. Noch ungewöhnlicher wird es am 7. November bei „Rachmaninow extrem“. Vor dessen zweiter Sinfonie erklingen Airat Ischmuratows „The Myth of Falcon“ und Enjott Schneiders Schlagzeugkonzert „Machine Worlds“, in dem Stefan Blum unter anderem Schrottmetall zum Klingen bringt. Wer immer schon wissen wollte, ob Altmetall eine Konzertkarriere machen kann: Hier wäre Gelegenheit zur Prüfung. Daneben stehen im Herbst unter anderem Barry Douglas, Bruch, John Rutter sowie Strauss und Brahms auf dem Spielplan – genug Stoff also, um die Meistersingerhalle häufiger aufzusuchen.
Das Staatstheater Nürnberg beziehungsweise seine Staatsphilharmonie startet am 23. Oktober mit einer ungewöhnlichen Konstellation aus Hans Rott, Edward Elgar und Richard Wagner in die Philharmonischen Konzerte. Schon Rott ist ein guter Grund, hinzugehen: Der Bruckner-Schüler und Mahler-Freund starb mit nur 25 Jahren, seine Musik blieb lange nahezu verschwunden. Im November zeigt das Staatstheater dann, dass Orchesterprogramme auch jenseits des großen Philharmonischen Konzerts funktionieren. Beim Kinderkonzert „Barock, lautgemalt“ am 15. November geht es unter anderem mit Vivaldi, Gluck und Wilhelmine von Bayreuth auf die Suche nach klingenden Bildern – samt Rameaus gackerndem Huhn und Purcells frierendem Sänger. Barockmusik als akustischer Zoo? Warum eigentlich nicht, wenn dabei die Ohren aufgehen? Am 20. November folgt unter Kristiina Poska ein Programm, das den Begriff „Schicksalsmusik“ gleich mehrfach verträgt. Jüri Reinveres „Schoß des ungeheuren Lichts“ steht neben Schostakowitschs erstem Violinkonzert und Beethovens Fünfter. Schostakowitsch hielt sein Konzert nach den kulturpolitischen Angriffen der Stalinzeit jahrelang zurück; Beethoven lässt bekanntlich das Schicksal anklopfen. Und Reinvere begegnet uns damit nach Bamberg innerhalb weniger Wochen ein zweites Mal. So entstehen manchmal ganz ohne Festivalmotto kleine thematische Linien durch eine Region. Am 22. November öffnet schließlich das zweite Kammerkonzert unter dem Titel „Meine Musik – das Kaleidoskop des Dr. JK“ noch eine weitere Tür. Nürnberg fährt im November also keineswegs auf Sparflamme.
Bei den Hörtnagel Meisterkonzerten Nürnberg dürfte am 3. Oktober allein der Name Krystian Zimerman reichen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen; sein Programm war bei Redaktionsschluss noch nicht angekündigt. Am 18. November wird es dann orchestral: Lukas Sternath spielt mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra unter Kazuki Yamada Brahms’ zweites Klavierkonzert, anschließend folgt Bartóks Konzert für Orchester. Zwei Werke, die ihren Namen nicht deshalb tragen, weil sich die Komponisten kurzfassen wollten.
Bei den Schüttbau Meisterkonzerten in Rügheim wird es am 24. Oktober mit dem Duo StringBreeze ungewöhnlich. „Tanz durch die Epochen“ heißt das Programm des Duos, das schon durch seine Besetzung neugierig macht. Solche Formate passen zum Schüttbau, wo die räumliche Nähe zwischen Musikschaffenden und Publikum ohnehin einen anderen Konzertabend entstehen lässt als im großen Saal. Am 29. November geht es dann unter dem Titel „Bairische Madrigale“ auf eine Reise „zwischen Barock und Dada“ – Kantaten, Dreigesang und Mundart inklusive. Wer bei „Madrigal“ automatisch Italien, Renaissance und gepflegte Mehrstimmigkeit erwartet, dürfte hier also ein wenig umdenken müssen. Eine Entdeckung am Rand der klassischen Konzertpfade – und gerade deshalb gehört sie hierher.
Die Neumarkter Konzertfreunde machen es uns schwerer, uns kurz zu fassen. Am 12. Oktober kommt Giovanni Antonini mit Il Giardino Armonico und seinem Langzeitprojekt „Haydn2032“. Bis zu Haydns 300. Geburtstag sollen sämtliche 107 Sinfonien aufgeführt und eingespielt sein. In Neumarkt stehen die Sinfonien Nr. 21 und 51 sowie eine weitere C-Dur-Sinfonie im Mittelpunkt, ergänzt um Werke von Gregor Joseph Werner und Rossini. Bis 2032 ist noch etwas Zeit – Antonini arbeitet vorsichtshalber schon seit Jahren daran. Am 16. Oktober folgt Martin Fröst mit Roland Pöntinen und französisch geprägtem Klarinettenrepertoire. Am 13. November schließlich gibt Ian Bostridge sein Neumarkter Debüt mit dem Oberon Trio. Schottische und irische Volksliedbearbeitungen von Haydn und Beethoven treffen auf Schubert. Drei Abende, drei völlig verschiedene Zugänge zur Klassik – so darf eine Konzertreihe aussehen.
Das Theater Ansbach empfängt am 16. Oktober die Nürnberger Symphoniker. Unter Jonathan Darlington spielen sie Mozarts „Pariser“ Sinfonie, Bruchs erstes Violinkonzert mit Luka Faulisi und Haydns Londoner Sinfonie Nr. 104. „Aufbruch und Vollendung“ heißt der Abend – ein Motto, gegen das Haydns letzte Sinfonie schwerlich Einspruch erheben kann. Am 8. November widmet sich Paul Sturm in einem Gesprächskonzert Schubert und verbindet Musik mit Erläuterung. Auch das gehört zu einer Vorschau: Nicht jeder Zugang zur Klassik muss durch die ehrfurchtgebietende Eingangstür führen. Den November beschließt Nasti am 16. mit einem Klavierkonzert für zwei Hände.
Das Stadttheater Aschaffenburg hat einiges zu bieten. Am 9. Oktober eröffnet das Quatuor Hermès die Kammerkonzerte mit Mozart, Szymanowski und Bartóks fünftem Streichquartett. Am 17. Oktober folgt Anima Eterna Brugge mit Alexander Melnikov am Klavier und am Dirigentenpult. „Mitteleuropa Landscapes“ vermisst auf historischen Instrumenten einen musikalischen Raum zwischen Dvořák, Janáček, Vítězslava Kaprálová und Bartók. Kaprálovás Partita für Klavier und Streicher entstand 1939; die tschechische Komponistin starb schon im folgenden Jahr mit nur 25 Jahren – eine Entdeckung! Am 11. November gastiert das SIGNUM saxophone quartet. Vier Saxophone zwischen klassischer Kammermusik und Experiment: Wer das Instrument hauptsächlich mit Jazz verbindet, darf seine Schublade ruhig ein Stück weiter aufziehen.
Die Gunzenhäuser Konzertreihe hat sowohl im Oktober als auch im November einen Termin im Kalender. Weil wir dem Konzertabo in dieser Ausgabe einen eigenen größeren Artikel widmen, belassen wir es hier beim Wegweiser dorthin. Man muss ja nicht alles zweimal erzählen.
Das Staatstheater Regensburg setzt am 31. Oktober mit seinem zweiten Philharmonischen Konzert „Mahnung“ ein unüberhörbares Zeichen. Im Zentrum steht Schostakowitschs siebte Sinfonie, die „Leningrader“, dirigiert von GMD Stefan Veselka. Ein Werk von gewaltigen Dimensionen und noch gewaltigerem historischen Gepäck – leichte Abendunterhaltung sieht anders aus. Daneben bieten Kammer- und Hauskonzerte kleinere Formate; für diese Vorschau darf die „Leningrader“ jedoch das große Ausrufezeichen setzen.
Der Musikverein Regensburg beginnt am 2. Oktober mit dem Amatis Trio und Werken von Andrea Tarrodi, Mendelssohn und Schubert. Am 18. Oktober folgt Salaputia Brass mit Tänzen aus vier Jahrhunderten. Klaviertrio und Blechbläser: Schon diese beiden Konzerte zeigen, wie verschieden Kammermusik aussehen – und klingen – kann.
Beim Theater der Stadt Schweinfurt bewegt sich das einschlägige Angebot im Oktober etwas weiter an den Rändern des klassischen Repertoires. Französische Chansons am 23. und „Classic meets Pop“ am 25. Oktober öffnen die Türen in andere Richtungen.
Das Theater Altenburg Gera erinnert am 21. und 22. Oktober in Gera sowie am 23. Oktober in der Brüderkirche an Carl Maria von Weber, dessen Todestag sich 2026 zum 200. Mal jährt. Seine erste Sinfonie trifft auf Mendelssohns „Lobgesang“. Fast noch neugieriger macht das erste Kammerkonzert am 4. Oktober: „Ein Lauschender auf blauer Au“ verbindet zum 100. Geburtstag Gerhard Altenbourgs Bilder, Texte und Musik von Hans Werner Henze, Ruth Zechlin und Olav Kröger. Bildende Kunst, Literatur und Musik – ganz ohne das modische Etikett „Crossover“. Genau solche Programme gehen in Saisonübersichten gern verloren. Im November folgt das dritte Philharmonische Konzert; bei der Fülle in der Region muss diesmal der Hinweis genügen.
Das Theater Erfurt bietet am 15. und 16. Oktober sein zweites, am 12. und 13. November das dritte Sinfoniekonzert. Letzteres ist besonders reizvoll zusammengestellt: Tschaikowskys Violinkonzert mit Albrecht Menzel, Hans Werner Henzes „Introduktion, Thema und Variationen“ zum 100. Geburtstag des Komponisten und Debussys „La Mer“. Ein altes schottisches Liebesgedicht, Tschaikowskys Seelenverwandtschaft mit Nadeschda von Meck und Debussys Meer begegnen sich da auf ziemlich verschlungenen Wegen. Hermes Helfricht dirigiert. Dazu kommen Kammer- und Sonderformate sowie die „Pultstars von Morgen“ – Erfurt lässt im Herbst also kaum eine Konzertschublade geschlossen.
Das Landestheater Eisenach beziehungsweise die Thüringen Philharmonie eröffnet am 2. Oktober mit einem Festkonzert, das auf 375 Jahre Orchestergeschichte blickt. „Wanderer zwischen den Welten“ lautet der Titel; Markus Huber dirigiert, Countertenor Nils Wanderer ist als Artist in Residence dabei. Am 6. November folgen Brahms und Bruckner, am 27. November Mozart und Beethoven unter dem Titel „Olymp der Wiener Klassik“. Nach 375 Jahren darf man wohl behaupten: Dieses Orchester hat schon den einen oder anderen Saisonbeginn erlebt.
Die Meininger Hofkapelle im Staatstheater Meiningen setzt am 7. Oktober zunächst auf Bach, Händel, Vivaldi und Rameau. Das zweite Sinfoniekonzert am 11. November spannt den Bogen von Bach über Brahms zu Bartók. Gerade diese Reibung zwischen barocker Ordnung, romantischer Fülle und dem 20. Jahrhundert macht den Abend interessanter als eine bloße Folge berühmter Namen.
Beim Deutschen Nationaltheater und der Staatskapelle Weimar stehen am 11. und 12. Oktober Bartóks „Tanz-Suite“, Liszts erstes Klavierkonzert mit Martina Filjak und Auszüge aus Prokofjews „Romeo und Julia“ auf dem Programm. Am 15. und 16. November geht es britisch-russisch weiter: Vaughan Williams’ „The Wasps“, Waltons Violinkonzert und Rachmaninows zweite Sinfonie. Zwei Programme mit ordentlich Farbe im Orchester – Weimar muss im Herbst wahrlich nicht allein von Goethe leben.
Schloss Weißenbrunn setzt einen bewusst kleineren Kontrapunkt zu den großen Sälen. Am 25. Oktober steht Kammermusik mit Werken von Schubert, Schumann und Mendelssohn auf dem Programm, am 8. November folgt ein Benefizkonzert, das Beethoven und seinen Schüler Ferdinand Ries miteinander verbindet. Gerade in einer Region mit so vielen Orchestern tut es gut, zwischendurch auch wieder zu hören, was wenige Musiker in einem intimeren Raum erzählen können.
Das Mainfranken Theater Würzburg beginnt den Oktober groß: Am 1. und 2. Oktober dirigiert GMD Mark Rohde Bruckners fünfte Sinfonie. Am 22. und 23. Oktober wird die Kombination noch spannender. Stephen Waarts spielt Schumanns Violinkonzert d-Moll, danach folgt Hindemiths Sinfonie „Mathis der Maler“. Schumanns lange problematisch behandelte späte Partitur und Hindemiths Auseinandersetzung mit dem Künstler in bedrängter Zeit ergeben eine Paarung, die mehr verspricht als bloßen Repertoirebetrieb.
Die Würth Philharmoniker setzen am 17. Oktober auf die Begegnung von Tradition und Moderne. Am 31. Oktober verbindet Rudolf Buchbinder als Pianist und Dirigent Haydn, Beethovens erstes Klavierkonzert und Schumanns a-Moll-Konzert. Am 21. November übernimmt Albrecht Mayer gleich beide Rollen: Als Dirigent und Oboist widmet er sich Mozart, darunter dem vervollständigten Oboenkonzert KV 293, und Mendelssohns „Schottischer“. Dazu kommen Konzertformate für Kinder, denn Nachwuchspflege beginnt bekanntlich besser vor als nach dem ersten grauen Haar.
Bleibt nach diesem Streifzug durch zwei ziemlich üppige Konzertmonate die Qual der Wahl. Vielleicht also Reinveres Beethoven-Hommage in Bamberg? Altmetall in Nürnberg? Langgaard in Hof? Haydn auf dem Weg ins Jahr 2032 in Neumarkt? Schostakowitschs „Leningrader“ in Regensburg? Oder doch Blechacz, Zimerman, Midori und Buchbinder? Wer im Oktober und November behauptet, in Sachen Klassik sei nichts los, hat jedenfalls nicht richtig hingeschaut.