Stroh, das leuchtet
Mélanie Richet stellt im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen aus
veröffentlicht am 12.06.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Es gibt Materialien, die die Kunstgeschichte vergessen hat. Stroh gehört dazu – und genau das macht es für Mélanie Richet so interessant. In ihrer Studioausstellung „Von Stroh zu Gold – Kunst mit Halmen" im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen zeigt die Pariser Künstlerin, was entsteht, wenn man zwei nahezu verschwundene Handwerkstechniken nicht bloß wiederbelebt, sondern konsequent weiterdenkt.
Richet wurde in den Ateliers Lison de Caunes in Paris in die Strohmarketerie eingeführt – jene filigrane Einlegekunst, die einst kostbare Möbeloberflächen veredelte. Hinzu kam die Wulstwickeltechnik, eine traditionelle Flechttechnik aus dem Korbmacherhandwerk, die sie bei Silke Seibt erlernte. In ihrem Werk verbindet sie beide Verfahren zu einer eigenständigen, zeitgenössischen Bildsprache. Das Stroh – gefärbt oder in seiner natürlichen Farbe belassen – wird dabei zum Träger von Licht, Struktur und Bedeutung. Tradition wird nicht rekonstruiert, sondern als lebendiges Material begriffen, das Fragen an die Gegenwart stellt.
Der Ausstellungsort verstärkt diese Wirkung auf besondere Weise: Das historische Truchsess-Haus aus Oberhohenried bildet einen atmosphärischen Resonanzraum für Richets Arbeiten – ein Dialog zwischen alten Mauern und neuen Formen, der beiden Seiten gut bekommt. Die Schau ist Teil der seit 2021 laufenden Reihe „Kunst im Freilandmuseum", die Künstlerinnen und Künstler der Region in den besonderen Kontext historischer Gebäude setzt.
Wer nicht nur schauen, sondern selbst Hand anlegen möchte, hat am 25. Juli und 8. August Gelegenheit dazu: Richet bietet an beiden Terminen Praxiskurse im Museum an.
Die Ausstellung ist noch bis 8. November 2026 im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen zu sehen. Mehr Informationen unter www.freilandmuseum-fladungen.de.