Die Handtasche als Kulturgeschichte
Das Knauf-Museum Iphofen zeigt Taschen zwischen Mode, Status und gesellschaftlichem Wandel
veröffentlicht am 24.07.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Mit der Ausstellung „TRAG MICH! Handtaschen aus 100 Jahren“ widmet sich das Knauf-Museum Iphofen einem Objekt, das lange als bloßes Accessoire unterschätzt wurde. Die Schau präsentiert rund 80 Handtaschen aus einem Jahrhundert – von frühen Modellen des 20. Jahrhunderts bis zu ikonischen Entwürfen internationaler Luxusmarken wie Hermès, Chanel, Gucci oder Ferragamo. Dabei erzählt die Ausstellung weniger eine Geschichte des modischen Geschmacks als eine Kulturgeschichte gesellschaftlicher Rollenbilder.
Denn die Entwicklung der Handtasche ist eng mit der zunehmenden Mobilität und gesellschaftlichen Sichtbarkeit von Frauen verbunden. Erst im späten 19. Jahrhundert wurde sie mit Industrialisierung und urbanem Leben zum alltäglichen Gebrauchsgegenstand. In den 1920er Jahren avancierte sie zum festen Bestandteil weiblicher Öffentlichkeit, später auch zum Statussymbol internationaler Luxusindustrie. Modelle wie die „Kelly Bag“ von Hermès oder die Chanel 2.55 stehen bis heute exemplarisch für die Verbindung aus Eleganz, Markenidentität und gesellschaftlicher Inszenierung.
Die Ausstellung verfolgt diese Entwicklung bis in die Gegenwart, in der Handtaschen zugleich Designobjekte, Sammlerstücke und Ausdruck individueller Selbstinszenierung geworden sind. Auffällig ist dabei die Vielfalt der gezeigten Materialien, Formen und handwerklichen Techniken. Neben französischen Luxusmarken rücken auch italienische Hersteller wie Prada oder Gucci sowie deutsche Firmen wie Goldpfeil und Comtesse in den Blick.
Dass sich das Knauf-Museum diesem Thema widmet, verweist zugleich auf einen erweiterten Kulturbegriff: Mode erscheint hier nicht als Nebenschauplatz der Kunstgeschichte, sondern als Spiegel gesellschaftlicher Veränderung, ökonomischer Entwicklungen und ästhetischer Ideale,
Die Ausstellung ist noch bis zum 8. November im Knauf-Museum Iphofen zu sehen. Weitere Informationen unter www.knauf-museum.de.