Malerei trifft Plastik
Veronika Hilger ist mit dem Lothar-Fischer-Preis 2025 ausgezeichnet
veröffentlicht am 06.09.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Manche Künstlerinnen brauchen zwei Medien gleichzeitig, um eine Frage zu stellen. Veronika Hilger, 1981 in Prien am Chiemsee geboren und heute in München lebend, ist mit dem Lothar-Fischer-Preis 2025 ausgezeichnet worden – und zeigt die damit verbundene Ausstellung bis zum 11. Oktober 2026 im Museum Lothar Fischer in Neumarkt i.d.OPf. Der dotierte Förderpreis wird alle zwei Jahre von der Lothar & Christel Fischer Stiftung und der Stadt Neumarkt vergeben und ist fest mit einer Einzelschau im Folgejahr verbunden.
Hilger studierte an der Akademie der Bildenden Künste München bei Axel Kasseböhmer und zuletzt als Meisterschülerin bei Jean-Marc Bustamante – daneben auch Psychologie und Ethnologie, was sich in ihrer Bildsprache spürbar niederschlägt. In den vergangenen Jahren hat sie ihr malerisches Werk um plastische Arbeiten erweitert: glasierte, teils in Raku-Technik gebrannte Keramiken, die formal und motivisch eng mit den Gemälden korrespondieren. Für deren Präsentation entwickelt sie ortsspezifische Sockellandschaften, die das Verhältnis von Licht und Schatten, Proportion und Raum eigens mitdenken.
Die überwiegend unbetitelten Gemälde – biomorph, figurativ, oft surreal – lassen sich zwischen Interieur, Landschaft, Stillleben, Figurenbild und Porträt kaum eindeutig verorten. In vielschichtigen Farbaufträgen entstehen auf der Fläche dreidimensionale Bildräume; mitunter glaubt man, durch ein Fenster oder Schlüsselloch zu blicken. Gesehenes, Erlebtes und Erdachtes verschmilzt zu einer rätselhaften Einheit, die sich rascher Zuordnung entzieht. „Ich versuche, selbst zu üben, das Bild immer aus verschiedenen Betrachtungssituationen zu verstehen“, sagt Hilger – und macht damit die Malerei selbst zur wichtigsten Quelle ihrer Bilder.
Die kleineren, oft amorphen Keramiken wirken dagegen wie emotionale Kammern: Sie erinnern an deformierte Hände, hybride Wesen, traurige Pflanzen oder fremdartige Maschinen. Als ausgebildete Malerin setzt Hilger dort die Farbe bewusst zurückhaltend ein, um vorschnelle Deutungen der plastischen Form zu vermeiden. Durchgängig schwingen existenzielle Fragen mit: Wie verhält sich der Mensch zur Natur? Wie verbinden sich Einzelteile zu einem Ganzen? Und, wie die Preisträgerin selbst fragt: „Darf überhaupt etwas mehr wert sein als das andere?“ Rund vierzig Arbeiten aus Malerei und Plastik geben in Neumarkt darauf keine endgültige Antwort – wohl aber Einblick in ein vielschichtiges Œuvre, aus dem sich eigene Antworten gewinnen lassen.
Weitere Informationen zur Ausstellung findet man unter www.museum-lothar-fischer.de.