Ausstellungen

Acht Stimmen, ein Licht

Das Neue Museum Nürnberg zeigt Alexandra Grants Werke zu Literatur, Sprache und weiblicher Erfahrung

veröffentlicht am 01.09.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Alexandra Grant, Detail after Cixous, 2026. Silk screen, colored pencil, acrylic paint, acrylic ink, and sumi ink on paper

Alexandra Grant, Detail after Cixous, 2026. Silk screen, colored pencil, acrylic paint, acrylic ink, and sumi ink on paper, Foto © Studio Alexandra Grant

Wenn eine Künstlerin acht Autorinnen aus acht Jahrhunderten in einem einzigen Raum versammelt, entsteht mehr als eine Ausstellung – es entsteht ein Gespräch über die Zeiten hinweg. Das Neue Museum Nürnberg zeigt vom 17. Juli bis 11. Oktober 2026 mit „Ein Stern genügt, um an das Licht zu glauben“ die erste Einzelausstellung der US-amerikanischen Künstlerin Alexandra Grant (*1973) in einem deutschen Museum – und erst ihre zweite in Europa überhaupt.

Für Nürnberg hat Grant acht großformatige Gemälde geschaffen – je 3,9 mal 4,5 Meter groß –, jedes davon eine künstlerische Antwort auf einen literarischen Text einer Autorin. Inhaltlich reicht das Spektrum der Texte von weiblicher Selbstfindung im Schreiben über Migration und spirituelle Erfahrung bis zu Krieg, Armut und Diskriminierung. Vier der acht Schriftstellerinnen haben einen biografischen Bezug zur Stadt: die mittelalterliche Dominikanerin Christina Ebner, die Barockdichterin Maria Catharina Stockfleth, die Gruppe-47-Autorin Gisela Elsner und die in Nürnberg lebende Pauline Füg. Ergänzt wird die Reihe durch internationale Stimmen wie die Philosophin Hélène Cixous, die Bestsellerautorin Fatma Aydemir sowie Rasha Khayat und Olivia Wenzel. Über die Jahrhunderte hinweg eint sie ein gemeinsames Thema: Wege in die Dunkelheit – und das Licht, das dennoch bleibt.

Grant übersetzt die Texte in Typografie und Komposition, entwickelt für jede Autorin eine eigene visuelle Sprache und macht damit weibliches Schreiben selbst zum Bildgegenstand. Technisch greift sie auf den Siebdruck zurück, ausgeführt auf Hahnemühle-Papier – ein bewusster Verweis auf Nürnbergs Geschichte als Druckstadt, von Albrecht Dürer bis zur Nürnberger Chronik. Die Werke entstehen zugleich auf Englisch und Deutsch, wodurch Übersetzung selbst zum Thema wird.

Auch die Präsentation folgt einem inszenatorischen Konzept: In einer eigens gebauten achteckigen Galerie liegt der Raum größtenteils im Dunkeln, punktuelle Strahler lassen die acht Gemälde wie Fenster aufleuchten. In der Mitte hängt, über einer zentralen Sitzplattform, eine einzelne Glühbirne – ein stilles Sinnbild für den Ausstellungstitel.

Grant, Tochter einer Diplomatin, wuchs in mehreren Ländern auf und studierte am California College of the Arts in San Francisco. Seit Jahren verbindet sie in ihrer Arbeit Bild und Text, häufig in enger Zusammenarbeit mit Autorinnen. Ausstellungen führten sie unter anderem ins Museum of Contemporary Art Los Angeles, ins Orange County Museum of Art und zur Biennale in Venedig.

Weitere Informationen zur Ausstellung findet man unter www.nmn.de.

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