Ausstellungen

Original Dürer! Briefe aus Venedig

Briefe an Pirckheimer treffen im Albrecht-Dürer-Haus auf Bogi Nagy

veröffentlicht am 25.08.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Die Krone des Braunviehs, 2026, Fineliner und Acryl, partiell mit 24 Karat Gold

Die Krone des Braunviehs, 2026, Fineliner und Acryl, partiell mit 24 Karat Gold, Foto © Bogi Nagy

Zwei Reisen, fünfhundert Jahre auseinander, und doch derselbe Weg: Albrecht Dürers Aufenthalt in Venedig zwischen 1505 und 1507 sowie die Fußwanderung der Nürnberger Künstlerin Bogi Nagy, die 2025 genau diese Route noch einmal zurücklegte. Das Albrecht-Dürer-Haus stellt beides nebeneinander und lässt ein Gespräch über die Jahrhunderte entstehen, das erstaunlich unmittelbar wirkt.

Im Zentrum stehen zehn Briefe, die Dürer aus Venedig an seinen Freund Willibald Pirckheimer nach Nürnberg schickte. Sieben davon werden in der Stadtbibliothek Nürnberg verwahrt, zwei sind nun im Original zu sehen, ein dritter als Faksimile aus dem 19. Jahrhundert. Was diese Blätter kostbar macht, ist ihr Ton: Sie berichten von Malaufträgen und Geldsorgen ebenso wie von Sehnsucht und den kleinen Reibungen einer Männerfreundschaft über die Distanz. Ergänzt wird die Präsentation durch Originalgrafiken von Dürer und Marcantonio Raimondi.

Im Vorraum setzt Bogi Nagy einen zeitgenössischen Kontrapunkt. Am 21. Mai 2025, Dürers 554. Geburtstag, brach sie zu Fuß von Nürnberg auf und legte 758 Kilometer durch Deutschland, Österreich und Italien zurück, darunter eine Alpenüberquerung, allein und selbstfinanziert. Das Gehen selbst geriet dabei zur Aktionskunst, die Landschaft zum Atelier.

Zwei gezeigte Arbeiten machen das greifbar. „Die Krone des Braunviehs“ verbindet das Bild eines unenthornten Rindes mit einem venezianischen Palast im Hintergrund und einem Distelkranz, der auf Dürers Selbstbildnis von 1493 verweist. „Nephrolith“ reagiert auf eine Nierensteinoperation während der Reise und korrespondiert mit Dürers Krankheitszeichnung von 1506/07.

Dass Nagy familiäre Wurzeln mit Dürer teilt, beide Familien stammen aus der Gegend um Ajtós bei Gyula, und sie seit Jahren in einem Fachwerkhaus aus Dürers Zeit arbeitet, verleiht dem Projekt eine biografische Tiefe, die über bloße Hommage hinausgeht. Ihr Empfang durch Venedigs Bürgermeister und der Pilgersegen in der Basilica di San Marco zeigen, wie aus einer künstlerischen Geste diplomatisches Gewicht erwächst.

Die Schau, zeitgleich zur Venedig-Biennale, vermeidet die Falle der Jubiläumsillustration. Sie macht Dürers Briefe lesbar als Dokument eines Aufbruchs und stellt ihnen eine Gegenwart gegenüber, die zeigt, wie widerstandsfähig Fragen nach Herkunft, Freundschaft und künstlerischer Selbstbehauptung geblieben sind.

Die Ausstellung ist bis zum 4. Oktober 2026 im Albrecht-Dürer-Haus Nürnberg zu sehen. Weitere Infos unter www.museen.nuernberg.de/duererhaus.

Passende Termine zum Artikel

Schlagworte:

Ähnliche Artikel: