Wo Kunst Brücken baut
Beim XVII. Europa-Symposium in Thurnau arbeiten im August Künstlerinnen und Künstler aus drei Ländern öffentlich an neuen Werken
veröffentlicht am 19.08.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Manche Kunst entsteht im Verborgenen, hinter Atelierfenstern, fern vom Blick der Öffentlichkeit. In Thurnau ist das anders. Hier wird Kunst sichtbar, hörbar und begehbar – mitten im Entstehen. Wenn vom 17. bis 23. August 2026 das XVII. Europa-Symposium Thurnau stattfindet, verwandelt sich die oberfränkische Marktgemeinde erneut in einen offenen Arbeitsraum der Künste, in dem Begegnung ebenso wichtig ist wie das fertige Werk.
Unter dem seit Jahren tragenden Motto „Kunst baut Brücken“ kommen in diesem Sommer 16 Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland, Polen und Tschechien zusammen, um eine Woche lang gemeinsam zu arbeiten, sich auszutauschen und ihre Ideen in Material, Farbe und Form zu übersetzen. Es ist ein Format, das weniger Ausstellung als Prozess ist – und gerade darin seinen besonderen Reiz entfaltet. Kunst wird hier nicht als abgeschlossenes Objekt verstanden, sondern als lebendiger Dialog, als fortwährende Bewegung zwischen Idee, Handwerk und öffentlicher Wahrnehmung.
Im Skulpturengarten am östlichen Ortseingang arbeiten die Bildhauer. Schon von weitem ist das rhythmische Schlagen auf Stein zu hören, jener archaische Klang, der jede Skulpturwerdung begleitet. Mit dabei sind unter anderem Michael Sauer, Rudolf Schneidmadl, Florian Tully, Martin Auer und Holger Ritzhaupt. Einen spannenden Kontrast setzt der tschechische Künstler Tomáš Doleyš, dessen Arbeiten aus Stahl den massiven Sandsteinformen eine industrielle, fast kühl-moderne Stimme entgegensetzen.
Parallel dazu wird im historischen Schloss Thurnau gearbeitet: Der ehemalige Pferdestall verwandelt sich für die Dauer des Symposiums in ein Atelier für Malerei. Hier treffen Positionen aus Prag, Karlsbad, Krakau, Bayreuth, Dresden und Bad Kissingen aufeinander – ein geografisches wie künstlerisches Netzwerk, das den europäischen Gedanken im Kleinen lebendig macht. Gerade in Zeiten kultureller und politischer Spannungen gewinnt diese Form des grenzüberschreitenden Arbeitens eine besondere symbolische Kraft.
Das Besondere in Thurnau liegt dabei nicht allein in der Qualität der Beteiligten, sondern in der Offenheit des Formats. Die Besucherschaft kann den Kunstschaffenden über die Schulter schauen, Fragen stellen, Prozesse beobachten und erleben, wie aus ersten Linien, Skizzen und groben Formen allmählich Werke entstehen. So wird das Symposium selbst zu einem Ort der Vermittlung, an dem Kunst nicht erklärt werden muss, sondern unmittelbar erfahrbar wird.
Den Abschluss bildet am 23. August die Vernissage im Schloss Thurnau. Danach sind die Arbeiten bis zum 7. Januar 2027 im Töpfermuseum Thurnau und im Skulpturengarten zu sehen – als sichtbare Spuren eines Projekts, das seit Jahren zeigt, dass Kunst nicht nur Räume füllt, sondern Verbindungen schafft und europäische Verständigung auf ihre stillste und nachhaltigste Weise ermöglicht.
Weitere Informationen zur Ausstellung findet man unter www.toepfermuseum-thurnau.de.