Wenn Material zum Raum wird
Kathrin Hubl zeigt Plastiken aus Holz, Gummi und Kunststoff im Kesselhaus
veröffentlicht am 14.08.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Wer das Kesselhaus in Bamberg betritt, betritt zugleich ein Gefüge aus Industriearchitektur und Kunst – seit 2011 ist der Ort fester Bestandteil der fränkischen Kulturszene. Vom 8. August bis 20. September zeigt der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Oberfranken dort die Einzelausstellung „Raumforschung“ von Kathrin Hubl, deren Titel Programm ist: Es geht um die Wechselwirkung zwischen Architektur und plastischer Arbeit.
Hubls Werdegang – Holzbildhauerin, Schreinermeisterin, Restauratorin – prägt ihre künstlerische Praxis bis heute. Aus schmalen Holzleisten entstehen zwei Meter hohe, luftige Objekte, deren serielle Anordnung an eine DNS-Helix denken lässt. Aus Reifenschläuchen, durch Einschnürungen geformt, wachsen organisch-fruchtige Gebilde, deren pralle Volumina zur haptischen Erfahrung einladen – zu großen Wandtableaus montiert, variieren sie eine Grundform ins scheinbar Endlose.
Am eindrücklichsten wird die Rauminszenierung dort, wo Hubl mit Pflanzentrays arbeitet: Schwarze Kunststoffstreifen, eigentlich zur Fixierung von Blumentöpfen gedacht, fügt sie zu einem 110 Meter langen Band zusammen, das sich zu einem Knäuel verdichtet und den Trichter samt Bodenöffnung des Kesselhauses raumgreifend besetzt. Hier zeigt sich, wie konsequent die Künstlerin industrielle Fundstücke in skulpturale Setzungen überführt.
Ein zweites Œuvre öffnet sich in Hubls Materialbildern: Auf großformatigen Wellpappe-Tafeln lässt sie durch Einritzen und Abziehen filigrane florale Motive sichtbar werden, begleitet von kleinformatigen Pendants aus Verpackungsmaterial. Die Bandbreite macht die Ausstellung zu einem Parcours durch ein vielseitiges Werk.
Hubl, die im Landkreis Bad Kissingen lebt und arbeitet, hat an 36 Kunst- und Bildhauersymposien im In- und Ausland teilgenommen; ihre Skulpturen aus Holz und Stahl stehen dauerhaft im öffentlichen Raum.
Weitere Informationen findet man unter www.bbk-oberfranken.de.