Bilder, die neu erzählen
23 internationale Kunstschaffende interpretieren die Bibelillustrationen von Gustave Doré neu
veröffentlicht am 14.08.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Kann ein Bild aus dem 19. Jahrhundert Antworten auf Fragen des 21. Jahrhunderts geben? Die Ausstellung „ENTSPRUNGEN – Neuinterpretation von Bibelillustrationen“ sucht darauf keine eindeutigen Antworten, sondern eröffnet neue Perspektiven. 23 Künstlerinnen und Künstler aus Belgien, Deutschland, England und Lettland zeigen im Neuen Archiv der Burg Wertheim Arbeiten, die sich mit drei berühmten Holzstichen des französischen Illustrators Gustave Doré auseinandersetzen.
Ausgangspunkt sind die Darstellungen „Judith zeigt das Haupt des Holofernes“, „Der Turmbau zu Babel“ und „Arche Noah – Die Aussendung der Taube“ – Bildmotive, die bis heute Fragen nach Macht, Hybris, Gewalt, Hoffnung und gesellschaftlichem Zusammenhalt aufwerfen. Die beteiligten Kunstschaffenden übersetzen diese Themen in Malerei, Druckgrafik, Fotografie, Skulptur, Installation, Objektkunst und Zeichnung und zeigen, wie zeitlos die darin verhandelten Konflikte geblieben sind.
Initiator Axel Schöber entwickelte das Projekt aus seiner langjährigen Faszination für Dorés monumentale Bibelillustrationen. Obwohl er sich selbst als Atheisten beschreibt, erkannte er in den Bildern eine erzählerische und emotionale Kraft, deren gesellschaftliche Relevanz weit über religiöse Deutungen hinausreicht. Aus dieser persönlichen Annäherung entstand die Idee, Künstlerinnen und Künstler einzuladen, die historischen Motive neu zu lesen und in die Bildsprache der Gegenwart zu übertragen. Unterstützt wurde das Projekt von Prof. Dr. Gerhard Kilger, der die Auswahl der Teilnehmenden begleitete und die Ausstellung inhaltlich einordnet.
Die Vernissage ist für den 16. August 2026 (11.30 Uhr) vorgesehen. Anschließend sind die Werke bis zum 27. September 2026 im Neuen Archiv der Burg Wertheim zu sehen. Sie lädt dazu ein, bekannte Bilder neu zu sehen – und über ihre Bedeutung für die Gegenwart nachzudenken.
Weitere Informationen zur Ausstellung findet man unter www.art-isotope.de.