Ausstellungen

Shepard Fairey im Dialog mit Keith Haring

Das Kunsthaus Apolda Avantgarde zeigt Werke eines der einflussreichsten Street-Art-Künstler unserer Zeit

veröffentlicht am 07.07.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Shepard Fairy, Obey Icon, 1996, Offset Lithographie

Shepard Fairy, Obey Icon, 1996, Offset Lithographie, Foto © Shepard Fairy

Es begann mit einem Aufkleber. 1989, noch während seines Studiums an der Rhode Island School of Design, klebte Shepard Fairey das Gesicht eines Wrestlers an Laternen, Mauern und Schaufenster amerikanischer Städte. Darunter stand zunächst der Satz „Andre the Giant has a posse" – später reduziert auf ein einziges, provokantes Wort: „Obey" – gehorche. Was als phänomenologisches Experiment im öffentlichen Raum begann, entwickelte sich durch unzählige Reproduktionen zu einer weltweiten Kampagne und machte den 1970 in Charleston, South Carolina, geborenen Künstler zu einer der prägendsten Stimmen zeitgenössischer Street Art. Zeitgleich zur großen Keith-Haring-Retrospektive zeigt das Kunsthaus Apolda Avantgarde in einer Kabinettausstellung eine Auswahl seiner bekanntesten Werke.

Die Parallele zu Haring ist keine zufällige Kuration, sondern eine bewusst gewählte Gegenüberstellung zweier Generationen politischer Bildsprache. Fairey selbst beschreibt eindringlich, wie tief ihn die Kunst seines Vorgängers geprägt hat: Harings strahlendes Baby war auf den T-Shirts der New Yorker Szene allgegenwärtig, als Fairey seine eigene künstlerische Sprache zu entwickeln begann. Harings Überzeugung, dass die Öffentlichkeit ein Recht auf Kunst hat, wurde zu Faireys Leitsatz. Wie Haring wählt er den Straßenraum als sein eigentliches Ausstellungsterrain – mit Plakaten, Stencils und großformatigen Wandbildern, sogenannten Murals, die täglich von tausenden Menschen wahrgenommen werden, die sonst womöglich keinen Zugang zur Kunst hätten. Angelehnt an Harings Pop Shop installierte Fairey zudem einen eigenen Online-Shop mit limitierten Kunstwerken und einer Kleiderkollektion.

Faireys Verehrung für Haring manifestiert sich auch in sehr konkreten Gesten der Anerkennung: Zwei Portraits entstanden 2010 und 2020, dazu eine Kleiderkollektion in Kooperation mit der Keith Haring Foundation im Jahr 2012 sowie das Vorwort zu den „Keith Haring Journals". Das 2020 entstandene Portrait mit dem programmatischen Titel „Art is for everybody" bündelt diese Hommage in einem einzigen, vielschichtigen Bild.

Weltbekannt wurde Fairey 2008 mit dem Wahlplakat für den Präsidentschaftskandidaten Barack Obama. Der Schriftzug „Hope" über einem kühl stilisierten Porträt avancierte zur politischen Ikone. Sein künstlerischer Ansatz ist dabei stets derselbe: die verführerischen Mittel der Werbung und Propaganda umkehren und gegen gesellschaftliche Missstände richten. Kunst als Aktivismus, Straße als Museum – eine Linie, die unmittelbar von Haring zu Fairey führt.

Die Ausstellung ist noch bis 23. August 2026 im Kunsthaus Apolda Avantgarde zu sehen. Weitere Informationen findet man unter www.kunsthausapolda.de.

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