Vorhang auf!

BallettFestival Gera 26 setzt Maßstäbe

Zwei Wochen voller Tanz, Historie und internationaler Begegnungen

veröffentlicht am 28.05.2026 | Lesezeit: ca. 4 Min. | von Elke Walter

„Romeo und Julia“ beim Internationalen BallettFestival Gera 26

„Romeo und Julia“ beim Internationalen BallettFestival Gera 26, Foto © Ronny Ristok

Mit dem Internationalen BallettFestival Gera 26, das vom 8. bis 21. Mai 2026 im Theater Altenburg-Gera stattfand, haben sich das Theater und Festivalleiter Norbert Skowronek eine gewaltige Aufgabe gesetzt. Gewichtig war auch der Anlass: Das Thüringer Staatsballett feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen und damit auch seine Gründerin Yvonne Georgi. Für die Spielzeit 1925/26 hatte der damalige Generalintendant Walter Bruno Iltz die erst 22-jährige Choreografin als Ballettmeisterin an das Reußische Theater, den Vorläufer des heutigen Hauses, geholt. Sie hatte mit ihrer Tanzkompanie die Basis für das heutige Staatsballett gelegt. Nach nur einem Jahr hatte die junge Frau das Theater verlassen und von dort aus eine großartige Karriere begonnen.

Ein derartiges Jubiläum zu feiern, erfordert enormes Hintergrundwissen und die Fähigkeit, die einzelnen Facetten zu einem Gesamtbild zusammenzuführen. In Zusammenarbeit mit dem Tanzhistoriker Prof. Dr. Ralf Stabel, Ballettdirektor Vitaly Petrov, gleichzeitig auch Chef des Thüringer Staatsballetts, sowie dem Theater Gera hat Skowronek ein sehr kompakt geschnürtes Programm erarbeitet. Da wurden nicht nur tolle Einzelevents aneinandergereiht – jede der eingeladenen Kompagnien und jeder Programmpunkt führte direkt oder auch indirekt zur Gründerin der Balletteinheit oder auch zu ehemaligen Schüler:innen oder Weggefährten.

Zu Gast waren neben anderen das Boston Dance Theater (USA), dessen Gründer Jan Veen etwa bei Georgi getanzt hatte, oder auch das Aalto Ballett Essen sowie Sasha Waltz & Guests, die einen Bogen zum zeitgenössischen Tanz schlugen. Aufbruch! Weiter gefasst. Wie Puzzlestücke fügten sich alle Veranstaltungen zu einem stimmigen, dem Anlass absolut angemessenen Gesamtbild zusammen. Ein Jahrhundert Tanzgeschichte und die zahlreichen Querverbindungen wurden hier mit großem Gespür miteinander vernetzt. Jede Veranstaltung für sich war ein Highlight. Einhundert Jahre Tanz stehen aber auch für eine gesellschaftlich-politische Wegstrecke, vom Beginn des 20. Jahrhunderts, Reformbewegung und Aufbruch, über NS-Zeit und DDR bis in die heutige Zeit. Auch dieser Aspekt wurde nicht ausgespart. Mit dem Bundesjugendballett John Neumeier und der Tanzcollage „Die Unsichtbaren“ erinnerte der Namensgeber an Tänzer:innen, die, wie auch Jan Veen, das nationalsozialistische Deutschland verlassen mussten. Eine Collage aus Tanz, Schauspiel und Orchester, die nachdenklich stimmte und gleichzeitig unter die Haut ging. Natürlich durfte auch der Jubilar selbst sein Können zeigen, etwa mit Emanuel Babicis Choreografie zu „Romeo und Julia“. Es spielte das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera unter der Leitung von GMD Ruben Gazarian.

Mit der Ausstellung „Bravo, Gera!“ würdigte das Festival ganz besonders Yvonne Georgi. Auch das Rahmenprogramm, etwa Werkeinführungen, Gespräche mit Spezialisten wie Prof. Dr. Ralf Stabel, Reid Anderson oder auch John Neumeier sowie das Angebot, nach den Vorstellungen die Akteure ohne große Hürden treffen zu können, trugen deutlich zum Gelingen der beiden Festivalwochen bei. Insgesamt eine überaus gelungene Hommage an eine großartige Tänzerin und Choreografin und zugleich eine tiefe Verbeugung vor einer der besten Ballettkompanien des Landes.

Weitere Informationen zum Internationalen BallettFestival Gera 26 findet man unter www.theater-altenburg-gera.de.

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