Barocke Genusswelten
Das Bayreuth Baroque Opera Festival überrascht erneut mit einem hochkarätigen Programm
veröffentlicht am 31.08.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min. | von Elke Walter
Bereits zum siebten Mal geht das Bayreuth Baroque Opera Festival in der Wagner-Stadt an den Start. Das noch relativ junge Festival hat aber schon einiges bewegt und sich im Kreis der Alte-Musik-Veranstaltungen einen festen Platz erarbeitet. Spätestens seit der Auszeichnung bei den „Oper!Awards 2024“ ist das Musikfest auch überregional bekannt geworden und erfreut sich großer Beliebtheit. 2020, im Pandemiejahr gegründet, hat es unter der künstlerischen Leitung von Countertenor und Regisseur Max Emanuel Cencic eine großartige Entwicklung erlebt. Das Konzept befasst sich überwiegend mit der Musik von etwa 1680 bis 1760, rückt gleichzeitig vergessene oder selten gespielte Werke in den Blick oder präsentiert sie sogar als Entdeckungen. Barockmusik-Fans kommen ebenso auf ihre Kosten wie Neulinge, denen das Festival den Zugang erleichtern möchte. International renommierte Vertreter:innen der Barockmusik-Szene sind willkommene Gäste, gleichermaßen bekommen auch junge Nachwuchstalente die Chance, sich mit ihrem Können zu empfehlen.
Fanden in den letzten Jahren die Aufführungen überwiegend im Markgräflichen Opernhaus sowie an historischen Spielstätten im vom Barock geprägten Bayreuth statt, kommt in diesem Jahr erstmals das sanierte Friedrichsforum mit dazu. Auch wenn das Kulturzentrum inmitten der Stadt noch nicht abschließend eröffnet wurde, kann es im derzeitigen Probebetrieb als Veranstaltungsort für Bayreuth Baroque zur Verfügung stehen. Ein Zugewinn, über den sich der künstlerische Leiter sehr freut.
Als Residenzorchester ist in diesem Sommer das Wrocław Baroque Orchestra (WBO) aus Breslau unter der Leitung von Markellos Chryssicos dabei. Das Orchester genießt einen sehr guten Ruf, gilt international als eines der bedeutendsten polnischen Ensembles für historische Instrumente und besticht darüber hinaus mit seinem hohen Spielniveau.
2023 präsentierte das Festival mit „Flavio, re de‘ Longobardi“ mit großem Erfolg bereits eine Oper von Georg Friedrich Händel. In diesem Jahr holt Cencic mit „Floridante“ erneut ein Werk des Komponisten in das Markgräfliche Opernhaus. Uraufgeführt wurde das Dramma per musica 1721 in London und zählt bedauerlicherweise zu dessen wenig beachteten Opern. Dem möchte Bayreuth Baroque entgegenwirken. „Floridante“, so heißt es in der Pressemeldung, entstehe als Koproduktion mit dem Badischen Staatstheater Karlsruhe sowie den Internationalen Händel-Festspielen Karlsruhe, wo die Inszenierung 2027 zu erleben sein wird. Die Titelpartie übernimmt der Festivalleiter, der auch Regie führt, selbst. Mit ihm stehen renommierte Kolleg:innen, wie etwa Eva Zalenga, Sonja Runje, Bruno de Sá, Pavel Kudinov oder auch Yannis Francois, auf der Bühne. Sechs Aufführungen sind während des Festivals geplant. Premiere feiert die Oper am 4. September.
Neben dem Opernangebot gehören auch hochkarätige Konzerte im Markgräflichen Opernhaus zum Konzept des Festivals. Künstlerinnen und Künstler von Weltrang sind auf der Besetzungsliste zu finden.
Zu hören sind neben anderen etwa Countertenor Maximiliano Danta und das Ensemble I Porporini, unter der Leitung des Cembalisten Gerd Amelung. Das Programm in der Schlosskirche Bayreuth ist überschrieben mit „Chaos und Ordnung“ (5. September).
Die Sopranistin Julia Lezhneva bringt, gemeinsam mit dem Kammerorchester Basel sowie dem Konzertmeister Dmitry Smirnov, am 7. September ein Programm mit „Koffer-Arien“ in die Schlosskirche Bayreuth mit.
„Caesar meets Rodelinda“ heißt das Programm, das die Sopranistin Emöke Baráth und der Countertenor Andreas Scholl mit Arien und Duetten aus Werken Händels präsentieren (9. September). Begleitet werden die beiden im Friedrichsforum vom Residenzorchester des Festivals. Die Leitung hat Markellos Chryssicos.
Als „The Sopranos“ kommen Federico Fiorio, Maayan Licht und Dennis Orellana, drei bekannte Sopranisten, am 11. September in das Markgräfliche Opernhaus. Sie werden begleitet vom Residenzorchester WBO, unter der Leitung des Cellisten Jarosław Thiel.
Unter dem Motto „Viaggio in Europa“ entführen der Tenor Petr Nekoranec und die Cembalistin Kateřina Ochmanová das Publikum in der Bayreuther Schlosskirche in die hochemotionale Klangwelt der barocken Vokalmusik (12. September).
Die Besucherinnen und Besucher sollen, auch das gehört zum Konzept, neben dem musikalischen Erlebnis auch kulinarisch in die barocke Genusswelt eintauchen dürfen. Angeboten werden ein Brunch (6. und 13. September, 12 Uhr) in der Orangerie der Eremitage sowie ein Gala-Dinner (5. und 11. September, 22 Uhr) in Schloss Birken.
Das gesamte Programm sowie Details zu den einzelnen Veranstaltungen finden Interessierte unter www.bayreuthbaroque.de.