Zwischen Swing, Blues und neuen Klangwelten
Die fränkische Jazzszene startet mit internationalen Gästen, regionalen Entdeckungen und stilistischer Vielfalt in den Konzertherbst
veröffentlicht am 29.08.2026 | Lesezeit: ca. 6 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Der Spätsommer und Frühherbst zeigen eindrucksvoll, wie lebendig die Jazz- und Bluesszene in Franken inzwischen geworden ist. Zwischen Bamberg, Bayreuth und Nürnberg setzen die drei großen Jazzinstitutionen ebenso markante Akzente wie zahlreiche engagierte Veranstalter in der Region. Dabei reicht das Spektrum von klassischem Swing und modernem Jazz über Blues, Folk und Roots-Musik bis hin zu außergewöhnlichen Crossover-Projekten. Internationale Gäste treffen auf herausragende Musikerinnen und Musiker aus der Region, renommierte Spielstätten auf ungewöhnliche Konzertorte – beste Voraussetzungen für eine abwechslungsreiche Konzertsaison.
Bamberg: Traditionsbewusstsein und stilistische Offenheit
Der Jazzclub Bamberg präsentiert sich einmal mehr als Motor eines vielseitigen Programms. Die Bandbreite reicht vom groovenden JazzHouse-Projekt in Kooperation mit der Rostscheune (10. September) über das außergewöhnliche Gypsy-Swing-Programm von Julia Hornung und Collectif Django mit dem britischen Geigenvirtuosen Ben Holder (19. September) bis zu einem besonderen Crossover-Abend, bei dem David Gazarov Richard Wagner improvisatorisch neu interpretiert (20. September). Auch das Christoph Steinbach Boogie Duo schlägt die Brücke zwischen Boogie, Blues und Swing (25. September), während das Olesch/Konertz Duo mit Vibraphon und Posaune moderne Jazzklänge entwickelt. Dies als erste Kooperation zwischen Jazzclub Bamberg und Rosengarten Serenaden Bamberg am 26. September in der Klosterkirche St. Michael. Weitere Informationen zu den Konzerten und Künstlern gibt es unter www.jcbamberg.de.
Ergänzt wird das Bamberger Angebot durch einen sommerlichen Bluesabend im Hainbad. Dort sorgen Max de Bernardi und Veronica Sbergia am 26. August gemeinsam mit den See See Riders für authentischen Country Blues, Ragtime und Jug-Band-Musik – ein Programm, das historische amerikanische Musiktraditionen in entspannter Open-Air-Atmosphäre lebendig werden lässt.
Bayreuth: Kammermusikalische Klangfarben
Auch das Jazzforum Bayreuth setzt auf musikalische Entdeckungen jenseits ausgetretener Pfade. Das Trio Soulcrane entfaltet am 26. September im Bechersaal gemeinsam mit dem Akkordeonisten Laurent Derache einen ebenso lyrischen wie farbenreichen Klangkosmos. Ohne Schlagzeug entstehen transparente Arrangements, in denen Einflüsse aus dem Balkan, dem arabischen Raum und Lateinamerika ebenso selbstverständlich Platz finden wie europäische Kammermusik. Gerade diese Offenheit gegenüber unterschiedlichen musikalischen Traditionen macht den besonderen Reiz des Bayreuther Programms aus. Weitere Informationen unter www.jazz-bayreuth.de.
Nürnberg: Tradition und neue Impulse
Mit dem Jazzstudio Nürnberg bleibt eine der bedeutendsten Jazzadressen Nordbayerns ihrer programmatischen Vielfalt treu. Den Saisonauftakt macht am 18. September das Yakou Tribe. Die Berliner Formation verbindet Progressive Jazz Rock mit Einflüssen südamerikanischer Musik, Americana und modernen Improvisationskonzepten. Anspruchsvolle Kompositionen und große Spielfreude prägen das Konzert ebenso wie die stilistische Offenheit der Band. Die drei sich anschließenden Konzerte im September stehen dann ganz im Zeichen des Contemporary Modern Jazz. Am 19. September stellt das Julius Jahn Trio, allesamt Studenten des renommierten Berliner Jazz-Instituts, sein Können unter Beweis. Eine Mischung aus Abstraktem und Konkretem können dann die Gäste am 25. September vom Henning Schiewer Quintett erwarten, bevor dann am 26. September das Maik Krahl Quartett sein neues Album „Rain, Flowers and New Beginnings“ vorstellt. Weitere Informationen unter www.jazzstudio.de.
Parallel dazu setzt die Kofferfabrik ihre erfolgreichen JazzMonday- und BluesWednesday-Reihen fort. Hide & Seek stehen am 14. September für modernen Groove-Jazz mit Eigenkompositionen und kreativer Improvisation. Dr. Will & The Wizards bringen am 23. September ihren markanten Voodoo-Swamp-Blues nach Nürnberg, während Waiting for Mel am 16. September klassischen Bluesrock mit einer markanten Frauenstimme verbindet. Den Monatsabschluss gestaltet schließlich am 30. September Trio Kusche mit reduziert besetztem Electric Blues, der bewusst auf handwerkliche Authentizität und unmittelbare Live-Energie setzt. Künstler- und Konzertinformationen findet man laufend aktualisiert unter www.kofferfabrik.cc.
Jazz und Blues in der Region
Abseits der großen Städte zeigt sich, wie breit das musikalische Netzwerk inzwischen geworden ist. Die Jazztime Ansbach knüpft an die erfolgreiche Entwicklung der vergangenen Jahre an und verbindet ihre traditionsreiche Konzertreihe mit neuen Formaten, die zusätzliche Publikumsschichten erschließen sollen. Damit entwickelt sich die Reihe zunehmend zu einem festen Baustein der regionalen Jazzlandschaft.
Die Jegelscheune in Wendelstein bleibt ihrer Handschrift treu und setzt auf hochkarätige Konzerte zwischen Blues, Swing, Folk und Americana. Die Bakery Brothers zeigen am 25. September, wie souverän sich Bluegrass, Folk und akustische Songwritertradition miteinander verbinden lassen. Joe Bawelino und Gige Brunner präsentieren filigrane Gitarrenkunst, die Mojo Men stehen für kraftvollen Blues mit großer Bühnenpräsenz, dies allerdings erst im Oktober. Und die Mufuti Twins verbinden im November Soul und Roots-Musik zu einem eigenständigen Sound. Das komplette Programm findet man auf den Webseiten der Jegelscheune.
Auch in Rhön-Grabfeld entstehen besondere musikalische Begegnungen. Im Atelierhaus Altes Gut lädt das Trio Cool & Grey am 23. August zu einer Matinee zwischen Folk, Pop, Rock und Jazz ein. Wenige Wochen später, am 13. September, widmet sich das Kloster Wechterswinkel gemeinsam mit The Playfords den Liedwelten Shakespeares und verbindet historische Musik mit improvisatorischer Spielfreude. Beide Veranstaltungsorte zeigen, wie selbstverständlich Jazz heute auch den Dialog mit anderen musikalischen Traditionen sucht. Informationen findet man im Veranstaltungskalender der Region.
So entsteht über die gesamte Region hinweg ein Konzertprogramm, das weit mehr ist als die Summe einzelner Veranstaltungen. Die großen Jazzclubs in Bamberg, Bayreuth und Nürnberg geben der Szene ihr Profil, während zahlreiche kleinere Spielstätten mit eigenen Ideen und persönlicher Atmosphäre wichtige Impulse setzen. Gerade dieses Zusammenspiel aus etablierten Institutionen und engagierten regionalen Veranstaltern macht den Reiz der fränkischen Jazzlandschaft aus – vielfältig, offen und musikalisch neugierig.