Lachen bis der Vorhang fällt
Mit zahlreichen Kabarett- und Comedygrößen startet die Region humorvoll in den Spätsommer
veröffentlicht am 17.08.2026 | Lesezeit: ca. 11 Min. | von Andreas Bär
Auch wenn der Festivalsommer noch nicht ganz beendet ist, kann man die Zielgerade schon erahnen. Im August und September geht es daher anfangs noch outdoor darum, die Lachmuskeln zu strapazieren, ehe sich das Geschehen allmählich wieder in das Gebäudeinnere der Lokalitäten verlagern wird. Zur besseren Orientierung haben wir uns erneut im Verbreitungsgebiet umgesehen und umgehört.
Im Kursaal Bad Bocklet feiert Michl Müller am 27. September ein Heimspiel. Der unterfränkische Kultkabarettist gastiert mit seinem Limbo of Life-Programm. Wie stellte einst der römische Politiker, Schriftsteller und Philosoph Cicero fest: „Keinem Nüchternen wird es einfallen zu tanzen, es sei denn, er wäre verrückt.“ Mehr als 2000 Jahre später wird diese Aussage nun erstmals widerlegt. Durch Michl Müller, Kabarettist, Comedian, Unterfranke und Fastnachts-Philosoph.
Mit einer gehörigen Portion Humor startet Bad Kissingen wieder in die bunten Herbsttage: Der Kissinger Kabarettherbst findet vom 26. September bis 21. November im historischen Kurtheater statt und umfasst insgesamt acht hochkarätige Veranstaltungen. Mit Witz, Schlagfertigkeit und Tiefgang bietet das abwechslungsreiche Programm beste Unterhaltung in einem besonderen Ambiente. Am Samstag, 26. September, eröffnet Lars Reichow um 19.30 Uhr im Kurtheater mit seinem Programm „Boomer“. Dabei geht es nicht um Gartenmöbel oder vom Aussterben bedrohte Kuscheltiere, sondern um eine ganze Generation – die um 1960 Geborenen, zu denen er selbst gehört. Auf dem Programm stehen außerdem Dave Davis, René Sydow, Christine Eixenberger, Tina Teubner, Mathias Tretter, Stefan Danziger und Jochen Malsheimer.
Im Jagdschloss Bad Rodach wird es am 11. September skurril. Andreas Pietsch und Markus Pfennig recherchieren in den Tiefen des deutschen Schlagers und bieten allerlei pointierte Geschichten um zahlreiche Kulthits. Einen Tag später sind die beiden zu Gast im Historischen Rathaussaal in Weißenbrunn, am 25. September in Coburg im Münchner Hofbräu.
Am 5. September gastiert die unterfränkische Kabarettlegende Frank-Markus Barwasser mit seinem Alter Ego Erwin Pelzig im Rahmen des Seebühnenfestivals Bad Staffelstein in der schmucken Kurstadt. Die Süddeutsche Zeitung schrieb einst über ihn: „Die Stimme des polternden Stoikers, des kämpferischen Empathen, des bodenständig Verständigen, der trotzdem nicht alles besser weiß, die des Normalen, der weiß, dass er auf seine Weise verrückt ist.“ In seinem neuen Programm „Was wir werden“ geht er der Frage nach, wer wir in einer Zeit der ständigen Veränderung werden.
Im Bamberger Hegelsaal wartet am 20. September der König des Proll-Daseins: Atze Schröder. Mit einem Programm, das nachdenklich stimmt. Atze, die lebende Legende, will seinen Fans etwas zurückgeben: das Echte, das Vertraute, das schönste Gefühl der Welt. Denn wir tippen, wischen, liken – aber wissen kaum noch, wie eine echte Berührung geht. Wir haben alle Tools, um verbunden zu sein – aber niemand hebt mehr ab, wenn’s klingelt. Wir sind alle daueronline – aber innerlich auf Flugmodus. Wir leben zwischen Selbstoptimierung und digitalen Dauerbrennern, in Beziehungen mit gemeinsamem WLAN-Passwort, aber ohne stabile Verbindung.
Auch im Kulturboden Hallstadt darf gelacht werden. Am 19. September schlagen Sebastian Reich und sein Nilpferd Amanda dort auf. Einen Tag später reist der Unterfranke mit seiner Gespielin im Gepäck noch einige Kilometer weiter in oberfränkischen Gefilden und wird auf der Bühne der Hofer Freiheitshalle stehen.
Im Rahmen des Bayreuther Comedy- und Kabarettherbstes liefert der großartige Urban Priol den Auftakt. Am 19. September steht er im Zentrum auf der großen Bühne. Sein aktuelles Programm gleicht einem Fluss in Bewegung. Mit scharfem Blick verfolgt er das politische Geschehen – vom stehenden Gewässer der GroKo über das mäandernde Rinnsal der Ampel bis zu den Untiefen des braunen Sumpfs. Uferlos pflügt der Meister der Parodie durch die Nacht und bringt komplexe Zusammenhänge auf den Punkt. Robert Alan, Ines Procter, Matthias Walz, Rolf Miller, Rubey & Schwarz, ALFONS, Das Eich, Sarah Bosetti, Claus von Wagner und Quichotte schließen sich an.
Die Erlanger Kulturszene darf ab dem 18. September frohlocken. Dann endet die Sommerpause im Erlanger fifty-fifty. Und wie gewohnt bietet das Kleinkunsttheater ab dem ersten Tag wieder volles Programm. Den Auftakt macht die A Cappella-Formation Six Pack, die an gleich zwei Abenden hintereinander vorbeischaut. Matthias Egersdörfer (25. September) und Klaus Karl-Kraus (27. September) beschließen die ersten launigen Abende auf der Theaterbühne.
Zwei Jahre Pause. Zwei Jahre Schweigen. Zwei Jahre, in denen die Welt geglaubt hat, sicher zu sein. Doch jetzt ist er zurück: der Hassias. Der Hohepriester der Beleidigung. Der Messias der Menschenverachtung. Serdar Somuncu bringt seine fiktive Glaubensgemeinschaft zurück auf die Bühne – kompromisslos, kabarettistisch und maximal inkorrekt. Unter dem Leitsatz: „Jede Minderheit hat ein Recht auf Diskriminierung“ nimmt Somuncu als Hassias alles auseinander, was sich für sakrosankt hält: politische Korrektheit, Empörungskultur, moralische Überheblichkeit – und euch. Am 11. September kommt er in die Erlanger Heinrich-Lades-Halle.
Am 24. September präsentiert das fifty-fifty im Redoutensaal Erlangen eine Melange aus Musik und Comedy: Ass-Dur stehen dann auf der Bühne und jonglieren zwischen Pop-Konzert, klassischen Klängen und witzigen Einlagen.
Alle Jahre wieder geht es beim Rösler Open Air im Eyrichshofer Schlosshof rund. Sie sehnen sich nach einem Kurzurlaub aus dem Wahnsinn der Welt? Dann wartet am 3. August ein Comedyabend in Allegro Süd. Sie wissen nicht, wo das liegt? Martin Frank auch nicht. Aber der 33-jährige Comedian hat alles im Gepäck, was der Name „Allegro Süd“ verspricht: authentische Gags, mitreißendes Tempo, genussvolle Musik und einen unvergleichlichen bayerischen Charme. Am 4. August geben sich Gerhard Polt und die Well-Brüder die Ehre im Eberner Ortsteil.
Das Junge Theater in Forchheim nimmt wieder Fahrt auf. Am 19. September beendet Sara Brandhuber („A scheena Schmarrn“) die Sommerpause, am 25. September erklimmt Gery Gerspitzer die Bühne und bietet seinen Lobgesang auf Fredl Fesl.
Die Fürther Comödie als größte Theaterbühne Bayerns beendet ihre Sommerpause am 17. September. Dann geht es wie gewohnt Schlag auf Schlag. Der erste Hochkaräter hat sich am 23. September angekündigt: Der großartige Bernd Stelter gibt sich dann die Ehre in der Kleeblattstadt. Worüber regen wir uns nicht alles auf? Über das Knöllchen an der Windschutzscheibe, die langsame Kassiererin an der Supermarktkasse, über die Bundesregierung und über das Wetter. Wenn wir uns ärgern, wenn wir zornig sind, dann gräbt sich die Glabellafalte zwischen den Augenbrauen tief in unsere Haut. Deswegen heißt sie auch so: Zornesfalte. Und das sieht dann jeder. Wenn wir lachen, verbessert sich unser Hautbild. Mit einem Lächeln im Gesicht werden wir für unsere Mitmenschen attraktiver. Das andere Geschlecht fühlt sich zu uns hingezogen. Und Lachen ist gesund. Die Lunge wird trainiert, das Gehirn kriegt eine Sauerstoffdusche. REG DICH NICHT AUF! GIBT NUR FALTEN – rät Stelter daher.
Am 14. August lädt die Fürther Freilichtbühne ein: Sechs Comedians präsentieren einen Abend voller scharfsinnigem Humor, urkomischer Anekdoten und einer geballten Ladung Selbstironie – garantiert authentisch und unverwechselbar. Auf der Bühne stehen Matti Mauro, Stefan Kurz, Caro Rath, Camilla Colonna, Phillip Scovi und Flo Feuerlein.
Im Kulturboden Grafenrheinfeld dürfen die Lachmuskeln im September gleich doppelt angespannt werden. Am 12. September gastiert der Addnfahrer in Unterfranken, am 20. September gibt sich Kabarettist Wolfgang Krebs mit seinen zahlreichen Alter Egos die Ehre.
Auch in Haßfurt werden die Freunde gepflegter Lachmuskeleinsätze wieder gefordert sein. Am 19. September präsentiert das Kulturamt in der dortigen Stadthalle Guido Fischer und Björn Jung. Die beiden sind mit ihrem „Mädelsabend“-Programm auf Tournee. Und was soll man sagen? Sie treffen einmal mehr den Nerv des Publikums. Drei arbeitslose Freunde hecken dabei einen Plan aus – einen zugegebenermaßen äußerst skurrilen. Als einer von ihnen erzählt, dass seine Frau Tickets für die heiß begehrten Chippendales ergattert hat, kommt der Geistesblitz: Warum nicht selbst strippen – und so das nötige Geld verdienen? Der Plan steht – das Problem auch: Weder Sixpack noch Rhythmusgefühl, dafür Glatze, Hühnerbrust und jede Menge Selbstüberschätzung. Was folgt, ist eine urkomische, herzergreifende und schamlos ehrliche Geschichte über Freundschaft, Mut, männliches Scheitern – und den Versuch, das Leben nochmal neu zu erfinden.
Auch die Kulturscheune Höchberg, die gerade ihren fünften Geburtstag feiert, lässt sich nicht lumpen. Am 26. September singt Gery Gerspitzer sein Loblied auf den legendären Fredl Fesl, am 27. September gastiert Lars Redlich an gleicher Stelle und präsentiert seine Qualitäten als Entertainer, Musiker und Spaßvogel. Herrlich, wie er sich dabei selbst auf die Schippe nimmt.
Im Nürnberger Löwensaal darf am 20. September gelacht und gleichzeitig nachgedacht werden. Die Kitas und Schulen sind personell am Limit, Eltern kommen mit eigenartigen Ansprüchen, Kinder drehen immer mehr durch, sind überfordert, sollen gleichzeitig aber auch jede Entscheidung selbst treffen. Gibt es da noch was zu lachen? Deutschlands beliebtester (V)erzieher Jan Preuß gibt Antworten in seinem „Baueckenverbot“-Programm.
Seit inzwischen 22 Jahren präsentiert die Kulturfabrik Roth den Rother Kabarett- und Comedyherbst. Den Auftakt macht Profi-Imitator und Staatskanzlei-Kenner Wolfgang Krebs am 19. September mit seinem neuen Programm „Bayern liebt dich“ – gefolgt von Eva Karl Faltermeiers neuem Programm mit dem spektakulären Titel „Ding Dong“ am 25. September. Dann geht es Schlag auf Schlag weiter mit Claudia Pichler, Christine Eixenberger, Michi Altinger, Ralf Winkelbeiner, Bruno Jonas, Helmfried von Lüttichau, Django Asül und vielen weiteren.
Im Oberschwappacher Schloss lässt die Gemeinde Knetzgau die Herzen derer höherschlagen, die gerne die Lachmuskeln beanspruchen. Und dabei geht der Veranstalter beim Knetzgauer Kultursommer den etwas anderen Weg. Im Schlosshof warten jeweils um 19.30 Uhr Oti Schmelzer (7. August), Günter Grünwald & RAD GUMBO (8. August), Chris Böttcher (14. August) und Oti und Freunde (15. August) auf ihre Fans. Im September steht Matthias Egersdörfer am 17. um 20 Uhr in der Schlosshalle auf der Bühne. Knetzgau interpretiert den Übergang von der Sommer- in die Herbstsaison damit auf seine ganz eigene Weise.
Ausgelassene Stimmung, gutes Wetter und Acts, die eigentlich nur in den ausverkauften Hallen der Großstädte spielen. Dafür steht der während der Corona-Pandemie aus der Taufe gehobene Volkacher Kabarettsommer, der in diesem Jahr bereits in die siebte Runde geht. Zwischen Freitag, 28. August, und Sonntag, 6. September, gibt es allein sechs Vorstellungspremieren mit Künstlern, die noch nie in Volkach zu Gast waren. Kult-Kabarettist Volker Heißmann als künstlerischer Leiter hat in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Marketingverein Volkacher Mainschleife dabei einmal mehr ein feines Potpourri an Gästen zusammengestellt. Mit den BR-Brettlspitzen zum Start – inklusive Fernsehübertragung – über Heißmann und Rassau, Herrmann (Fernsehkoch Alexander) und Rassau bis hin zu Klaus Karl-Kraus, Caveman, Daphne De Luxe, Django Asül, Erwin Pelzig und Willy Astor reicht das Portfolio der hochklassigen Akteure.